Medizintechnik 30.03.2007, 19:27 Uhr

Viel Power fürs grüne Skalpell  

VDI nachrichten, Heidelberg, 30. 3. 07, ber – Bei der Behandlung von gutartigen Prostataveränderungen gewinnen schonende Therapieverfahren immer mehr an Bedeutung. An über 80 Kliniken in Deutschland wird bereits mit dem grünen Laser operiert – allerdings war man bislang auf kleine und mittelgroße Organe beschränkt. Mit der neuen Generation eines 120-W-Power-Lasers sind nun alle Prostatagrößen behandelbar.

Treffen kann es irgendwann jeden – zumindest jeden Mann. Ab einem Alter von über 80 Jahren sind neun von zehn Männern betroffen, doch selbst 40-Jährige sind nicht davor gefeit: Immer häufiger drückt die Blase, immer weniger tröpfelt ins Urinal und immer mehr leidet die Lebensqualität – beim Theaterbesuch, auf dem Fußballplatz oder beim Grillfest.

Nicht selten macht eine Harnwegs- oder Prostataentzündung den Gang zum Urologen unausweichlich. Die Diagnose: benigne Prostata-Hyperplasie (BPH). Von dieser gutartigen Prostatavergrößerung sind hierzulande schätzungsweise 4 Mio. Männer betroffen.

Die Prostata ist eine kastaniengroße Drüse, die unter der Harnblase und dem Beckenboden angeordnet ist und den Anfang der männlichen Harnröhre umschließt. Sie produziert ein Sekret, das für die Beweglichkeit der Spermien sorgt und das bei der Ejakulation dem Samen beigemischt wird. Mit zunehmendem Alter wächst die Prostata und schnürt dabei die Harnröhre ab. Es ergeben sich Probleme beim Wasserlassen unterbleibt eine Therapie, können sich durch Keime häufige Harnwegsinfektionen mit Blasensteinbildung, Harnsperre sowie Harnstauung bis hin zum Nierenversagen bilden.

Für die Behandlung einer BPH-Erkrankung gibt es ein ganzes Spektrum an Methoden. Neben rein pflanzlichen Präparaten und Hormonen griffen Urologen bislang meist zur mechanischen Aushobelung, einem Eingriff, der in der Regel einen mehrtägigen Aufenthalt in der Klinik nach sich zieht. Diese transurethrale Resektion der Prostata (TURP) mittels einer elektrischen Hochfrequenzschlinge oder auch die Bestrahlung mit Mikrowellen oder infrarotem Laserlicht war in den letzten Jahren an vielen Kliniken verbreitet.

Alternative Methoden wie die Lasertherapie mit grünem Laserlicht wurden bis vor kurzem noch argwöhnisch beäugt, doch sind sie bei rund 80 Kliniken in Deutschland inzwischen im Einsatz. Einer der Vorreiter ist die Klinik für Prostata-Therapie in Heidelberg, eine Privatklinik, deren Gründer Dr. Joachim-Ernst Deuster sich für die Etablierung schonender Prostata-Therapieverfahren engagiert. „Wir haben Ende letzten Jahres den 1000. Patienten mit dem Greenlight-Laser behandelt“, berichtet der Heidelberger Urologe.

Seit Jahresanfang sei man einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Mit einem 120-W-Laser, der sich von seinem Vorgänger um eine 40 W höhere Leistung unterscheidet, gäbe es praktisch keinerlei Einschränkung in der Prostatagröße mehr.

Die Physik ist im Grunde dieselbe: Durch einen flexiblen Lichtleiter und über ein in den Harnleiter eingeführtes Endoskop gelangt grünes Licht einer Wellenlänge von 532 nm (Milliardstel Meter) direkt in die Prostata. Diese Wellenlänge ist auf die Absorptionsfähigkeit der Blutgefäße abgestimmt, die unter dem Lichteinfluss Energie aufnehmen, sich erwärmen und verdampfen.

Der Urologe bestrahlt nun das Gewebe so lange, bis die Harnröhre wieder frei ist und der Urin ungehindert abfließen kann. Die gesamte Behandlung kontrolliert er dabei über einen Monitor. Nach rund einer Stunde – je nach Prostatagröße kann es weniger oder mehr sein – ist die OP beendet, der Patient kann sich rasch von dem Eingriff und der leichten Vollnarkose erholen.

„Bislang haben wir noch keine zehn Geräte in Deutschland ausgeliefert“, erklärt Hans-Peter Göser, Europa-Vertriebsleiter beim Importeur Dornier im bayerischen Wessling, obwohl die Nachfrage groß sei. Der amerikanische Hersteller Laserscope käme mit der Produktion einfach nicht nach. MARTIN BOECKH/ber

  • Bettina Reckter

    Bettina Reckter

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Forschung, Biotechnologie, Chemie/Verfahrenstechnik, Lebensmitteltechnologie, Medizintechnik, Umwelt, Reportagen

  • Martin Boeckh

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