Medizintechnik 27.08.2004, 18:32 Uhr

Verschlechterung des Sehvermögens kann mit photodynamischer Therapie gestoppt werden

VDI nachrichten, München, 27. 8. 04 -Die häufigste Ursache einer starken Sehminderung bei älteren Menschen in den Industrieländern ist die Makuladegeneration. Mit Medikamenten, chirurgischen Eingriffen und Strahlen behandeln Augenärzte die Erkrankung mit unterschiedlichem Erfolg. Ein sanftes Laserverfahren, die photodynamische Therapie, gewinnt in den letzten Jahren an Bedeutung.

Buchstaben springen weg. Gerade Linien erscheinen verkrümmt. Nebel verschleiert die Sicht. Sein Umfeld nimmt der Betroffene nur verschwommen wahr. Das sind untrügliche Zeichen für altersbedingte Makuladegeneration (AMD), die Sehschärfe verschlechtert sich.
Zum Schluss nehmen die Patienten im Zentrum ihres Gesichtsfeldes nur noch einen großen grauschwarzen Fleck wahr – genau da, wo normalerweise der Bereich des schärfsten Sehens liegt. Die Makula lutea, auch „gelber Fleck“ genannt, ist ein nur wenige mm2 kleiner Punkt auf der Netzhaut. Wird er zerstört, geht die Sehkraft unwiderbringlich verloren.
Im Frühstadium der Makuladegeneration kommt es zur Ablagerung fettartiger, stoffwechselbedingter Ablagerungen unter der Netzhaut. Die Eiweißkörnchen werden von den Patienten meist nicht bemerkt.
„Das sind kleine „Müllberge“ unter der Netzhaut, die man bei der Untersuchung des Augenhintergrundes als gelbliche Punkte deutlich sehen kann“, erklärt Frank Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es zum Untergang des Netzhautgewebes in der Makula. Diese erste Form wird als trockene Makuladegeneration bezeichnet.
Bei der zweiten Variante, der feuchten Makuladegeneration, kann im Verlauf der Erkrankung eine Blutgefäßmembran, ein Blutschwamm unter die Netzhaut einsprießen. Die Blutgefäße der Membranen sind undicht und führen zu Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme) unter der Netzhaut. Dieses schwillt an und lässt Objekte verzerrt erscheinen. Zusätzlich können die neuen Blutgefäßmembranen einreißen und somit zu Blutungen unter der Stelle des schärfsten Sehens führen. Im weiteren Verlauf vernarben die Membranen und die Lesefähigkeit geht verloren.
Zunehmendes Alter, Rauchen und Bluthochdruck sind die wichtigsten Risikofaktoren für eine Makuladegeneration. Aber auch hohe ultraviolette Strahlungsbelastung der Augen, Mangelernährung oder vererbungsbedingte Faktoren werden bei der Erkrankung diskutiert. Mittlerweile leiden 2 Mio. Deutsche an der Altersblindheit, jedes Jahr kommen rund 60 000 Betroffene hinzu – in Europa sind über 6,5 Mio. Menschen erkrankt.
Der Vorsitzende des Berufsverbandes deutscher Augenärzte in Düsseldorf, Uwe Kraffel, bezeichnet deshalb die Makuladegeneration als die größte Herausforderung dieses Jahrhunderts an die Augenheilkunde.
„Leider ist bei der größten Anzahl der Fälle eine Therapie auch weiterhin nicht möglich“, betont Alf Reuscher, Augenarzt in Esslingen. Die vielen Sehbehinderungen durch die Makuladegeneration haben deshalb in den letzten Jahren zu den unterschiedlichsten Therapieversuchen geführt.
Eine neue Behandlungsstrategie, die photodynamische Therapie (PDT), scheint nun etwas Licht in das Dunkel des Leidens zu bringen. Die Technik kommt aber nur bei der feuchten Makuladegeneration in Frage.
„Statistisch gesehen kann man jedoch nur eine Verschlechterung aufhalten, kaum eine Verbesserung erzielen“, sagt Alf Reuscher. Entwickelt wurde die photodynamische Therapie vor vier Jahren von einem internationalen Team um den Biophysiker Reginald Birngruber vom Medizinischen Laserzentrum Lübeck. In einer internationalen Studie konnte die weitere Sehverschlechterung bei circa 60 % von 600 Patienten gestoppt werden, während in der Gruppe der unbehandelten Patienten der Sehverlust nur bei etwa 30 % unverändert blieb. Die Therapie richtet sich gegen die neu gebildeten Blutgefäße. Hierbei spritzen Augenärzte ihren Patienten einen Farbstoff namens Verteporfin in die Blutbahn, der sich vorwiegend in der kranken Gefäßmembran unter der Makula ansammelt. Der im kranken Gewebe gespeicherte Farbstoff besitzt die Fähigkeit, Lichtquanten wie Bälle einzufangen.
Durch Laserstrahlen wird der Farbstoff anschließend in zellschädigende Substanzen umgewandelt, etwa in Singulett-Sauerstoff. Diese „molekularen Krieger“ schädigen die überzähligen Gefäße und verschließen sie, ohne umliegende Netzhautareale zu beeinträchtigen. Danach vernarbt die kranke Gefäßmembran.
„Im Gegensatz zur herkömmlichen Laserverödung, die immer mit einem zusätzlichen Sehverlust und Blutungen verbunden ist, führt die neue Behandlung zum schonenden Erhalt der noch vorhandenen Sehfähigkeit“, sagt die Augenärztin Ursula Schmidt-Erfurth von der Wiener Universitäts-Augenklinik. Reginald Birngruber: „Obwohl mit der photodynamischen Therapie bis Ende 2003 weltweit bereits über eine Million Patienten behandelt worden sind, besteht dennoch weiterer Entwicklungsbedarf.“
Es fehle an Langzeiterfahrungen, auch wenn hier zu Lande für die Behandlung der PDT etwa 150 Kliniken zur Verfügung stehen und auch Praxen niedergelassener Augenärzte eine Zulassung der gesetzlichen Krankenkassen besitzen. BODO DORRA

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  • Bodo Dorra

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