Überwachung mit Sensoren 06.03.2015, 06:55 Uhr

Öl-Pipeline norwegischer Ingenieure verhindert Umweltkatastrophen

Nach fast zehnjähriger Entwicklung ist die SmartPipe beinahe marktreif: Die Öl-Pipeline norwegischer Ingenieure ist mit Sensoren ausgestattet. Sie melden Rost und andere Schäden frühzeitig – bevor es zu Lecks und Umweltschäden kommt.

Forschungsleiter Ole Knudsen und sein Team versenkten vergangenes Jahr ein 250 Meter langes Stück der neuen Pipeline in einem Hafen nahe Trondheim. Alle 24 Meter sind Sensorgürtel angebracht, die kontinuierlich den Zustand der Röhre überwachen. 

Forschungsleiter Ole Knudsen und sein Team versenkten vergangenes Jahr ein 250 Meter langes Stück der neuen Pipeline in einem Hafen nahe Trondheim. Alle 24 Meter sind Sensorgürtel angebracht, die kontinuierlich den Zustand der Röhre überwachen. 

Foto: Sintef

Pipelines, die Erdöl von Bohrinseln durch das Meer bis an Land transportieren, sind oft mehr als 100 Kilometer lang. Auf so einer Strecke kommt es nicht selten zu Lecks. Üblicherweise werden die Leitungen nur alle fünf Jahre auf Schäden untersucht – leicht vorstellbar, dass an vielen Stellen Öl ausdringen kann. Die SmartPipe soll das verhindern. Nach einem erfolgreichen Härtetest könnte sie nun bald zum Praxiseinsatz kommen.

An der Pipeline sind alle 24 Meter Sensorgürtel angebracht, die ständig eine Reihe von Parametern überwachen: die Dicke und Oberflächenspannung der Rohrwand ebenso wie Temperatur, Vibration und Durchflussgeschwindigkeit. Auch die Konzentration chemischer Bestandteile wie Korrosionsschutz-Zusätzen lässt sich permanent messen. So sollen mögliche Schäden schnell erkannt und in Echtzeit an eine Kontrollstation gemeldet werden.

Auf dem Meeresgrund kommt es häufig zu Ermüdungsbrüchen 

Ein Vorzug des Systems bestehe in der ständigen Kontrolle unbefestigter Leitungsabschnitte, sagt Forschungsleiter Ole Knudsen: „Diese Teile können auf dem Meeresgrund, der ja immer in Bewegung ist, in Schwingung geraten, dadurch können im Material Ermüdungsbrüche entstehen.“ Mit Kollegen beim norwegischen Unternehmen Sintef arbeitet er seit 2006 an der Pipeline.

Im Dezember 2014 kam es in Israel zu einer schweren Ölkatastrophe: Aus einer defekten Pipeline flossen im Süden des Landes Millionen Liter Öl aus und schädigten das Naturschutzgebiet Evrona. Die Pipeline der norwegischen Ingenieure soll rechtzeitig vor Materialschwächen warnen. 

Im Dezember 2014 kam es in Israel zu einer schweren Ölkatastrophe: Aus einer defekten Pipeline flossen im Süden des Landes Millionen Liter Öl aus und schädigten das Naturschutzgebiet Evrona. Die Pipeline der norwegischen Ingenieure soll rechtzeitig vor Materialschwächen warnen. 

Foto: Abir Sultan/dpa

Im vergangenen Jahr versenkten die Forscher ein 250 Meter langes Stück der Pipeline in einem Hafen nahe Trondheim und untersuchten, ob die Sensoren zuverlässig funktionieren. Dabei zeigte sich, dass die Verformung der Leitungen beim Verlegen einige Sensoren zerstörte. Dafür sei aber inzwischen eine Lösung gefunden, sagt Knudsen. Die Messfühler, die unter einer hitzebeständigen Polypropylen-Schicht liegen, würden nun besser geschützt.

Damit soll dem Praxiseinsatz der SmartPipe nichts mehr im Wege stehen. Ein US-amerikanischer Ölkonzern soll bereits Interesse angemeldet haben. Es dürfte aber noch mehr Interessenten geben, schließlich haben mehrere Ölkonzerne das 25 Millionen Euro teure Forschungsprojekt von Anfang an finanziell unterstützt.

Kleine Lecks, große Schäden

Selbst kleine Lecks in Pipelines können gewaltige Schäden anrichten: Erst im Dezember sind in Israel wegen eines gebrochenen Verbindungsstücks fünf Millionen Liter Rohöl ausgetreten und verseuchten ein Naturschutzgebiet. 2013 traten in einer thailändischen Bucht 50.000 Liter Öl aus einer Leitung aus und färbten lange Strandabschnitte schwarz. Nach Schätzung von Greenpeace sind leckgeschlagene Pipelines vor allem in Russland Alltag. Etwa 15.000 Mal im Jahr gibt es solche Fälle.

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