Wettbewerb bringt Gewissheit 28.02.2014, 11:26 Uhr

Mysteriöses Technikfundstück in Augsburg ist Galvanometer aus dem 19. Jahrhundert

Das Rätsel um den geheimnisvollen Dachbodenfund am Augsburger Holbein-Gymnasium ist gelöst: Das Gerät ist ein Strommessgerät aus dem 19. Jahrhundert. Mit dieser Erkenntnis gewann Physiker Thilo Weitzel den Wettbewerb der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften. 

Physiker Thomas Walcher (links) und Forscher Thilo Weitzel (rechts) fanden heraus, dass es sich beim unbekannten Technikfundstück um ein Galvanometer aus dem 19. Jahrhundert handelt. Für diese Leistung wurden sie von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften jetzt ausgezeichnet. 

Physiker Thomas Walcher (links) und Forscher Thilo Weitzel (rechts) fanden heraus, dass es sich beim unbekannten Technikfundstück um ein Galvanometer aus dem 19. Jahrhundert handelt. Für diese Leistung wurden sie von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften jetzt ausgezeichnet. 

Foto: dpa/Stefan Puchner

Im Frühjahr 2013 hatten Schüler auf dem Dachboden des Augsburger Holbein Gymnasiums ein unbekanntes Gerät entdeckt. Doch sie und die Lehrer konnten weder seine Funktion noch Geschichte erklären. „Unsere Schüler haben es sogar auf einer internationalen Konferenz vorgestellt. Aber auch die Experten konnten nicht helfen“, berichtete Herbert Schuhknecht, stellvertretender Schulleiter des Holbein-Gymnasiums.

Daraufhin veranstalteten die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech), das Deutsche Museum und das Gymnasium einen Wettbewerb. 200 teilnehmende Forscher, Studenten und Hobby-Forscher recherchierten und tüftelten, um herauszufinden, worum es sich beim geheimnisvollen Dachbodenfund handelt. Am Dienstag wurde das Rätsel endlich gelöst und die zwei besten Erklärungen wurden in Augsburg prämiert.

Physiker Thilo Weitzel lüftet das Geheimnis

„Ein Galvanometer. Das hatte ich bei mir im Kinderzimmer auch“, erklärt Preisträger Thilo Weitzel. „Die Bauform des Geräts legt nahe, dass das Verfahren von Johann Christian Poggendorf, einem deutschen Physiker des 19. Jahrhunderts, zur ‚Regulierung der Galvanometerskale‘ verwendet wurde.“ Weitzel ist leitender Forscher am medizinischen Bildlabor der Universitätsklinik für Nuklearmedizin in Bern. Er baute das Gerät nach, um seine Theorie praktisch zu untermauern.

Mit dem Galvanometer wurde im 19. Jahrhundert elektrischer Strom gemessen. Johann Michael Ekling baute es in seiner Werkstatt für Feinmechanik in Wien. Mit der Zeit wurde das Gerät jedoch mehrmals für verschiedene Zwecke und Messtechniken umgebaut. Den Turm gab es beispielsweise nicht von Beginn an, er wurde später hinzugefügt. Diese Umbauten machten es den Forscherinnen und Forschern daher besonders schwer, eine passende Erklärung zu finden.

Generaldirektor des Deutschen Museums Heckl saß in der Jury

Zweiter Preisträger ist Physiker Thomas Walcher. Auch seine Erklärung basierte auf wissenschaftlichen Publikationen des Physikers Johann Christian Poggendorf. Er erforschte die Funktionen des Geräts ebenfalls auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau, das die Jury beeindruckte. Diese bestand übrigens aus Wolfgang Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums, Prof. Klaus Mainzer von der Technischen Universität München und Bernd Pischetsrieder, Vizepräsident von acatech.  

Von Petra Funk
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