NEUE STUDIE aus England 10.10.2013, 13:29 Uhr

Fluglärm erhöht Puls und Blutdruck und macht krank

Seit Jahren wird über Untersuchungen gestritten, nach denen die Anwohner in der Nähe von Flughäfen ein höheres Risiko für schwere Erkrankungen haben. Eine neue Studie aus England untermauert nun diesen Verdacht.

Nächtlicher Flugverkehr auf dem Flughafen KölnBonn: Besonders in der Nacht führt Fluglärm nach einer neuen Studie aus den USA und Großbritannien zu Erkrankungen der Anwohner.

Nächtlicher Flugverkehr auf dem Flughafen KölnBonn: Besonders in der Nacht führt Fluglärm nach einer neuen Studie aus den USA und Großbritannien zu Erkrankungen der Anwohner.

Foto: Flughafen KölnBonn

Wenn ein Flugzeug in der Nähe startet oder landet, liegt die Lärmbelastung für viele Anwohner in der Nachbarschaft bei mehr als 65 Dezibel. Schon bei etwa 60 Dezibel – das entspricht einer lauten Unterhaltung in der Nähe – zeigen Menschen psychische Reaktionen. Ab 65 und mehr sind körperliche Stressreaktionen messbar: Anspannung, Unruhe, Schlaflosigkeit.

Dass Menschen Lärm als unangenehm empfinden, ist unbestritten. Und das gilt gerade nachts, wenn man zur Ruhe kommen will. Die Frage ist nur, ab wann mit ernsthaften gesundheitlichen Schäden zu rechnen ist. Eine Reihe von Studien hat in den vergangenen Jahren untersucht, wie Anwohner in der Nähe von Flughäfen auf den nächtlichen Lärm reagieren. So brachte zum Beispiel eine Analyse innerhalb der Einflugschneise des Köln-Bonner Flughafens das Ergebnis, dass die Anwohner dort besonders häufig von Herzinfarkten und anderen Herz-Kreislauferkrankungen betroffen seien.

Britische Studie rechnete soziale Faktoren heraus

Gerade diese erst vergangene Woche veröffentlichte Studie aber ist umstritten, auch in Fachkreisen wurden den Autoren methodische Fehler vorgeworfen. Häufig wurden in der Vergangenheit sonstige bekannte Risikofaktoren wie Rauchen, ethnische Herkunft, sozialer Status nicht ausreichend berücksichtigt. Zwei Forschergruppen aus den USA und Großbritannien, die ihre Ergebnisse nun im „British Medical Journal“ veröffentlichten, wollten genau diesen Fehler vermeiden.

Start auf dem Flughafen KölnBonn: „Es ist deutlich, dass der Lärm den Puls und den Blutdruck ansteigen lässt

Start auf dem Flughafen KölnBonn: „Es ist deutlich, dass der Lärm den Puls und den Blutdruck ansteigen lässt“, so Professor Paul Elliott vom Imperial College in London.

Foto: Flughafen KölnBonn

Die Wissenschaftler überprüften neben der Lärmbelastung auch andere Faktoren und rechneten sie aus den Resultaten heraus. Übrig blieb trotzdem ein deutliches Fazit: Fluglärm ist ein Gesundheitsrisiko. Besonders belastete Anwohner hatten nach der Untersuchung, die rund um den Londoner Flughafen Heathrow durchgeführt wurde, ein bis zu 24 Prozent höheres Schlaganfallrisiko als der Durchschnittsbürger. „Es ist deutlich, dass der Lärm den Puls und den Blutdruck ansteigen lässt. Und wir wissen, dass hoher Blutdruck einer der Hauptfaktoren für Herzerkrankungen und Schlaganfall ist“, sagte Professor Paul Elliott vom Imperial College in London.

Ärzte fordern Politik zum Handeln auf

Die Forscher betonen ausdrücklich, dass auch ihre Ergebnisse noch kein abschließendes Urteil erlauben, weil sie den direkten Zusammenhang zwischen Lärm und einer konkreten Erkrankung nicht nachweisen können. Dafür seien weitere, umfangreiche Studien notwendig.

Dennoch ist in der medizinischen Fachwelt unstrittig, dass Fluglärm gerade in der Nacht reduziert werden muss. Denn ein Zusammenhang ist klar: Lärm stört den Schlaf – und schlechter Schlaf fördert Krankheiten. Deshalb hat auch der Deutsche Ärztetag im vergangenen Jahr eine Resolution verabschiedet, in der er die Politik eindringlich zum Handeln auffordert.

Deren Ton ist deutlich: „Es werden vermeidbare Gesundheitsstörungen und Krankheiten ausgelöst. Durch die falsche Definition von Grenzwerten werden kausale Auslöser negiert und damit letztlich die Verantwortlichkeiten für die Schädigungen verdeckt. Es ist nicht hinnehmbar, wirtschaftliche Interessen wider besseres Wissen flächendeckend zu Lasten der Gesundheit und der Lebensqualität der Bevölkerung durchzusetzen.“

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