Hilfe im Alltag 04.11.2016, 07:29 Uhr

Mit Horus können blinde Menschen Gesichter erkennen

Der tragbare Assistent Horus verspricht blinden und sehbehinderten Menschen intelligente Hilfe im Alltag. Horus besteht aus einem Headset mit Kameras und einem lernfähigen Prozessor. Der kann Gesichter und Gegenstände erkennen, Texte vorlesen, vor Hindernissen warnen und ganze Szenen beschreiben. 

Damit Horus die Form und Erscheinung von Gegenständen erkennt und ihr Aussehen erlernt , muss der Träger den Gegenstand vor der Kamera drehen, damit Aufnahmen für die 3D-Erkennung aus verschiedenen Winkeln gemacht werden können. 

Damit Horus die Form und Erscheinung von Gegenständen erkennt und ihr Aussehen erlernt , muss der Träger den Gegenstand vor der Kamera drehen, damit Aufnahmen für die 3D-Erkennung aus verschiedenen Winkeln gemacht werden können. 

Foto: Horus Technology

Horus sei nicht nur ein tragbares technisches Gerät sondern ein echter persönlicher Assistent – das versprechen die Entwickler dieser neuen Alltagshilfe für sehbehinderte und blinde Menschen. Wenn Horus den bevorstehenden Praxistest besteht, könnte das Gerät tatsächlich zur wertvollen Unterstützung im Leben blinder Menschen werden, denn es kombiniert nicht nur verschiedene Funktionen sondern ist vor allem auch lernfähig und wird damit zur persönlichen Datenbank.

Grafik-Prozessor von Nvidia

Saverio Murgia und Luca Nardelli arbeiten normalerweise an Technologien für maschinelles Sehen bei Robotern. Als sie auf dem Nachhauseweg einem blinden Mann halfen, die Bushaltestelle zu finden, seien sie auf die Idee gekommen, ihr Wissen und die Technik auch für Menschen einzusetzen, erzählen die beiden 25-Jährigen.

Anfang 2014 gründeten Murgia und Nardelli das Unternehmen Horus Technology mit Sitz in Mailand. Später wurde daraus Eyra, aber der Produktname Horus blieb. In dem kleinen Gerät, das aus einem Headset und einem etwa smartphonegroßen batteriebetriebenen Prozessor besteht, stecken erstaunliche Möglichkeiten.

Das Horus-Headset hat zwei eingebaute Kameras und nutzt für den Sound die sogenannte Knochenleittechnologie. Gesteuert wird Horus über Tasten, die es am Headset und am Prozessor gibt. Die Daten der Kameras werden an einen Nvidia-Grafik-Prozessor geschickt, wo sie mithilfe von Deep-Learning-Algorithmen verarbeitet werden.

Das Horus-Headset hat zwei eingebaute Kameras und nutzt für den Sound die sogenannte Knochenleittechnologie. Gesteuert wird Horus über Tasten, die es am Headset und am Prozessor gibt. Die Daten der Kameras werden an einen Nvidia-Grafik-Prozessor geschickt, wo sie mithilfe von Deep-Learning-Algorithmen verarbeitet werden.

Quelle: Horus

Das Headset hat zwei eingebaute Kameras und nutzt für den Sound die sogenannte Knochenleittechnologie. Die Schallwellen werden dabei nicht direkt ins Ohr gespielt sondern durch die Knochen indirekt ins Ohr geleitet. Das hat gegenüber herkömmlichen Kopfhörern den entscheidenden Vorteil, dass man die normalen Umgebungsgeräusche noch perfekt hören kann. Gesteuert wird Horus über Tasten, die es in unterschiedlichen, leicht erkennbaren Formen am Headset und am Prozessor gibt. Die Daten der Kameras werden an einen Nvidia-Grafik-Prozessor geschickt, wo sie mithilfe von Deep-Learning-Algorithmen verarbeitet werden.

Horus kann Texte lesen und Gesichter wiedererkennen

Was Horus alles kann? Das Gerät kann gedruckte Texte erkennen, auch wenn sie, wie in einem aufgeschlagenen Buch, auf einer gewölbten Oberfläche erscheinen. Entdeckt die Kamera den Text, wird der Träger des Headsets mithilfe von Tönen geleitet, bis der korrekte Ausschnitt gefunden wurde. Dann beginnt Horus zu lesen und hat bereits die ganze Seite erfasst, so dass es nicht notwendig ist, den Text weiterhin vor die Kamera zu halten.

Horus kann vorlesen. 

Horus kann vorlesen.

Quelle: Horus

Horus erkennt auch Gesichter, wenn sie vor der Kamera auftauchen. Falls das Gesicht neu und unbekannt ist, kann es mit einem Namen verbunden werden. Gesicht und Namen werden gespeichert und bei der nächsten Begegnung automatisch aufgerufen – Freund und Feind können so rechtzeitig erkannt werden. Ähnlich funktioniert das auch mit Gegenständen. Um deren Form und Erscheinung zu erkennen und ihr Aussehen zu erlernen, muss der Träger von Horus den Gegenstand vor der Kamera drehen, damit Aufnahmen für die 3D-Erkennung aus verschiedenen Winkeln gemacht werden können.

Derzeit spricht Horus Italienisch, Englisch und Japanisch

Wenn der Horus-Besitzer selbst unterwegs ist und sich bewegt, hilft das Gerät beim Ausweichen von Hindernissen. Dafür werden Töne eingespielt, die sich in Intensität und Tonhöhe unterscheiden, je nachdem, wo sich das Hindernis befindet und wie weit es entfernt ist. So lässt sich akustisch erfahren, ob man sich zum Beispiel einem Objekt, das sich rechts befindet, schnell nähert. Als viertes Feature kann Horus sogar eine Szene kurz beschreiben, wie sie von den Kameras gesehen wird. Das kann eine Postkarte sein, eine Fotografie, eine Landschaft oder eine Gruppe von Menschen, die am Tisch sitzen.

Horus befindet sich laut der Entwickler in einem fortgeschrittenen Prototyp-Stadium. Ein blinder Mitarbeiter des Unternehmens teste das Gerät dauernd und darüber hinaus gebe es erste Testreihen in Zusammenarbeit mit italienischen Blindenvereinigungen. Anfang 2017 soll die Testphase ausgeweitet werden. Dafür können sich englischsprechende Kandidaten weltweit bewerben und sich auf der Website von Horus in eine Warteliste eintragen. Derzeit unterstützt Horus Italienisch, Englisch und Japanisch. Weitere europäische Sprachen sollen hinzukommen.

Bereits berichtet haben wir über einen Blindenschrift-Generator, der am Handgelenk getragen wird. Die Texte werden per Bluetooth von Smartphones oder eBooks eingespielt.

 

Von Gudrun von Schoenebeck

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