Exoskelett mit Rückmeldung 16.04.2026, 05:51 Uhr

Querschnittslähmung: Implantat liefert erstmals Feedback ans Gehirn

Ein neuartiges Implantat koppelt Exoskelett und Gehirn bei Querschnittslähmung – und ermöglicht erstmals echtes sensorisches Feedback in Echtzeit.

Chip direkt am Gehirn

Chip direkt am Gehirn: Lokale Signalverarbeitung ermöglicht die gedankengesteuerte Bewegung von Exoskeletten und liefert sensorisches Feedback in Echtzeit.

Foto: Smarterpix / Aleksandrasova

Die Wiederherstellung der Mobilität bei Querschnittslähmung gehört zu den schwierigsten Aufgaben der Medizintechnik. Viele Systeme schaffen es inzwischen, Bewegungsabsichten aus dem Gehirn auszulesen und in Aktionen umzusetzen. Was bislang jedoch fast immer fehlt, ist das passende Feedback des Körpers. Genau an dieser Stelle setzt ein Forschungsteam der Keck School of Medicine (USC), der University of California, Irvine (UCI) und des California Institute of Technology (Caltech) an.

Die Forschenden haben eine Gehirn-Computer-Schnittstelle (BCI) entwickelt, die Bewegung und Wahrnehmung erstmals direkt miteinander koppelt. Das System übersetzt nicht nur Signale aus dem Gehirn, sondern meldet auch in Echtzeit zurück, was das Exoskelett gerade tut.

Den sensomotorischen Kreislauf schließen

Klassische BCIs arbeiten meist als Einbahnstraße: Sie registrieren die elektrische Aktivität im Gehirn und steuern damit etwa einen Roboterarm oder einen Rollstuhl. Für komplexe Abläufe wie das Gehen reicht das kaum aus. Gesunde Menschen verlassen sich nicht nur auf ihre Muskelkraft. Sie spüren den Untergrund, die Belastung der Gelenke und die Position ihrer Beine im Raum. Dieses Zusammenspiel aus Bewegung und Wahrnehmung – der sensomotorische Kreislauf – ist bei bisherigen Systemen unterbrochen.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
BG ETEM-Firmenlogo
Dozent/in (m/w/d) in der Bildungsstätte Dresden BG ETEM
Dresden Zum Job 
TenneT-Firmenlogo
Network Engineer Kommunikationsnetze (m/w/d) TenneT
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektleiter Wohnungsbau (m/w/d) für Neubau und Modernisierung auf Bauherrenseite Allbau Managementgesellschaft mbH
Orano GmbH-Firmenlogo
Strahlenschutzingenieur / Strahlenschutztechniker (m/w/d) Orano GmbH
Nürnberg Zum Job 
UPM - The Biofore Company-Firmenlogo
Production Engineer (m/f/d) UPM - The Biofore Company
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Arbeitsvorbereiter / Stationärer Projektleiter (m/w/d) für Auftragsabwicklung und Produktionssteuerung im Bereich Fertigteilbau KLEBL GmbH
Gönnern Zum Job 
Stadtwerke Essen AG-Firmenlogo
Betriebsingenieur/in (gn) für Technisches Sicherheitsmanagement und Sonderprojekte Stadtwerke Essen AG
OCS Optical Control Systems GmbH-Firmenlogo
Entwicklungsingenieure (m/w/d) für die Bildverarbeitung & Softwareentwicklung OCS Optical Control Systems GmbH
OCS Optical Control Systems GmbH-Firmenlogo
Applikationsingenieur (m/w/d) für Automatisierungssysteme OCS Optical Control Systems GmbH
Spritz-Plast GmbH-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Spritz-Plast GmbH
Laufenburg (Baden) Zum Job 
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Support-Techniker/-Ingenieur (m/w/d) LED-Lithographieanlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF-Firmenlogo
Ingenieur Mikroelektronik - Hochfrequenztechnik / Messtechnik (all genders) Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF
Freiburg im Breisgau Zum Job 
Hirschvogel Holding GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker als Planer Qualitätsmanagement für Kundenprojekte (m/w/d) Hirschvogel Holding GmbH
Denklingen Zum Job 
JOST-Werke Deutschland GmbH-Firmenlogo
Manager Testing & Prototyping Global | Mechanical Systems (m/w/d) JOST-Werke Deutschland GmbH
Neu-Isenburg (bei Frankfurt a. M.) Zum Job 
kbo-Donau-Altmühl-Kliniken gGmbH-Firmenlogo
Bautechniker (m/w/d) kbo-Donau-Altmühl-Kliniken gGmbH
Ingolstadt, Taufkirchen, Freising, Eichstätt Zum Job 
Landesanstalt für Altlastenfreistellung des Landes Sachsen-Anhalt-Firmenlogo
Projektmanager Altlastensanierung (m/w/d) Landesanstalt für Altlastenfreistellung des Landes Sachsen-Anhalt
Magdeburg Zum Job 
STEULER-KCH GmbH-Firmenlogo
Technischer Vertriebsmitarbeiter Export - Surface Protection (m/w/d) STEULER-KCH GmbH
Siershahn Zum Job 
Erwin Junker Maschinenfabrik GmbH-Firmenlogo
Bereichsleiter Qualitätsmanagement (m/w/d) Erwin Junker Maschinenfabrik GmbH
Nordrach Zum Job 
Henkel AG & Co. KGaA-Firmenlogo
Business Development Manager - Western Europe (d/f/m) Henkel AG & Co. KGaA
Düsseldorf Zum Job 
Henkel AG & Co. KGaA-Firmenlogo
Projektingenieur Kraftwerk (d/m/w) Henkel AG & Co. KGaA
Düsseldorf Zum Job 

