Medizintechnik 12.08.2005, 18:39 Uhr

Kunstblut als Alternative zur Blutspende  

VDI nachrichten, Radevormwald, 12. 8. 05 – Nur 2,5 % der Bevölkerung spendet regelmäßig Blut. Nicht nur in der Ferienzeit sind Blutkonserven deshalb knapp. Kunstblut könnte dem drohenden Mangel abhelfen. Südafrika setzt nun als weltweit erstes Land auf Blutersatz. Für die synthetischen Sauerstoffträger interessieren sich aber auch Leistungssportler.

Spenderblut ist zu einem knappen Gut geworden. Das wird besonders in der Ferienzeit deutlich, wenn viele Blutspender in Urlaub sind. 12 000 Mal pro Tag müssen Ärzte hierzulande auf Blutkonserven zurückgreifen. Und der Bedarf steigt.

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Doch nur 2,5 % der Bevölkerung spendet regelmäßig Blut. Um mehr Patienten versorgen zu können, wird das kostbare Gut bereits mithilfe von Filtern und Zentrifugen in seine Bestandteile zerlegt und gekühlt eingelagert. Die Haltbarkeit der Blutprodukte ist aber begrenzt. Das Konzentrat aus roten Blutkörperchen, die den Sauerstofftransport im Körper übernehmen, ist nur fünf Wochen lagerfähig. Noch problematischer ist die Aufbewahrung der für die Gerinnung nötigen Blutplättchen. Diese müssen auf beweglichen Flächen gelagert werden, damit sie nicht verklumpen. Experten rechnen damit, dass Spenderblut bald zur Mangelware wird.

„Das ist es in den Entwicklungsländern schon jetzt“, sagt Jong Wook Lee, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf. Er verweist auf die dramatische Lage in Afrika, wo ein großer Teil der Bevölkerung mit dem Aids-Virus infiziert ist. In vielen Ländern Afrikas sei die Versorgung mit sauberem Blut zusammengebrochen. Weltweit hätten acht von zehn Menschen keinen Zugang zu sicheren Blutprodukten.

Mit Hochdruck arbeiten Forscher an Verfahren, um Blut künstlich herzustellen. Am weitesten sind die Entwicklungen beim Ersatz des Sauerstoffträgers Hämoglobin fortgeschritten. Südafrika, eines der Länder mit der höchsten Aids-Rate, hat nun in höchster Not das weltweit erste Kunstblutprodukt für die Verwendung bei großen Operationen zugelassen. Den Blutersatz stellt das US-Unternehmen Biopure auf der Basis von Rinderhämoglobin her.

„Der Eiweißstoff wird zuerst sorgfältig gereinigt und dann chemisch vernetzt.“, erläutert Geschäftsführer Carl Rausch. Zwei Jahre lang hält sich der Blutersatz. Es bestehe nicht die Gefahr, dass eine Rinderkrankheit auf den Menschen übertragen werden könne, betont Rausch. Tatsächlich fehlt der Nachweis noch. Der Blutersatzstoff, für dessen rasche Entwicklung die Firma eine Finanzspritze vom US-Militär erhalten hat, muss sich erst noch in umfassenden klinischen Studien bewähren. Nennenswerte Einnahmen erwarte man zunächst nicht, betont das Unternehmen. „Für den Ausbau unseres Geschäfts sind schon die Informationen über den praktischen Umgang der Ärzte mit dem Produkt von größtem Wert.“, sagt Rausch. Damit hofft er den Vorsprung gegenüber der Konkurrenz auszubauen. Es winkt die Aussicht auf einen Milliarden-Markt.

Allein in den USA beträgt der Umsatz mit Blutkonserven 15 Mrd. $ pro Jahr. Zu den Wettbewerbern gehören auch Forscher in Europa. An der Karolinska-Klinik in Stockholm hatten Ärzte bereits vor zwei Jahren ein neues Verfahren erprobt. Für den Einsatz hatten sie aber noch auf menschliches Spenderblut zurückgegriffen. Das daraus gewonnene Hämoglobin wurde zu einem Pulver verarbeitet, das jahrelang lagerfähig ist. Bei Bedarf wird es mit Flüssigkeit versetzt und ist dann sofort einsatzfähig. Acht Patienten wurden mit dem Blutersatz erstmals behandelt, ohne dass es zu Unverträglichkeiten kam. Die Herstellung sei in gleicher Weise auch mit leicht zugänglichem tierischen Hämoglobin möglich, erklärte das schwedische Team.

Auf ein solches Verfahren setzt auch das Wittener Unternehmen SanguiBiotech. Es nutzt Hämoglobin, das aus veterinärmedizinisch kontrolliertem Schweineblut gewonnen wird. Die Firma hat eine patentierte Technik entwickelt, die den empfindlichen Eiweißstoff vor dem Zerfall bewahrt und eine industrielle Herstellung des Blutzusatzes ermöglicht. Der wird inzwischen im Tierversuch erprobt.

In der klinischen Erprobung ist bereits der vollsynthetische Blutersatz, den das US-Unternehmen Alliance Pharmaceutical entwickelt hat. Hauptbestandteil der milchigen Emulsion ist Perfluorkarbon, ein mit Teflon verwandter Stoff. Dieser übernimmt die Sauerstoffversorgung im Organismus – unter bestimmten Bedingungen sogar besser als echtes Blut.

Kein Wunder, dass sich die Sportwelt für das leistungssteigernde „Kunstblut“ interessiert. Das Internationale Olympische Komitee hat die künstlichen Sauerstoffträger bereits auf die Liste der verbotenen Substanzen gesetzt. SILVIA VON DER WEIDEN

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