Genauigkeit von 90 Prozent 18.02.2015, 08:51 Uhr

Schnüffel-Telefon riecht Krebs im menschlichen Atem

Krebs-Erkrankungen lassen sich dank einer Erfindung aus Israel schnell und einfach durch die Analyse des menschlichen Atems feststellen. Dabei wird das kleine Analysegerät an ein Telefon angekoppelt. Das neue Sniffphone wurde von einem Team um Professor Hossam Haick von der Forschungseinrichtung Technion entwickelt.

Lungentumore geben so genannte volatile organische Verbindungen ab, die sich mit dem Analysegerät leicht aufspüren lassen.

Lungentumore geben so genannte volatile organische Verbindungen ab, die sich mit dem Analysegerät leicht aufspüren lassen.

Foto: American Friends of TAU

Ausgangspunkt der Arbeiten war die Erkenntnis, dass die Überprüfung von Patienten auf irgendeine Form der Krebs-Erkrankung zeitaufwändig und vor allem teuer ist. Zu den Vorteilen der Atemanalyse mit telefonischer Weitermeldung zählt außer einer beträchtlichen Kostenersparnis, dass dieses Verfahren überaus schnell ist. Damit kann auch die Krebsbehandlung viel früher als sonst üblich einsetzen. Und Menschenleben retten.

Erster Prototyp des Schnüffeltelefons.

Erster Prototyp des Schnüffeltelefons.

Quelle: Technion

Nach Angaben von Professor Haick weist das Atem-Analysegerät bislang eine Genauigkeit von 90 Prozent auf. Zu bedenken ist allerdings, dass nicht nur bösartige Krebsarten sondern auch die Existenz so genannter gutartiger Krebsarten im Körper des Patienten angezeigt werden.

In Kürze auch eine Koppelung mit dem Mobil-Telefon

Die israelischen Forscher arbeiten gegenwärtig an einer Variante des Sniffphone, die die Benutzung von Mobiltelefonen erlaubt.

So sieht das Schnüffeltelefon inzwischen aus.

So sieht das Schnüffeltelefon inzwischen aus.

Quelle: Technion

Der besondere Nutzen wird darin gesehen, dass somit das Sniffphone auch bei Personen eingesetzt werden kann, die selbst kein Festnetz-Telefon besitzen und die so weit von einer ärztlichen Praxis entfernt leben, dass sie nicht einfach zu einem Sniffphone-Test in eine Praxis kommen können.

Am höchsten ist die Genauigkeit bei Lungenkrebs

Lungenkrebs ist generell schwer zu erkennen. Alle praktizierten Verfahren wie Bluttests, Biopsien, CT-Scans und Ultra-Sound-Tests sind zeitaufwändig und teuer und werden vielfach erst unternommen, wenn es für eine Heilung häufig schon zu spät ist. So führt Lungenkrebs zu mehr Todesfällen als Darm-, Brust- und Magenkrebs zusammen, weil die allermeisten an Lungenkrebs erkrankten Patienten erst dann einen Arzt aufsuchen, wenn sie schon starke Beschwerden haben. Die Sniffphone-Atemanalyse erlaubt dagegen eine sehr frühe, schnelle Krebs-Feststellung.

Denn alle Lungentumore geben so genannte volatile organische Verbindungen (VOC’s) ab, die sich mit dem Analysegerät leicht aufspüren lassen. In 80 Prozent der Testfälle war das Sniffphone sogar in der Lage, zwischen bös- und gutartigen Lungenkrebs-Varianten zu differenzieren.

Finanzielle Unterstützung durch Europäische Gemeinschaft

Die Smarphone-Nutzung für die Krebs-Früherkennung wird von der Europäischen Gemeinschaft finanziell unterstützt. Universitäten und andere Forschungseinrichtungen aus Finnland, Irland, Lettland und Österreich sind an den Arbeiten bei Technion beteiligt. Der Chip zur Krebserkennung wird in ein Gerät installiert das mit dem Smartphone verbunden wird.

Eine App des Smartphones liest die Sensor-Daten, analysiert sie und meldet sie entweder direkt weiter oder gibt sie in eine Cloud. 

Eine App des Smartphones liest die Sensor-Daten, analysiert sie und meldet sie entweder direkt weiter oder gibt sie in eine Cloud. 

Quelle: Technion

Eine App des Smartphone liest dann die Sensor-Daten, analysiert sie und meldet sie entweder direkt weiter oder gibt sie in eine Cloud. Für die Vermarktung dieser Technik gründet Technion in Israel derzeit eine Tochtergesellschaft namens NanoVation-GS.

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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