Mikrokapseln 19.09.2013, 14:25 Uhr

Temperaturgesteuert: Neue Waffe gegen Tumore

Mit neuen Mikrokapseln werden Medikamente erst in den Organen frei, in denen sie wirken sollen. Gesteuert werden sie von der Körpertemperatur.

Labor-Untersuchung von Mikrokapseln: Ein Team vom Georgia Institute of Technology, der Emory University in Atlanta (USA) sowie der Yonsei University in Seoul hat es geschafft, temperaturgesteuerte Medikamentenkapseln zu entwickeln.   

Labor-Untersuchung von Mikrokapseln: Ein Team vom Georgia Institute of Technology, der Emory University in Atlanta (USA) sowie der Yonsei University in Seoul hat es geschafft, temperaturgesteuerte Medikamentenkapseln zu entwickeln.   

Foto: dpa

Arzneimittel, die in bestimmten Körperorganen wirken sollen, werden mit Hüllen versehen, die beispielsweise der aggressiven Magensäure trotzen. Eine punktgenaue Steuerung ist mit diesem relativ groben Instrument nicht möglich. Wohl aber mit Mikrokapseln, deren Verschluss sich dort öffnet, wo das Medikament wirken soll. Derartige Kapseln hat ein amerikanisch-südkoreanisches Forscherteam entwickelt. Der Korken öffnet sich, wenn eine bestimmte Temperatur erreicht ist.

Die Körpertemperatur ändert sich im Verlauf eines Tages. Sie ist auch nicht überall gleich, auch wenn sie nur im Zehntel-Grad-Bereich schwankt – außer bei Erkrankungen, die Fieber auslösen. Beladen mit einem Blutdruck senkenden Mittel bleibt eine solche Kapsel geschlossen, so lange der Patient sich nicht aufregt. Gerät er in eine Stresssituation steigt seine Körpertemperatur leicht an. Sofort öffnet sich der Korken und gibt das Gegenmittel frei.

Der Verschluss der Kapseln lässt sich präzise auf eine bestimmte Temperatur einstellen. Das eröffnet neue Möglichkeiten der Tumorbehandlung. Ein Chemotherapeutikum, das in den Kapseln geborgen ist, wird erst dann frei, wenn es am Ziel ist. Dazu wird der Tumor von Außen erwärmt.

Toluol versteckt sich in Kügelchen

Schon seit langem arbeiten Forscher an temperaturgesteuerten Medikamentenkapseln. Einige waren auch erfolgreich. Doch keinem gelang es bisher, solche Behälter in akzeptabler Zeit zu befüllen. Ein Team vom Georgia Institute of Technology, der Emory University in Atlanta (USA) sowie der Yonsei University in Seoul hat es geschafft. Es skalpierte winzige Kügelchen aus dem Kunststoff Polystyrol und fixierte sie auf einer Unterlage. Sie tränkten die Behälter mit einem Gemisch aus Wasser und Toluol, Flüssigkeiten, die sich am liebsten aus dem Weg gehen. In diesem Fall versteckt sich Toluol einfach in den Kügelchen.

Im nächsten Schritt werden die Behälter schockgefroren und getrocknet. Das Toluol bleibt flüssig, wird ausgegossen und durch das Medikament ersetzt. Wie die Forscher sicherstellen, dass keine Toluolspuren zurückbleiben, verraten sie nicht.

Verschlossen werden die Kugeln mit einem Kunststofffilm, der Anteile von Tetradecanol und Laurinsäure enthält. Deren Mischungsverhältnis bestimmt die Temperatur, bei der sich der Korken öffnet.

Von Wolfgang Kempkens Tags:

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