Medizintechnik 09.03.2007, 19:26 Uhr

Heimliche Vaterschaftstests häufig fehlerhaft  

VDI nachrichten, Kiel, 9. 3. 07, ber – Der Markt mit anonymen DNA-Tests, die „Kuckuckskinder“ entlarven sollen, boomt. Kieler Rechtsmediziner haben die Resultate kommerziell erhältlicher Abstammungsgutachten unter die Lupe genommen und zahlreiche Schwachstellen aufgedeckt. Der Gesetzgeber will nun handeln.

Die Richtlinien der Bundesärztekammer sehen daher vor, dass ein Arzt mit erwiesener Qualifikation eine Blutprobe des vermeintlichen Vaters, der Mutter und vom Kind abnimmt und die Identität der Probanden dokumentiert.

Bei der Suche nach Wahrheit lauern weitere Fallstricke, etwa im Labor, wo die DNA aus den Proben isoliert, gereinigt und mit Hilfe eines molekularen Kopiervorganges so lange vermehrt wird, bis genügend Material vorhanden ist, um es nach Größe zu trennen. Die so erhaltenen DNA-Fragmente lassen sich als Balkencode sichtbar machen – sie stellen den „Fingerabdruck“ dar.

Das charakteristische Muster rührt nicht von Genen her, sondern von informationsleeren Regionen dazwischen. Diese als VNTR (variable number of tandem repeats) bezeichneten Bereiche stammen jeweils zur Hälfte von Vater und Mutter. Genau sie werden für den Vaterschaftsnachweis herangezogen. Dabei sehen die hohen Standards für juristisch anerkannte Nachweise vor, dass mindestens zwölf voneinander unabhängige VNTR-Orte, die zudem auf verschiedenen Chromosomen liegen, untersucht werden.

Eine hinreichend sichere Aussage über die Verwandtschaft eines Kindes ergibt sich aus dem direkten Vergleich seines Musters mit denen von Vater und Mutter. Der doppelte Abgleich ist jedoch bei heimlichen Vaterschaftstests nicht gewährleistet. Außerdem stützt sich die Analyse einiger kommerzieller Anbieter auf die Auswertung von lediglich acht oder zehn VNTR-Orten, wie die Untersuchung der Kieler Wissenschaftler ergab. Dies sei zu wenig.

Unverzichtbar ist eine breite Vergleichsbasis von zwölf, besser noch 16 VNTR-Orten, wie in der Rechtsmedizin üblich, falls sich spontane Veränderungen im Erbmolekül ausgerechnet in einem der untersuchten DNA-Abschnitte ereignet haben sollten.

Um falsche Interpretationen zu vermeiden, greifen seriöse Vaterschaftsgutachten dann auf die Blutproben zurück und werten weitere Merkmalsunterschiede aus, etwa die Membranzusammensetzung der roten Blutkörperchen. Solche Analysen sind nicht billig. Ihre Kosten liegen meist um ein Mehrfaches über den Kampfpreisen der kommerziellen Anbieter.

SILVIA VON DER WEIDEN/ber

Ein Beitrag von:

  • Bettina Reckter

    Bettina-Reckter

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Forschung, Biotechnologie, Chemie/Verfahrenstechnik, Lebensmitteltechnologie, Medizintechnik, Umwelt, Reportagen

  • Silvia von der Weiden

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