ALTERNATIVE ZU NÄHEN UND KLEBEN 30.04.2014, 07:00 Uhr

Nanopartikel können Wunden verschließen

Die klassische Nähtechnik auf der Haut oder an Organen verletzt das Gewebe, Kleben ist oft nicht möglich. Mit Hilfe von Nanopartikeln könnten auch tiefe Wunden nun einfach, sicher und ästhetisch verschlossen werden.

Etwas von der Lösung mit Nanopartikeln auf die Wunde pinseln, dann für eine Weile mechanischen Druck ausüben: So einfach sollen Verletzungen an Haut und Organen geschlossen werden können. 

Etwas von der Lösung mit Nanopartikeln auf die Wunde pinseln, dann für eine Weile mechanischen Druck ausüben: So einfach sollen Verletzungen an Haut und Organen geschlossen werden können. 

Foto: Screenshot ingenieur.de

Wenn die Technik im Alltag funktioniert, könnte sie die Chirurgie revolutionieren. Und sie klingt geradezu zauberhaft simpel: Ein paar Tröpfchen einer Lösung auf die Wunde geben, eine Minute zusammendrücken, fertig. Der Alleskleber für Haut und Organe.

Französische Forscher haben die Methode nach eigenen Angaben mit großem Erfolg an Ratten getestet. Sie basiert auf einer Lösung mit Nanopartikeln aus Siliziumdioxid- und Eisenoxid. Ganz ohne chemische Reaktion stellen die Partikel eine direkte Verbindung zwischen den getrennten Gewebeteilen her, die aufgrund der millionenfachen Andockpunkte besonders stabil ist. Die Wissenschaftler konnten so nicht nur Hautwunden, sondern auch Organe  schonend verschließen. So seien Blutungen an der Leber schnell gestoppt worden. Nähen hätte das Organgewebe verletzt. Klebetechniken arbeiten bislang mit chemischen Substanzen, die toxisches Potenzial haben. Außerdem sind sie in feuchtem Milieu oft nicht wirksam.

Optische Korrektur möglich

Das Team um Ludwik Leibler vom Laboratoire Matière Molle et Chimie (CNRS/ESPCI Paris Tech) und Didier Letourneur vom Laboratoire Recherche Vasculaire Translationnelle (INSERM/Universités Paris Diderot) nutzt bei der neuen Methode die Anziehungskräfte der Nanopartikel an das molekulare Netzwerk des lebenden Gewebes. Beim Verschließen ist den Angaben zufolge auch noch eine optische Korrektur möglich, die bei Nähten oder schnell wirkendem Kleber kaum durchführbar ist. So sollen besonders ästhetische Ergebnisse erzielt werden. Die Methode wäre dementsprechend auch für Schönheitsoperationen interessant, bei denen OP-Narben häufig noch „versteckt“ werden müssen.

Einsatz auch bei Hautinfektionen

Die Anwendungsmöglichkeiten könnten aber noch größer sein. Den Forscher ist es auch gelungen, eine biologisch abbaubare Membran an einem schlagenden Rattenherz anzubringen. Über diese Technik könnte es zum Beispiel möglich sein, Medikamente gezielt und exakt dosiert direkt am Organ einzusetzen. Solche Membranen könnten zudem als Stützen für verletztes Gewebe im Körperinneren dienen. Mit Nanopartikeln auf Basis anderer als der bisher verwendeten Metalloxide sei der Einsatz sicher noch erweiterbar, sagt Leibler: „Besonders Substanzen mit biologischen Wirkungen wie Silber-Nanopartikel sind hier interessant. Sie könnten beispielsweise gegen Hautinfektionen eingesetzt werden.“

Von Werner Grosch

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