Armband erkennt Krebszellen 03.02.2015, 12:30 Uhr

Google experimentiert mit künstlicher Menschenhaut

IT-Gigant Google forscht mit künstlicher Menschenhaut, um eine lebensrettende Frühdiagnose zu realisieren: Ein Armband soll Krebszellen erkennen, sobald der Träger eine Pille mit Nanopartikeln schluckt. 

Je früher Krebs diagnostiziert wird, desto besser sind die Heilungschancen. Das Armband von Google soll Alarm schlagen, sobald erste kranke Zellen entstehen. 

Je früher Krebs diagnostiziert wird, desto besser sind die Heilungschancen. Das Armband von Google soll Alarm schlagen, sobald erste kranke Zellen entstehen. 

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Seit drei Jahren tüfteln die Wissenschaftler der Forschungsabteilung Google X im kalifornischen Mountain View an dieser Vision: Der Mensch schluckt eine Pille, in der sich Nanopartikel befinden. Sie wandern durch die Blutbahn und heften sich an Krebszellen. Anschließend werden sie von einem Magnetarmband am Handgelenk angezogen.

„Die Nanopartikel zirkulieren in unserem ganzen Körper und suchen nach diesen Zellen. Wir sammeln sie mit einem Magneten ein und fragen sie, was sie gesehen haben“, erklärt Andrew Conrad, Leiter der Abteilung Biowissenschaften bei Google, vereinfacht das System in einem Bericht der US-amerikanischen Zeitschrift The Atlantic.

Google baut künstliche Unterarme mit Spenderhaut  

Bei der Früherkennung der Krebszellen scheint auch Licht eine zentrale Rolle spielen. Laut Conrad soll es möglich sein, die Verbindung von Nanopartikeln und Krebszellen zum Leuchten zu bringen. Damit das Armband oder ein anderes Gerät außerhalb des Körpers dieses Leuchten erkennt, müssen die Wissenschaftler allerdings mehr über die Lichtleitfähigkeit der menschlichen Haut lernen. Und dafür haben sie sich etwas Besonderes einfallen lassen.

Weltweit kämpfen Wissenschaftler gegen den Krebs.

Weltweit kämpfen Wissenschaftler gegen den Krebs.

Foto: Britta Pedersen/dpa

Die Google-Forscher haben naturgetreue Unterarme hergestellt. Sie sind mit einer Kombination aus Spenderhaut und synthetischer Haut überzogen und haben laut Conrad in puncto Autofluoreszenz und Biochemie dieselben Eigenschaften wie echte Arme. Die Wissenschaftler wollen mit ihrer Hilfe nachvollziehen, wie sich das Leuchten der Nanozellen bemerkbar macht. Das scheint deshalb besonders schwer zu sein, weil verschiedene Hauttypen und Hautfarben unterschiedliche Eigenschaften haben.

Jedes Jahr erkranken 500.000 Deutsche an Krebs

Das Verfahren klingt noch ziemlich abstrakt, befindet sich laut Conrad auch erst in einem frühen Entwicklungsstadium. Doch schon in einigen Jahren soll der Durchbruch da sein, hofft der Google-Forscher. „Wir machen gute Fortschritte, aber die Reise ist lang und hart.“

Die Früchte eines solchen Durchbruchs bei der Früherkennung wären süß. Denn laut Deutscher Krebshilfe erkranken in Deutschland jedes Jahr rund 500.000 Menschen neu an Krebs. Und Ärzte sind sich einig: Je früher man die Erkrankung erkennt, desto besser sind die Überlebenschancen.

Google hat bereits Kontaktlinse für Diabetiker entwickelt

Das Armband zur Krebsfrüherkennung ist nicht Googles einziges Bemühen, sich auf dem Zukunftsmarkt der Wearables breitzumachen. Der IT-Gigant hat auch schon eine Kontaktlinse für Diabetiker entwickelt, die den Glukosewert der Tränenflüssigkeit überwacht. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis will die Smart-Lens-Technologie auf den Markt bringen und damit die Lebensqualität der Diabetiker erhöhen. Denn diese sind meist immer noch auf aufwändige Messgeräte, Stechhilfen und ein Blutzuckertagebuch angewiesen. 

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