Biometrie 27.06.2008, 19:35 Uhr

Im digitalen Personalausweis ist die Speicherung des Fingerabdrucks freiwillig  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 27. 6. 08, jdb – Bürger sollen künftig selbst entscheiden können, ob ihre Fingerabdrücke im Personalausweis gespeichert werden sollen. Der Verzicht auf eine Speicherpflicht ist ein Kompromiss zwischen Union und FDP. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) haben sich vor kurzem auf das Optionsmodell geeinigt.

Digitale Fingerabdrücke sollten wie bereits schon beim Reisepass als Sicherheitsmerkmal über einen Chip in den neuen Personalausweis eingebracht werden. Nun sollen die Bürger sich freiwillig entscheiden können, ob sie den Fingerabdruck haben wollen, um sich etwa so bequemer für Onlinetransaktionen identifizieren zu können. Verbunden mit dem Fingerabdruck wird der Ausweis nämlich mit einer digitalen Signatur mit persönlicher Geheimnummer (Pin) ausgestattet. Dabei verzichtet das Innenministerium nicht ganz auf die biometrischen Daten: Ein Foto wird auf jeden Fall auf dem Chip gespeichert werden.

Der Ausweis soll in einem kleineren und handlicheren ID-1-Format in Scheckkartengröße ausgegeben werden. Das Auslesen der Karte soll ohne Berührung, also kontaktlos erfolgen. Auf das in der Karte implementierte Identitätsmanagementsystem sollen nur Firmen und Einrichtungen über das Internet zugreifen können, die sich hierfür zertifiziert haben.

Nützlich könnte dies beispielsweise für Angebote sein, die sicherstellen müssen, dass nur Nutzer über 18 Jahre auf sie zugreifen können. In diesem Fall müsste der Nutzer die Karte an ein Lesegerät halten, um das angegebene Alter zu verifizieren. Falls ein Betrugsverdacht beim Verkauf teurer Waren ausgeschlossen werden soll, könnte ein Händler auch weitere Daten wie Name, Anschrift und Personalausweisnummer verlangen können. Diese Datenanforderung müsste der Karteninhaber dann über die Eingabe der PIN bestätigen. Auch für das Online-Banking soll der neue Personalausweis eingesetzt werden können.

Wie „heise online“ berichtete, soll nach Vorstellung des Bundesinnenministeriums eine neue Bundesbehörde eingerichtet werden, die für die Zulassung dieser Identitätsverifikationsdienste zuständig sein soll und entsprechend Gebühren für den Datenabruf einziehen können soll. Dabei soll ein privatwirtschaftliches Unternehmen das hierfür notwendige Trustcenter betreiben.

Ein entsprechender Gesetzesentwurf soll bereits im Herbst im Bundestag verabschiedet werden. Bis Ende 2009 sollen die Feinspezifikationen bereits feststehen. Ebenfalls Ende 2009 soll der neue Personalausweis eingeführt werden. Die Sozialdemokraten hatten den Plan, auch Fingerabdrücke abzuspeichern, abgelehnt, da diese keinen Sicherheitsgewinn brächten. Sebastian Edathy (SPD), Vorsitzender des Bundestagsinnenausschusses, sagte: „Ein Dokument mit biometrischen Merkmalen wäre für den Bürger teurer als der bisherige Ausweis, brächte aber keinen Sicherheitsgewinn.“ Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hatte sich zuvor skeptisch über die Notwendigkeit geäußert, Fingerabdrücke auf dem Personalausweis einführen zu wollen. Die Ausweise seien bereits jetzt sehr fälschungssicher.

Gleichwohl wurden in den digitalen Reisepass bereits aus Sicherheitsgründen die digitalen Fingerabdrücke integriert. Die innenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Gisela Piltz, bezeichnete die Pläne deshalb auch als „skurril“: „Entweder der Staat braucht den Fingerabdruck im Personalausweis oder er braucht ihn nicht“, sagte sie der „Financial Times Deutschland“. Wolfgang Wieland, der innenpolitische Sprecher der Grünen hingegen befürchtet, dass das nun geplante Optionsverfahren „alle verdächtig machen wird, die keine Abdrücke im Ausweis haben wollen“.

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, begrüßte den Kompromiss. Ihm wäre jedoch ein vollständiger Verzicht lieber gewesen. Ob der Reisepass in seiner gegenwärtigen Form bestehen bleiben kann, ist unsicher: Derzeit setzen sich Verwaltungsgerichte sowie das Bundesverfassungsgericht mit Klagen gegen den digitalen Reisepass auseinander.

CHR. SCHULZKI-HADDOUTI

Von Chr. Schulzki-Haddouti

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