Bergbau in Tiefsee 12.10.2014, 09:00 Uhr

Golden Eye hat Testeinsatz in der Nordsee erfolgreich absolviert

Mission erfolgreich beendet: Das weltweit einmalige Multifunktionsmesssystem Golden Eye hat einen Testeinsatz an Bord des Forschungsschiffes Sonne in der Nordsee erfolgreich absolviert. Schon in einem Jahr wird das goldene Auge im Indischen Ozean nach Seltenen Erden im Meeresboden fahnden.

Auf einer Expedition des Forschungsschiffs Sonne haben die Wissenschaftler das neue Messsystems getestet. Im Oktober 2015 soll es im Indischen Ozean in 2000 Meter Tiefe nach verborgenen Rohstoffvorkommen suchen.  

Auf einer Expedition des Forschungsschiffs Sonne haben die Wissenschaftler das neue Messsystems getestet. Im Oktober 2015 soll es im Indischen Ozean in 2000 Meter Tiefe nach verborgenen Rohstoffvorkommen suchen.  

Foto: Geomar

Golden Eye, ein neuartiger Sensor für die Tiefseeforschung aus Bremen, hat seine ersten Tests in den Tiefen der Nordsee erfolgreich hinter sich gebracht. Der erste Einsatz des tiefseetauglichen Eletromagnetiksensors erfolgte im sogenannten Helgoländer Schlickloch, an Bord des nagelneuen Forschungsschiffs Sonne.

„Es war schon ein aufregender Moment, als wir im Kontrollraum die ersten Videobilder und Daten vom Grund der Nordsee sehen konnten“, sagt der Geophysiker Dr. Hendrik Müller vom Fachbereich marine Geophysik der Universität Bremen, der gemeinsam mit dem Ingenieur Christian Hilgenfeldt im Auftrag der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) das Goldene Auge entwickelt hat.

Golden Eye erzeigt elektrische Wirbelströme im Meeresboden

Golden Eye ist eine ringförmige Plattform aus leuchtend gelbem Glasfaserkunststoff. Diese Ringplattform ist mit einem dreieinhalb Meter großen Elektromagnetiksensor, Beleuchtung und mit Kameras bestückt. Gebaut wurde das Glasfasergebilde ohne ein Fitzelchen Eisen für 200.000 Euro von der Spezialfirma K.U.M. Umwelt-und Meerestechnik in Kiel. Mit seiner Riesenspule erzeugt das Gerät elektrische Wirbelströme im Meeresboden. So können Forscher elektrisch leitende sowie magnetische Strukturen im Untergrund vermessen.

Golden Eye an Bord des Forschungsschiffes Sonne: Der tiefseetaugliche Elektromagnetiksensor erzeugt mit einer Riesenspule elektrische Wirbelströme im Meeresboden, die Aufschluss über die Beschaffenheit geben. 

Golden Eye an Bord des Forschungsschiffes Sonne: Der tiefseetaugliche Elektromagnetiksensor erzeugt mit einer Riesenspule elektrische Wirbelströme im Meeresboden, die Aufschluss über die Beschaffenheit geben. 

Foto: Konstantin Reeck/Universität Bremen

Die von Golden Eye nach oben zum Schiff gesendeten Daten ermöglichen Aussagen über Aufbau und Materialeigenschaften der oberen zehn Meter des Meeresbodens. Das Goldene Auge ist ein völlig neues und weltweit einmaliges Multifunktionsmesssystem, das die BGR in Zukunft zum Aufsuchen mariner Massivsulfid-Lagerstätten einsetzen wird.

„Massivsulfide gehören zu den elektrisch leitfähigsten natürlichen Gesteinen“, erklärt Müller. Und diese finden sich vor allem im Bereich von Hydratthermalfeldern, die aus Unterwasservulkanen bestehen. Diese sogenannten Schwarzen Raucher befördern eine bis zu 400 Grad Celsius heiße Lösung aus der Tiefe an die Oberfläche des Meeresbodens. Trifft diese auf das kalte Meerwasser, fallen Metall-Schwefelverbindungen aus, die sich in der Umgebung ablagern. Und diese enthalten Rohstoffe für die elektronische Industrie. 

Messsystem sucht ab 2015 im Indischen Ozean nach Rohstoffen

Die konkrete Aufgabe von Golden Eye: Im Oktober 2015 soll es unter der Regie des BGR im Indischen Ozean in 2000 Meter Tiefe nach verborgenen Rohstoffvorkommen suchen. Denn dort hat die Bundesrepublik ein von der Internationalen Meeresbodenbehörde bewilligtes, etwa 10.000 Quadratkilometer großes Lizenzgebiet erworben, in dem sie neben Kupfer und Nickel das Vorkommen wertvoller Spurenelemente wie Kobalt, Germanium, Indium, Selen und Tellur erforscht. Viele dieser Elemente werden in Smartphones und Tablets verbaut und heute oftmals unter menschenunwürdigen Bedingungen in Minen in China oder in Bürgerkriegsgebieten wie dem Kongo an Land abgebaut. 

Geophysiker Dr. Hendrik Müller mit dem neuartigen elektromagnetischen Sensor Golden Eye.

Geophysiker Dr. Hendrik Müller mit dem neuartigen elektromagnetischen Sensor Golden Eye.

Foto: Konstantin Reeck/Universität Bremen

Das Goldene Auge soll mit seinen Kamerasystemen zukünftig sogar die Möglichkeiten bieten, nur ein Meter über dem Meeresboden schwebend dessen Besiedelung mit makroskopischen Lebensformen detailliert fotografisch zu erfassen und so die ökologische Schutzwürdigkeit der Fläche zu bewerten. „Durch dieses Konzept können zukünftig Lagerstättenforschung und Umweltmonitoring Hand in Hand gehen“, sagt Dobeneck. 

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