Atemsensor mit Heizung 05.12.2013, 14:17 Uhr

Neues Messgerät unterstützt Sanitäter bei Herzdruckmassagen

Erstversorgung am Unfallort könnte zukünftig noch wirkungsvoller werden: Ein neues Messgerät analysiert die Atemluft des Patienten. Es gibt Sanitätern genaue Anweisungen für eine optimale Herzdruckmassage. 

Auf seinem Smartphone kann der Sanitäter ablesen, ob Rhythmus und Druck der Herzdruckmassage stimmen. Das System könnte zukünftig in jedem Verbandskasten zu finden sein und selbst Laien wirkungsvolle Erstbehandlung ermöglichen. 

Auf seinem Smartphone kann der Sanitäter ablesen, ob Rhythmus und Druck der Herzdruckmassage stimmen. Das System könnte zukünftig in jedem Verbandskasten zu finden sein und selbst Laien wirkungsvolle Erstbehandlung ermöglichen. 

Foto: Institut für Mikro- und Informationstechnik

Das Unfallopfer ist bewusstlos. Es atmet nicht. Mit einer Herzdruckmassage versuchen die Ersthelfer eine Wiederbelebung. Über seinem Mund befestigen sie eine Maske, in der sich ein neu entwickelter Sensor befindet.

Dieser misst Menge, Druck und Temperatur der Luft, die ein- und ausströmt. Eine Elektronik wertet die Daten aus und sendet sie per Bluetooth auf das Handy des Helfers. Dort wird angezeigt, ob er alles richtig macht. Wenn Rhythmus und Druck stimmen, liest er „okay“, wenn er stärker drücken muss „mehr“, wenn er es übertreibt „weniger“. Und wenn alles nicht reicht, fordert das Gerät eine Mund-zu-Mund-Beatmung. Heute sind die Ersthelfer ausschließlich auf ihre Erfahrung angewiesen.

Heizung verhindert Kondensation der Atemluft

Ingenieure des Medizintechnik-Unternehmens Karl Küfner aus Albstadt und des Instituts für Mikro- und Informationstechnik in Villingen-Schwenningen haben das neue Messgerät entwickelt. Beim Startschuss kam es allerdings direkt zu einem Problem: Auf dem Sensor bildete sich Kondensat aus Atemluft, er beschlug wie der Spiegel im Badezimmer beim Duschen.

Das Kondensat verhinderte schon nach den ersten Sekunden eine exakte Messung. „Deshalb haben wir eine Heizung eingebaut“, sagt Sophie Billat, die zum Entwicklungsteam gehört. Trotzdem lässt sich die Temperatur der ein- und ausströmenden Luft messen.

Der Sensor wird in das Notfall-Beatmungsset rescue-iFil integriert, das Küfner auf den Markt bringt. Sensor und zugehörige Elektronik könnten künftig auch einen Stammplatz in den Verbandskästen haben, die jeder Autofahrer dabei haben muss, glaubt Billat. Maske und Sensor kosten fünf bis zehn Euro. Die Elektronik ist allerdings „ziemlich teuer“, so die Entwicklerin. Was sie genau kostet konnte sie noch nicht sagen, weil das Gerät noch nicht auf dem Markt ist.

Sensorsystem könnte Laien zu guten Ersthelfern machen 

Tatsächlich wäre ein solches Gerät für Menschen wichtig, die keine professionellen Ersthelfer sind. Viele wissen nicht, wie sie die Herzdruckmassage dosieren müssen, wenn das Unfallopfer nicht mehr atmet. Selbst wenn der Erste-Hilfe-Kurs erst vor Kurzem absolviert worden ist, fehlt es an Sicherheit. Eine Anweisung, die auf realen Patientendaten beruht, könnte die Versorgung von Verletzten enorm verbessern.

Von Wolfgang Kempkens

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