Einzigartige Anlage 25.07.2013, 12:29 Uhr

Radon kann jetzt auch in geringen Konzentrationen gemessen werden

Geruchlos, geschmacklos, tödlich: Das radioaktive Edelgas Radon verursacht Lungenkrebs. Seine Konzentration in der Luft konnte bisher nicht genau gemessen werden. Das ist jetzt anders: Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) hat eine Anlage entwickelt, die auch geringe Radon-Konzentrationen messen kann.

Drähte der Ionisations-Impulskammer.

Drähte der Ionisations-Impulskammer.

Foto: PTB

Radon ist heute vor allem in Gebäuden eine Gefahr. Das Gas steigt aus Erdspalten auf oder ist in Baustoffen wie Granit und Gips enthalten. Zusammen mit den in der Medizin verwendeten Strahlen gilt Radon als Hauptverursacher der Strahlenbelastung der Bevölkerung. „Radon kann die Bronchien schädigen und Lungenkrebs auslösen“, erläutert Annette Röttger vom PTB. Es ist auch in geringen Konzentrationen gefährlich – die ließen sich bisher aber nicht messen, weil die Messgeräte nicht genau genug eingestellt werden konnten.

Weltweit einzigartig

PTB-Mitarbeiterin Diana Linzmaier hat jetzt eine Low-Level-Radon-Referenzkammer entwickelt, die die Messung möglich macht. Zusammen mit dem dazugehörigen Transfernormal, einem strahlungsphysikalischen Präzisionsinstrument, das zur Kalibrierung von Referenz-Strahlungsquellen verwendet wird, können nun zum ersten Mal Radon-Messgeräte auch für den Bereich geringer Konzentrationen kalibriert werden. Bislang ist die Anlage weltweit einzigartig. Sie löst das Problem bisheriger Messungen: den Zeitdruck durch den schnellen Zerfall des Radons.

Das neue Transfernormal der PTB ermöglicht Messungen der Radon-Aktivitätskonzentration von 200 Bq/m3 mit einer Messunsicherheit von zwei Prozent. 

Das neue Transfernormal der PTB ermöglicht Messungen der Radon-Aktivitätskonzentration von 200 Bq/m3 mit einer Messunsicherheit von zwei Prozent. 

Foto: PTB

Politischer Druck 

Das neue Verfahren kommt gerade rechtzeitig. Die Internationale Strahlenschutzkommission (International Commission on Radiological Protection, ICRP) hat die Bewertung der biologischen Wirksamkeit von Radon nach oben korrigiert. Somit trägt Radon zu einer viel höheren effektiven Dosis bei als bisher angenommen. In der Folge gibt es europaweit zum ersten Mal einen einheitlichen Referenzwert für die mittlere Radon-Konzentration in Gebäuden. Dieser Referenzwert liegt bei 300 Becquerel (Bq) pro Kubikmeter (m3) – und damit in dem Bereich, der den Messungen bisher nicht zugänglich war. Wenn diese Vorgabe in nationales Recht umgesetzt ist, wird es statt der bisherigen Empfehlungen zum ersten Mal verbindliche Referenzwerte für die Radon-Konzentration in öffentlichen Gebäuden wie Schulen geben. Die PTB geht davon aus, dass sich die genaueren Messungen auch auf künftige Studien auswirken werden. Sie machen es möglich, zu untersuchen, bei welcher Konzentration das Lungenkrebsrisiko beginnt.

Hersteller von Radon-Messgeräten können schon jetzt ihre Geräte bei der PTB oder beim Bundesamt für Strahlenschutz, das ebenfalls ein PTB-Transfernormal erhalten hat, kalibrieren lassen. 

Von Andrea Ziech

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