Lidar-Technik 12.07.2015, 12:33 Uhr

Mit Drohnen winzige Schäden an Flugzeugen finden

Wenn Verkehrsflugzeuge durch Blitzeinschläge oder Kollisionen mit Vögeln beschädigt sein könnten, ist die Suche nach diesen äußerlich oft nur sehr kleinen Beschädigungen mühsam. Meist dauert diese Arbeit viele Stunden, in denen das Flugzeug am Boden bleiben muss. Jetzt testet Easyjet die Inspektion per Drohne und Lidar-Technik. Das verkürzt die Spurensuche auf 20 min. 

Easyjet will künftig mit Lidar-Technik ausgerüstete Drohnen nach kleinen Schäden an Flugzeugen suchen lassen. 

Easyjet will künftig mit Lidar-Technik ausgerüstete Drohnen nach kleinen Schäden an Flugzeugen suchen lassen. 

Foto: Easyjet

Easyjet setzt die neue Technik in Mailand ein und am britischen Firmensitz, dem Flughafen Luton bei London. Benutzt werden Drohnen des Typs ‘Riser’, hergestellt von der Firma Blue Bear Systems Research. Die dazugehörige Elektronik kommt vom britischen Consulting-Unternehmen CreaTec – Create Technologies.

Bis Ende kommenden Jahres will Easyjet mindestens zehn europäische Flughäfen mit diesem System ausstatten. Ursprünglich war die Riser-Drohne für die Inspektion des Inneren von Kernkraftwerken entwickelt worden.

Drohnenbetrieb nur in geschlossenen Räumen erlaubt

Drohnen, die das Äußere von Flugzeugen inspizieren können, gibt es schon eine Weile. Für den Erfolg versprechenden, schnellen Einsatz gibt es jedoch einige Hindernisse. Zum einen erlauben die meisten Verkehrsflughäfen den Drohnen-Betrieb auf ihrem Gelände und in der unmittelbaren Nähe des Flughafens nicht. Das zwingt Fluggesellschaften dazu, sie ausschließlich in geschlossenen Räumen – in der Regel in Flugzeug-Hangars – fliegen zu lassen.

Die meisten Fluggesellschaften erlauben den Drohnenbetrieb nur in geschlossenen Räumen.

Die meisten Fluggesellschaften erlauben den Drohnenbetrieb nur in geschlossenen Räumen.

Quelle: Easyjet

Zum anderen arbeiten die normalen Drohnen-Navigationsgeräte auf Basis des Global Positioning Systems (GPS). Das hilft jedoch in geschlossenen Räumen wenig, da GPS hier nur völlig unzureichend funktioniert.

Lichtwellen statt Radiowellen

Technisch ausgefeilte Radar-Systeme gibt es seit Jahrzehnten. Radar arbeitet mit Mikrowellen, die zurückgesandt werden, wenn sie auf ein Hindernis stoßen. Aus diesen Rückmeldungen lassen sich dann vielfältige Angaben zum Standort des Hindernisses und dessen eventueller Flugbahn errechnen.

Die Ergebnisse sind inzwischen erstaunlich genau, doch wenn es um die Suche nach minimalen Beschädigungen an Verkehrsflugzeugen geht reichen sie nicht aus. Deshalb setzt Blue Bear Systems Research in den Riser-Drohnen die so genannte Lidar-Technik ein. Hier werden die Radiowellen des Radar durch Lichtwellen ersetzt. Da die Wellenlänge des Lichts ungleich kürzer als die der Radar-Wellen ist, wird eine sehr viel bessere Bildauflösung möglich.

Das Lidar-System der Riser-Drohnen emittiert 40.000 Impulse infraroten Lichts in jeder Sekunde. Ausgewertet werden die von Sensoren aufgefangenen Rückmeldungen durch einen Computer. Dabei orientiert sich das System am Inneren des Hangar-Gebäudes sowie am Äußeren des im Hangar stehenden Flugzeugs. Auf der Basis dieser Orientierungsdaten fliegt die Riser-Drohne das Flugzeug in einer Entfernung von etwa einem Meter ab und produziert dabei einen Videofilm, der es den Reparaturtechnikern erlaubt, Beschädigungen sofort und schnell zu sehen und die jeweilige Stelle am Flugzeug rasch zu finden.

 

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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