Vorbild Delfin 24.10.2013, 11:18 Uhr

Neues Radarsystem kann sogar Sprengladungen und Lawinenopfer finden

Versteckte Sprengladungen und verschüttete Lawinenopfer könnten künftig einfacher gefunden werden mit einem neuen Radarsystem, das britische Forscher nach dem Vorbild der Delfine entwickelt haben. Es kann offenbar gut zwischen natürlichen und künstlichen Hindernissen und sogar elektronische Schaltkreise von einem metallischen Gegenstand unterscheiden.

Delfine können sich besonders gut mit Hilfe von Klicksignalen orientieren. Diese Technik haben britische Forscher zu Entwicklung einer neuen Radartechnik genutzt, die Schaltkreise auch in Sprengstoff oder in Handys von Verschütteten aufspüren kann.

Delfine können sich besonders gut mit Hilfe von Klicksignalen orientieren. Diese Technik haben britische Forscher zu Entwicklung einer neuen Radartechnik genutzt, die Schaltkreise auch in Sprengstoff oder in Handys von Verschütteten aufspüren kann.

Foto: Daniel Karmann/dpa

Wenn es stimmt, was die britischen Forscherum Prof. Timothy Leighton von der University of Southampton in der Fachzeitschrift „Proceedings of the Royal Society A“ schreiben, dann haben sie ein ganz besonderes Radarsystem entwickelt. Sie wollen mit ihrem neuen Radar sogar verborgene Elektronik aufspüren, die etwa zur Spionage eingesetzt wird. Auch Sprengstoff und Verschüttete sollen sicher geortet werden. Der Trick: Das Radar kann Schaltkreise von anderen Hindernissen unterscheiden. Der Verschüttete braucht also nur ein Handy am Körper, um sicher geortet zu werden.

Zunächst schauten sich die Forscher die einfache Unterwasserortung mit Sonar an. Diese zeichnet aber nur sehr einfache und störungsanfälle Bilder unter Wasser. Wie aber orientieren sich die Delfine so genau unter Wasser? Delfine verwenden einen Doppelschallimpuls aus Klicklauten, um ihre Umgebung zu erkunden. Das Sonarsystem der Tiere arbeitet dabei sehr präzise.

Forscher der Universität von Southampton haben eine Diode entwickelt, die sehr gut von ihrer neuen Radartechnik gefunden wird. Sie kann beispielsweise Tieren eingesetzt oder als Brandmelder genutzt werden.

Forscher der Universität von Southampton haben eine Diode entwickelt, die sehr gut von ihrer neuen Radartechnik gefunden wird. Sie kann beispielsweise Tieren eingesetzt oder als Brandmelder genutzt werden.

Foto: Universität Southampton

Die Delfine schicken zwei Klicksignale rasch hintereinander aus. Das erste Klicksignal besteht aus einer zunächst nach oben auschlagenden Welle, Bruchteile von Sekunden später folgt eine spiegelverkehrte Welle, die erst nach unten ausschläge. Durch diesen doppelten Schallimpuls können die Delfine zwischen tatsächlichen Hindernissen und Störquellen wie Luftblasen unterscheiden.

Doppelter Impuls ermöglicht Unterscheidung

Diese Technik der Delfine haben sich Timothy Leighton und die Kollegen Prof. Hugh Griffiths und Dr. Kenneth Tong vom University College London sowie Dr. David Daniels von Cobham Technical Services zum Vorbild genommen. Der doppelte Schallimpuls gibt den Forschern die Möglichkeit, zwischen natürlichen und künstlichen Gegenständen zu unterscheiden. Natürliche Hindernisse reflektieren eher linear, andere nichtlinear. Schickten die Forscher ein Radarsignal in die Richtung elektronischer Bauteile, kam beispielsweise ein nichtlineares und auch viel stärkeres Echo zurück. Ein Stück Blech hingegen reflektierte linear und schwächer.

Elektonische Bauteile eindeutig geortet

Auch der Versuch, zwischen einem typischen elektronischen Bauteil wie einem Dipol mit einer Diode, einer Aluminiumplatte und einer rostigen Tischklemme mittels Delfin-Radar zu unterscheiden, gelang den Forschern. Ihre neue Technik mit dem Namen Twin Inverted Pulse Radar, kurz Twipr, konnte das elektrische Bauteil ohne Zweifel identifizieren.

Das neue Ortungsverfahren könnte gerade in Zeiten, wo sich sogar Regierungen vor der Spionage befreundeter Nationen schützen müssen, ein Erfolg werden. So versprechen die Forscher, dass man mit Twipr sogar Spionageversuche leichter aufdecken kann. Beispielsweise könnte verborgene Elektronik wie etwa die elektronischen Komponenten von Sprengladungen einfacher gefunden werden.

Twipr kann Verschüttete retten

Aber auch die Ortung verschütteter Skifahrer und  Bergleute sei möglich. Um dies zu demonstrieren, wurde ein Test mit zwei Handys durchgeführt. Mithilfe des neuen Radarverfahrens konnten die Handys unabhängig voneinander geortet werden, selbst wenn sie ausgeschaltet waren oder deren Akku leer war. Die zeigt, dass Bergleute und Skifahrer entweder einen Schaltkreis oder einfach ihr Handy mit sich tragen sollten.

Um die Ortung zu erleichtern, haben die Briten sogar eine Diode enetwickelt, nur 2,8 Gramm wiegt, ohne Batterie auskommt und weniger als einen Euro kostet. Der Schaltkreis könnte Tieren eingesetzt werden, um sie zu finden, aber auch zur Überwachung von Infrastrukturen genutzt werden. Sogar als Brandmelder und zur Überwachung von Pipelines eigne sich der Schaltkreis, so Prof. Leighton.

Von Petra Funk Tags:

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