Medizintechnik 04.04.2008, 19:34 Uhr

Hightech bringt Gelenke in Schwung  

VDI nachrichten, Hannover, 4. 4. 08, ber – Eher zufällig wurde entdeckt, dass Magnetresonanztomografie die Schmerzen von Patienten mit Gelenkbeschwerden lindern kann. Nun haben Wissenschaftler ein Behandlungssystem entwickelt, das herkömmlichen MRT-Geräten ähnelt, dabei aber mit deutlich schwächeren Magnetfeldern und Radiofrequenzen arbeitet.

Der positive Effekt der Therapie auf Gelenke, Knochen und Sehnen sei eher durch Zufall entdeckt worden, so Wegner. So hätten Patienten mit Abnutzungserscheinungen in den Gelenken, bei denen eine Magnetresonanztomographie (MRT, auch als Kernspin-Tomografie bezeichnet) gemacht worden war, nach mehreren Sitzungen über eine deutliche Besserung ihrer Arthrose-Beschwerden berichtet.

Wissenschaftler gingen dem Phänomen nach und entwickelten schließlich Behandlungssysteme, die nach einem ähnlichen Prinzip wie MRT-Geräte funktionieren – allerdings mit weitaus schwächeren Magnetfeldern und Radiofrequenzen.

Bei MRT richtet ein elektromagnetisches Feld die positiv geladenen Teilchen (Protonen) des Wasserstoffatoms in eine bestimmte Richtung aus. Gleichzeitig werden Radiowellen einer bestimmten Frequenz erzeugt, worauf sich die Protonen um bis zu 180 ° drehen (der sogenannte Kernspin).

Im Rhythmus der Radiowellen schnellen die Protonen immer wieder in ihre Ausgangslage zurück, werden anschließend erneut gedreht und geben die dabei jedes Mal frei werdende Energie ans umliegende Gewebe ab.

Dieses Drehen und Zurückschnellen passiert mehr als 100 000 Mal/s, und da der Körper zu knapp 80 % aus Wasser besteht, rasen entsprechend viele Energieimpulse durchs Gewebe.

Bei der MRT werden diese Impulse aufgezeichnet und können, da Gewebe- und Knochenstrukturen die von den Protonen aufgenommenen Energien unterschiedlich abstrahlen, für detailreiche Bilder aus dem Inneren des Körpers verwendet werden.

Warum aber hat der MRT-Effekt positiven Einfluss auf degenerative Erkrankungen, etwa auf Arthrose? Wie Wegner erläuterte, erzeugt jede Bewegung eines Gelenks ein kaum messbares elektrisches Feld, das als Stimulation dafür sorgt, dass sich in der Knorpelschicht der Gelenkpfanne immer wieder neue Zellen bilden.

Ist die Knorpelschicht altersbedingt oder durch einen Unfall zerstört, reibt Knochen auf Knochen. Der Betroffene leidet unter großen Schmerzen. Die Folge: Er bewegt das Gelenk möglichst nicht mehr. Fehlende Bewegung heißt aber auch, dass es kein die Zellen stimulierendes elektrisches Feld mehr gibt – die Degeneration schreitet fort.

MBST-Kernspin bietet nun einen Ausweg aus diesem Teufelskreis. Die bei der Behandlung zum Drehen animierten Protonen senden beim Zurückschnellen Impulse aus, die in Frequenz und Stärke dem elektrischen Feld eines sich bewegenden Gelenks gleichen. Dem Gelenk wird so vorgegaukelt, dass es sich bewegt. In der Knorpelschicht bilden sich dann neue Zellen, die Beschwerden nehmen ab und verschwinden in zahlreichen Fällen auch ganz, wie Wegner berichtet.

„Mit MBST-Kernspin steht uns heute eine Therapieform zur Verfügung, die vielen anderen Verfahren überlegen ist“, erklärte der Orthopäde. „Wer unter Arthrose oder unter der ebenfalls sehr gut behandelbaren Osteoporose leidet, sollte diese Alternative mit seinem Arzt besprechen.“ ber

  • Bettina Reckter

    Bettina-Reckter

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Forschung, Biotechnologie, Chemie/Verfahrenstechnik, Lebensmitteltechnologie, Medizintechnik, Umwelt, Reportagen

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