Industrie 25.01.2008, 19:32 Uhr

Deutschland nimmt Maß für die Industrie  

Sie werden immer größer und kräftiger. Höchste Zeit, sie von Kopf bis Fuß neu zu vermessen, damit Bekleidungs- und Automobilindustrie aktuelle Daten erhalten. Dafür tourt jetzt die Reihenmessung „Size Germany“ durch Deutschland und sammelt Körperdaten von 12 000 Menschen – erstmals mit moderner 3-D-Scanner-Technologie.

Egal ob das Jackett über dem Bauch spannt, die Ärmel zu lang sind oder die Hose schlabbert – es ist schon eine Kunst, für alle Körpergrößen und -formen passende Konfektionskleidung in den richtigen Mengen vorzuhalten. Umso dringender sind aktuelle Körperdaten, um nicht am Markt vorbei zu produzieren. Genauere Zahlen wird die derzeitige Reihenmessung „Size Germany“ zutage fördern, die bisher 4000 Menschen in die Messkabinen lockte.

Bis Spätherbst dieses Jahres sollen es 12 000 Frauen, Männer und Kinder zwischen sechs und 70 Jahren sein – ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung. Ausgeführt wird das Projekt vom Textilforschungszentrum „Hohensteiner Institute“ in Bönnigheim und Human Solutions, dem weltweiten Marktführer im Bereich Vermessung, Bodyscanning und Ergonomie in Kaiserslautern.

Neben Bönnigheim und Kaiserlautern wird an etwa 30 wechselnden Standorten in ganz Deutschland vermessen: zum ersten Mal – jedenfalls in derart großem Stil – mit berührungslosem Bodyscanner in drei Dimensionen.

Gegenüber dem Maßband hat der knapp 100 000 € teure Scanner einige Vorteile. Er ist nicht nur schneller, sondern für alle Beteiligten angenehmer, bleibt doch die Intimität völlig gewahrt. Einzig bei Körpergröße und Kopfumfang genügt die herkömmliche Messweise.

Nach einer Befragung zum Kaufverhalten geht es, nur mit eng anliegender Unterwäsche bekleidet und Badekappe auf dem Kopf, in den abgedunkelten Scannerraum. In den Ecken sind Kameras auf Laufschienen installiert.

Stillhalten heißt es, während rote Laserstrahlen leise sirrend den ganzen Körper abfahren. Etwa 12 s für jede Körperposition, drei im Stehen, die vierte im Sitzen, speziell für die Automobilproduktion. Fertig!

Aus 400 000 Messpunkten berechnet eine spezielle Software ein dreidimensionales Abbild des Probanden, der sich selbst giftgrün verfremdet auf dem Bildschirm wiederfindet, als agiere sein Double in einem Computerspiel.

Der große Vorteil des Scannerverfahrens: Über 70 verschiedene Körpermaße lassen sich jetzt im Nu ermitteln, während es mit dem Maßband nur 25 waren. Mehr noch: „Wir können an den digitalen Zwilling sogar nachträglich ein digitales Maßband anlegen“, freut sich Martin Rupp, Direktor der Abteilung Bekleidungstechnik des Bönnigheimer Textilforschungsinstituts.

Über 80 Firmen sichern sich mit ihrer Finanzierung von „Size Germany“ die Messergebnisse – frühere Messungen wurden von den Verbänden getragen. Hauptbeteiligte ist die Textil- und Bekleidungsindustrie, die besonders detaillierte Maße benötigt. Handgelenk- und Oberarmumfang, Rückenlänge, Schulterbreite: Es kommt auf Zentimeter an.

Auch die Automobilindustrie braucht dringend neue ergonomische Daten. Autositzeinstellbarkeit, Positionierung von Lenkrad und Armaturen, die gesamte Innenraumauslegung muss sowohl für einen sehr großen Mann als auch für eine sehr kleine Frau passen.

Prinzipiell müssten alle Industriebetriebe mit Produkten, die in direkter Interaktion mit dem Mensch stehen, Interesse an den Ergebnissen haben. Von anderen Branchen fehlt jedoch das Feedback.

„Das Bewusstsein ist wohl nicht so hoch“, vermutet Rainer Trieb, Projektleiter bei Human Solutions. „Sicher sind nicht alle an den Details interessiert, die wir erfassen.“ Beispiel Möbelhersteller: Zwar gibt es bei Büromöbeln schon lange verstellbare Schreibtischplatten und Bürostühle, kaum aber bei Möbeln für den Privatbereich. Dabei ist beispielsweise in der Küche nicht nur die Höhe der Arbeitsplatte wichtig.

Ende des Jahres soll es so weit sein: Die beteiligten Firmen erhalten neben neuen Maßtabellen auch eine Analyse der Marktanteile der verschiedenen Kleidergrößen. Nach Frankreich, Großbritannien, Schweden und Spanien können dann auch die deutschen Ergebnisse für die Entwicklung europäischer Konfektionsgrößen herangezogen werden. Denn an einem einheitlichen numerischen Code für die EU wird eifrig gebastelt. Doch selbst wenn dieser fest steht: Das Nord-Süd-Gefälle der Körperstaturen bleibt. Auch in Zukunft kleiden sich zierliche Mitteleuropäer am besten in Italien ein. Dort gibt es die größte Auswahl. CARLA REGGE

 

  • Carla Regge

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