Diagnose im Frühstadium 31.01.2014, 12:34 Uhr

Lungenkrebs lässt sich über Atemluft nachweisen

Atemluft soll zukünftig für die Krebsdiagnose ausreichen. Ein neues Analyseverfahren aus den USA erkennt spezielle Stoffwechselprodukte des Krebsgewebes. Das soll die Früherkennung verbessern und Patienten aufwändige Biopsien ersparen.

50.000 Menschen, die jährlich in Deutschland an Lungenkrebs erkranken, könnten zukünftig aufwändige Biopsien erspart bleiben. Der Mikroprozessor eines neuen Testgeräts untersucht Atemluft nach Carbonylverbindungen. Sie sind sicherer Hinweis für Lungenkrebs. 

50.000 Menschen, die jährlich in Deutschland an Lungenkrebs erkranken, könnten zukünftig aufwändige Biopsien erspart bleiben. Der Mikroprozessor eines neuen Testgeräts untersucht Atemluft nach Carbonylverbindungen. Sie sind sicherer Hinweis für Lungenkrebs. 

Foto: dpa/Daniel Bockwoldt

Jedes Jahr erkranken in Deutschland über 50.000 Menschen an Lungenkrebs. Nach Darm-, Prostata- und Brustkrebs ist er die vierthäufigste Krebsart und die mit der höchsten Sterblichkeitsrate. Bei der Bekämpfung spielt die Früherkennung eine wesentliche Rolle.

Seit wenigen Jahren gibt es in der medizinischen Forschung neue hoffnungsvolle Ansätze zur Erkennung von Krebs im Frühstadium. Sie basieren darauf, dass Krebsgewebe im Vergleich zur gesunden Zelle einen unterschiedlichen Stoffwechsel hat und bestimmte flüchtige organische Verbindungen produziert. Forschern ist es bereits mehrfach gelungen, solche Verbindungen in der Atemluft von Krebspatienten nachzuweisen.

Mikroprozessor untersucht Atemluft der Patienten

Amerikanische Wissenschaftler haben jetzt ein neues Analyseverfahren vorgestellt, das mit großer Wahrscheinlichkeit Lungenkrebs entdecken kann. Professor Michael Bousamra, Spezialist für Thoraxchirurgie und Wissenschaftler an der University of Louisville in Kentucky, ist der Leiter einer Studie, die Patienten mit verdächtigen Veränderungen im Lungengewebe untersucht hat.

Mit einem selbst entwickelten Mikroprozessor und einem Massenspektrometer haben die Mediziner die Atemluft der Patienten nach bestimmten flüchtigen Carbonylverbindungen untersucht. Zu diesen organischen Verbindungen gehören auch Aldehyde und Ketone, in der ein Kohlenstoffatom jeweils ein doppelt gebundenes Sauerstoffatom trägt. Sie werden vom menschlichen Körper in geringen Mengen produziert.

Test ist zu 95 Prozent zuverlässig

Ihren Mikroprozessor beschichteten die Forscher mit einer Aminoverbindung, die die Carbonyle bindet und nachweisbar macht. „Die Daten sind noch vorläufig“, betont Professor Bousamra. „Aber wir haben herausgefunden, dass Patienten mit einem erhöhten Gehalt bei drei von vier Carbonylen in 95 Prozent der Fälle Lungenkrebs haben.

Umgekehrt war bei nicht erhöhten Carbonylleveln die Voraussage zu 80 Prozent korrekt, dass der verdächtige Befund harmlos war. Die Wissenschaftler fanden außerdem heraus, dass die erhöhten Carbonylwerte auf ein normales Maß zurückgingen, sobald der bösartige Tumor operativ entfernt worden war.

Bousamra: „Anstatt, dass Patienten invasive Biopsie-Prozeduren über sich ergehen lassen müssen, wenn ein verdächtiges Gewächs in der Lunge identifiziert wird, zeigt unsere Studie, dass die ausgeatmete Luft allein genügt, um zu entscheiden, welcher der Patienten eine sofortige Operation benötigt.“

Von Gudrun von Schoenebeck

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