Mit der Zunge hören 22.01.2015, 06:55 Uhr

Gerät wandelt Schall in Vibrationen um

Eine Entwicklung von Ingenieuren der Colorado State University könnte stark schwerhörigen Menschen wieder zu einer guten Wahrnehmung verhelfen. Das Gerät wird auf die Zunge gelegt und erzeugt dort Vibrationen, die mit einiger Übung als Wörter interpretiert werden können.

Das von Forschern der Colorado State University erfundene Gerät wird auf die Zunge gelegt und erzeugt dort Vibrationen, die von Schwerhörigen mit einiger Übung als Wörter interpretiert werden können.

Das von Forschern der Colorado State University erfundene Gerät wird auf die Zunge gelegt und erzeugt dort Vibrationen, die von Schwerhörigen mit einiger Übung als Wörter interpretiert werden können.

Foto: Colorado State University

Der Prototyp sieht noch nicht ganz praxistauglich aus: ein Metallplättchen, das auf die Zunge gelegt wird und an dem sich vier dicke Plastikschläuche befinden, die in ein Kästchen führen. Im Ohr steckt ein Mikrofon, das per Bluetooth mit dem Kästchen – dem elektronischen Zentrum der Erfindung – verbunden ist.

Empfängt das Mikrofon Schallwellen, sendet es sie weiter an den Mini-Computer, der daraus Vibrationen erzeugt. Sie werden an bestimmten Punkten der Zunge spürbar.

Zunge ist äußerst empfindlich

Die Forscher der Colorado State University, die das Gerät erfunden haben, nutzen dabei die hohe Empfindlichkeit der Zunge, die vergleichbar ist mit den Fingerkuppen. Und so, wie Blinde durch Abtasten von dreidimensionaler Braille-Schrift lesen können, sollen Schwerhörige auf diese Weise wieder deutlich „hören“ können, besser gesagt: akustische Signale deutlich wahrnehmen.

Lernprozess dauert einige Monate

Nutzer des Geräts müssen noch einen Rest an Hörfähigkeit haben, damit sie die akustische und die taktile Wahrnehmung miteinander verbinden können. Das erleichtert die Interpretation der Vibrationen auf der Zunge. Einige Monate dürfte es nach Angaben der Forscher dauern, bis Schwerhörige den Umgang damit gelernt haben.

Das Gerät soll bis zur Marktreife noch kleiner und praktikabler werden, erklärt Maschinenbau-Ingenieur John Williams von der Colorado State University. Etwa 2000 Dollar werde es dann kosten.

Deutlich billiger als Implantate

Seit einiger Zeit gibt es für viele Schwerhörige so genannte Cochlea-Implantate, die technisch gesehen ähnlich arbeiten. Allerdings haben sie auch eine Reihe von Nachteilen: So sind sie nur für bestimmte Arten von Hörschädigungen geeignet. Auch erfordern sie eine Operation im Ohr. Und sie sind um ein Vielfaches teurer als das Zungen-Ohr.

Von Werner Grosch

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