Mit Terahertzwellen 06.01.2014, 14:52 Uhr

Scanner zur lückenlose Kontrolle von Briefinhalten

Terahertzwellen machen Verstecktes sichtbar, mehr noch: Sie analysieren Sprengstoff, Gifte und Drogen sekundenschnell. Jetzt gibt es ein Gerät zur Überprüfung von Briefen, das Terahertzstrahlung nutzt.

Am 5. Dezember 1993 verlor der damalige Wiener Bürgermeister Helmut Zilk, der 2008 starb, bei einer Explosion zwei Finger seiner linken Hand. Schuld daran war eine Briefbombe. Hätte es damals schon das Terahertz-Spektrometer T-Cognition gegeben wäre der Sprengsatz rechtzeitig entdeckt worden. Sekundenschnell ermittelt das Gerät den Inhalt von Briefumschlägen, seien es Drogen, Gift oder Sprengstoff. Die Wellen durchdringen die Hülle, als sei sie aus Glas. Gefährliche Inhaltsstoffe verändern deren Frequenz und reflektieren sie. Es entsteht ein Spektrum, das charakteristisch ist für jeden Inhaltsstoff. Eine Bildverarbeitungssoftware wertet das Ergebnis blitzschnell aus. Die Warnung erscheint dann im Klartext: Plastiksprengstoff, Heroin oder Rizin, ein Gift, das 2013 in diversen Briefen an amerikanische Politiker geschickt wurde.

Während üblicherweise Briefe oder andere Postsendungen nur überprüft werden, wenn ein Verdacht besteht, ist mit Terahertzwellen  eine lückenlose Kontrolle möglich, weil sie sekundenschnell abgeschlossen ist. Heute noch müssen die Sendungen in hermetisch abgeriegelten Räumen mit Manipulatoren geöffnet werden. T-Cognition ist vom Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik in Kaiserslautern gemeinsam mit dem Kasseler Unternehmen Hübner sowie der Dortmunder Ianus Simulation entwickelt worden.

Verpönt als „Nacktscanner“

Terahertzwellen haben eine Frequenz zwischen 0,3 und drei Terahertz (ein Terahertz sind eine Billion Hertz). Sie durchdringen ungehindert viele Werkstoffe, etwa Papier und Stoff. Für Menschen sind sie völlig ungefährlich. Wegen dieser Eigenschaften sind sie eigentlich ideal, um Waffen zu entdecken, die Fluggäste an Bord zu schmuggeln versuchen. Anders als die am weitesten verbreiteten Scanner an Flughäfen und in anderen gefährdeten Bereichen machen Terahertzwellen auch nichtmetallische Waffen sichtbar, etwa Keramikmesser.

In den USA werden sie bereits in zunehmender Zahl genutzt, in Europa noch nicht. Als „Nacktscanner“ gerieten sie vor ein paar Jahren in Verruf. Da diese Wellen Stoffe mühelos durchdringen präsentieren die Terahertzwellen den Kontrolleuren total entkleidete Fluggäste. Das war den empfindlichen Europäern nicht geheuer, sodass sie keine Zulassung bekamen. An einigen Flughäfen werden sie mit Sondererlaubnis dennoch eingesetzt, etwa auf dem Amsterdamer Airport Schiphol. In Frankfurt ist ein solcher Scanner probeweise in Betrieb, seine Nutzung freiwillig. In Großbritannien dürfen Menschen, die von den Behörden als potenziell gefährlich eingeschätzt werden, Flüge nicht antreten, wenn sie eine Terahertzdurchleuchtung verweigern.

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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