Das neue BCI schließt diese Lücke. Elektroden auf dem motorischen Kortex erfassen den Wunsch, einen Schritt zu machen. Ein integrierter Mikrocomputer verarbeitet die Signale direkt im Implantat. Dieser Verzicht auf externe Rechenleistung reduziert nicht nur die Latenzzeit zwischen Gedanke und Schritt, sondern ist die Grundvoraussetzung für ein autarkes System außerhalb des Labors.

Parallel dazu erfassen Sensoren am Exoskelett jede Bewegung. Diese Informationen fließen zurück ins Gehirn: Elektroden am sensorischen Kortex erzeugen dort ein künstliches Gefühl, das exakt zu den ausgeführten Schritten passt. Dr. med. Charles Liu beschreibt den Ansatz so: „Das wirklich Neue daran ist, dass Sensoren am Skelett ebenfalls eine Stimulation des Gehirns auslösen, sodass die Person jeden Schritt spüren kann.“

Präzision durch lokale Signalverarbeitung

In ersten klinischen Tests zeigte das System eine bemerkenswerte Genauigkeit. Da die Implantation einen Eingriff am Gehirn erfordert, arbeitete das Team mit einer Epilepsie-Patientin zusammen, bei der die Elektroden bereits aus diagnostischen Gründen platziert waren. Der Versuchsaufbau war ungewöhnlich: Während die Patientin im Bett saß, trug ein Forscher das Exoskelett und führte die Schritte physisch aus.

Die Ergebnisse der Studie, die im Fachmagazin Brain Stimulation veröffentlicht wurden, sprechen für sich:

  • Bewegungssteuerung: In rund 92 % der Fälle erkannte das System korrekt, wann die Patientin einen Schritt auslösen wollte.
  • Sensorik: Allein über die künstlichen Rückmeldesignale konnte die Patientin die Schritte des Forschers mit etwa 93 % Genauigkeit mitzählen – ganz ohne Sichtkontakt.

Richard A. Andersen vom Caltech ordnet den Fortschritt ein: „Querschnittsgelähmte, die Exoskelette verwenden, sind derzeit auf visuelles Feedback angewiesen, aber diese Forschung eröffnet einen neuen Weg für eine natürlichere und effektivere Nutzung.“

Die Vision eines Cyber-Physical Systems

Mit einer Förderung von 8 Millionen Dollar aus dem Cyber-Physical Systems-Programm der National Science Foundation wird deutlich, dass es hier um mehr als reine Medizintechnik geht: Es ist die nahtlose Integration von Robotik in die menschliche Biologie. Ein zentrales Problem bisheriger BCIs bleibt allerdings die Hardware. Viele Systeme sind noch auf Kabelverbindungen angewiesen, was das Infektionsrisiko erhöht.

Das Team verfolgt deshalb das Ziel, alle Komponenten vollständig zu implantieren. Die Signalverarbeitung findet bereits im System selbst statt. Der nächste Schritt besteht darin, die Elektronik und die Energieversorgung so zu verkleinern, dass sie dauerhaft unter der Haut verbleiben können.

Klinische Studien und kritischer Ausblick

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat dem Team bereits eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Damit können nun klinische Studien mit Menschen beginnen, die tatsächlich von einer Querschnittslähmung betroffen sind. Geplant ist, die Elektroden zunächst für 30 Tage zu implantieren, um das Zusammenspiel im Alltag zu prüfen. Zoran Nenadić von der UCI betont die langfristige Vision:

„Unser oberstes Ziel ist es, die Funktion eines solchen Systems an Menschen mit vollständiger Beinlähmung zu testen und damit sein Potenzial zu demonstrieren, die Funktion eines intakten sensomotorischen Regelkreises nachzuahmen.“

Trotz der Erfolge bleibt eine gesunde Skepsis angebracht. Bisher basieren die Daten auf einer einzelnen Testperson. Herausforderungen wie die langfristige Signalstabilität der Elektroden und die Wärmeentwicklung der Implantate im Gewebe müssen erst noch gelöst werden. Dennoch adressiert dieser Ansatz genau den Punkt, an dem Prothesen bisher scheiterten: Er gibt dem Gehirn nicht nur die Kontrolle zurück, sondern auch das Gefühl.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.