Hilfe für Entwicklungsländer 05.03.2015, 09:59 Uhr

Kamerasystem diagnostiziert Gebärmutterhalskrebs in Minutenschnelle

Ein Kamerasystem aus Israel diagnostiziert Gebärmutterhalskrebs ohne zeitaufwändige Laboruntersuchungen. Das Start-up Biop Medical will damit Frauen in Entwicklungsländern zur Hilfe eilen. Dort sind die Überlebenschancen geringer als in Mitteleuropa.  

In vielen Entwicklungsländern haben Frauen keine Möglichkeit, sich vorbeugend untersuchen zu lassen: Gebärmutterhalskrebs endet deswegen oftmals tödlich. Ändern soll das ein neues tragbares Diagnosesystem.

In vielen Entwicklungsländern haben Frauen keine Möglichkeit, sich vorbeugend untersuchen zu lassen: Gebärmutterhalskrebs endet deswegen oftmals tödlich. Ändern soll das ein neues tragbares Diagnosesystem.

Foto: Biop Medical

Biop Medical will mit einer tragbaren Sonde mit einem optischen Scanner eine Alternative zu herkömmlichen Untersuchungsverfahren bieten. Das Kamerasystem wird in den Gebärmutterhals geführt und sendet dann Bilder an einen IBM-Server. Dort werden die Aufnahmen im Detail analysiert und mit einem riesigen Bildarchiv verglichen, um verschiedene Krebs-Entwicklungsstadien aufzuzeigen. Die Software macht es möglich, schon in Minuten einen Befund zu erhalten.

Gerät soll in Entwicklungsländern schnelle Diagnosen liefern

Bisher wird ein Zellabstrich gemacht, der sogenannte Pap-Test. Die gewonnenen Zellen werden dann an ein Labor zur Auswertung geschickt, was mehrere Wochen dauern kann. Dieser Vorgang gilt als zeitaufwändig und nicht unbedingt akkurat, da viele Abläufe notwendig sind, um zu einer endgültigen Diagnose zu kommen. Vor allem für Entwicklungsländer verspricht man sich von dem neuen Diagnosegerät große Vorteile, erklärt Biop Medical Geschäftsführer Ilan Landsmann: „Da es sich um eine Echtzeit-Diagnose handelt, die Ärzten und pflegerischem Personal sowie Patienten schnelle Antworten liefert, wird das Gerät von großem Nutzen für Entwicklungsländer sein.“

Ärzte können mit der mobilen Sonde Bilder des Gebärmutterhalses schießen. Eine Software vergleicht sie mit einem riesigen Bildarchiv und zeigt bedenkliche Gewebeveränderungen sofort an.

Ärzte können mit der mobilen Sonde Bilder des Gebärmutterhalses schießen. Eine Software vergleicht sie mit einem riesigen Bildarchiv und zeigt bedenkliche Gewebeveränderungen sofort an.

Foto: Biop Medical

Nach Aussagen von Biop Medical haben klinische Tests in Amerika und Europa bereits gezeigt, dass die Ergebnisse zu mindestens 90 Prozent akurat sind. „Das Biop Gerät ist vor allem für Ärzte und Krankenschwestern in ländlichen Gebieten nützlich, wo keine hoch-technischen Ausrüstungen für Gebärmutterhalskrebs-Tests zur Verfügung stehen“, erläutert Landsman. „Es handelt sich hier um eine Big Data Lösung, die traditionelle Untersuchungsmethoden ersetzen kann.“

Gebärmutterhalskrebs weltweit zweithäufigster bösartige Tumor bei Frauen

Mehr als 10.000 neue Erkrankungen an Gebärmutterhalskrebs werden jedes Jahr in den USA gemeldet, nach Aussagen des amerikanischen Zentrums für Krankheitskontrolle und Vorsorge sterben jährlich 3.800 Frauen an dieser Krebsart.

Die Häufigkeit des Tumors unterscheidet sich weltweit erheblich: Einer der entscheidenden Faktoren für den Verlauf der Krankheit ist dabei, wo die betroffenen Frauen leben – die Früherkennungsuntersuchung spielt eine besonders wichtige Rolle. In Mitteleuropa funktioniert diese immer besser: War Gebärmutterhalskrebs in der Vergangenheit der häufigste Genitalkrebs der Frau, konnte die Häufigkeit in Mitteleuropa durch die Früherkennung auf rund 25 Prozent gesenkt werden. In vielen anderen Teilen der Welt hat die Mehrheit der Frauen allerdings keinen Zugang zu Ärzten und damit auch keine Möglichkeit, sich vorbeugend untersuchen zu lassen.

Von Peter Odrich

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