Medizintechnik 01.12.2006, 19:25 Uhr

„Made in Germany reicht nicht mehr“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 1. 12. 06, has – Mit mehr als 360 Filialen ist Kind Hörgeräte Marktführer in Deutschland. Um nicht von wenigen Herstellern abhängig zu werden, stellt Kind in der Tochtergesellschaft Audifon auch selbst Hörgeräte her.

Kind: Kind Hörgeräte gibt es seit 36 Jahren. Schon damals war der Markt für Hörgeräte in Deutschland unterversorgt, er ist es immer noch und er wird es wohl noch eine Weile bleiben. Ich habe mich damals für die Filial-Strategie entscheiden. Diesen Prozess haben wir vor 20 Jahren eingeleitet mit dem Ergebnis, dass wir jetzt Marktführer sind.

VDI nachrichten: Sie haben auch eine eigene Produktion. Warum?

Kind: Es war eine strategische Entscheidung. Wir haben gesehen, dass die technologische Entwicklung, vor allem bei der Digitaltechnik, zu deutlichen Abhängigkeiten führen kann. Wir wollten aber unsere Unabhängigkeit bewahren. Der zweite Grund war, dass wir die Größe hatten, uns in Deutschland wie auch weltweit zu positionieren.

VDI nachrichten: Verkaufen Sie auch Produkte von anderen Herstellern?

Kind: Wir betreiben eine Private-Label-Markenstrategie: Der Kunde kauft in den Fachgeschäften ausschließlich Hörgeräte mit dem Markennamen „Kind“. Hersteller dieser Hörgeräte sind Siemens, Oticon und Phonak. Der vierte Lieferant ist unsere Tochtergesellschaft Audifon.

VDI nachrichten: Sie produzieren mit Audifon in Thüringen?

Kind: In Kölleda. Dort haben wir eine moderne, innovative Fabrik mit einer hoch motivierten und qualifizierten Belegschaft. Seit der Übernahme von Audifon haben wir neue Arbeitsplätze in Forschung und Entwicklung und in der Produktion geschaffen.

VDI nachrichten: Wollen Sie mit der Produktion in Deutschland bleiben?

Kind: Ja. Aus Kostengründen wegzuziehen, wäre für uns derzeit nur schwer zu begründen. In der Produktion, nicht bei der Dienstleistung in den Fachgeschäften, liegt der Anteil der Lohnkosten an den Gesamtkosten pro Hörgerät zwischen 10 % und 15 %. Damit sind wir international wettbewerbsfähig.

VDI nachrichten: Ihre Konkurrenten sind schon im Ausland?

Kind: Wir sind weltweit das einzige Unternehmen, das Handel und Produktion auf diese Weise miteinander verbindet. Die reinen Hörgeräte-Hersteller, z. B. Siemens, Oticon, aber auch Phonak produzieren überwiegend nicht mehr in Deutschland oder der Schweiz. Sie haben die Produktion teilweise nach Asien verlagert.

VDI nachrichten: Verlagerungen aus Kostengründen?

Kind: Ja, aber auch wegen der Märkte. Da kommen immer zwei Ursachen zusammen. China hat, wenn man die entsprechende Quote von Deutschland unterstellt, ein Potenzial von 150 Mio. Schwerhörigen. Das ist ja nicht unattraktiv.

VDI nachrichten: Haben sie auch Ambitionen, nach China zu gehen?

Kind: Nach China nicht, wir haben aber in Singapur eine Vertriebsgesellschaft von Audifon gegründet, um den asiatischen Markt zu bedienen. Und wir haben erste, gute Erfahrungen in den USA gesammelt, obwohl der Markt dort schon verteilt war. Man kann mit Produkten aus Deutschland auch in bereits verteilten Märkten Anteile erwirtschaften. Auch die Märkte in Asien sind schon aufgeteilt, aber wir sind optimistisch.

VDI nachrichten: Was haben Sie noch vor?

Kind: Wir werden die Produktion deutlich erhöhen, indem wir weitere Märkte im Ausland erschließen.

VDI nachrichten: Welche sind das?

Kind: Vor allem die USA und Osteuropa. In Russland ist es leichter für uns, weil die Märkte neu verteilt werden. Gerade dort haben wir einen außerordentlich guten Markteinstieg geschafft.

VDI nachrichten: Wie viele Geschäfte haben Sie in Russland?

Kind: Derzeit nur eines, in Moskau, aber das läuft außerordentlich gut. In diesem Jahr werden wir zwei weitere Geschäfte eröffnen. Darüber hinaus liefert Audifon Hörgeräte an staatliche Stellen.

VDI nachrichten: Sie eröffnen ein Geschäft und die Kunden springen hinein?

Kind: Das ist gegenwärtig so in Osteuropa, auch in Georgien. Wenn dort Produkte und Leistungen aus dem Westen angeboten werden, die bisher in dieser Form nicht verfügbar waren, finden die guten Absatz.

VDI nachrichten: In Russland gibt es keine eigenen Hersteller?

Kind: Im früheren sozialistischen Wirtschaftsraum gab es nur zwei oder drei Hersteller von Hörgeräten, aber die boten keine wettbewerbsfähigen Produkte an. Die Menschen merken, dass jetzt der Kunde im Mittelpunkt steht und dass qualifizierte Produkte und Dienstleistungen geboten werden.

VDI nachrichten: Steht Kind in Osteuropa für Made in Germany?

Kind: Das erleichtert in Mittel- und Osteuropa sicher den Markteintritt und die Akzeptanz, aber es schraubt auch die Erwartungen hoch. Made in Germany allein reicht nicht aus.

VDI nachrichten: Kann Ihre Firma in Deutschland noch wachsen?

Kind: Wir wollen in Deutschland unsere Position als Marktführer behaupten. Deshalb wollen wir 100 weitere Fachgeschäfte aufbauen. Dann hätten wir rund 500 Filialen und damit annähernd eine Flächendeckung. In Europa belegen wir einen zweiten Platz hinter einem börsennotierten Unternehmen aus Italien. Wir wollen zügig und kontinuierlich deutlich weitere Marktanteile erarbeiten.

VDI nachrichten: Wie hoch ist der Umsatz?

Kind: Wir reden ungern über Umsätze…

VDI nachrichten: … Wir können auch über Gewinne reden…

Kind (lacht): … Wir sind mit beidem zufrieden. Der deutsche Markt ist derzeit schwierig, das hängt im Wesentlichen mit der Gesundheitsreform zusammen. Der Hörgeräte-Markt stagniert im dritten Jahr.

VDI nachrichten: Wie hoch sind die Wachstumsraten von Kind Hörgeräte?

Kind: Sie liegen deutlich über dem Marktwachstum. Es gab auch Jahre, in denen wir ein zweistelliges Wachstum verzeichnen konnten. Wir wachsen im Ausland stärker als in Deutschland.

VDI nachrichten: Ist ein Börsengang für Sie ein Thema?

Kind: Aktuell nicht. Wir konnten unser Wachstum bislang mit den herkömmlichen Instrumenten finanzieren. HARTMUT STEIGER

Von Hartmut Steiger
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