Medizintechnik 15.11.2002, 18:22 Uhr

Elastische Netzmanschette unterstützt krankes Herz

eine elastische Herzmanschette. Dahinter steckt auch die unermüdliche Arbeit verschiedener Ingenieure.

Peter Feindt kann sich glücklich schätzen – und fast jeder seiner Patienten erst recht. Der 43-jährige Facharzt aus der „Abteilung für Thorax- und Kardiovaskulare Chirurgie” an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gehört zu den wenigen Preisträgern des „Innovationswettbewerbs Medizintechnik“. „In diesem Wettbewerb gibt das BMBF ausgewählten innovativen und originellen Forschungsansätzen der Medizintechnik mit hohem Entwicklungsrisiko eine Chance zur Verwirklichung”, heißt es beim Ausschreibenden, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung. Als entscheidendes Kriterium gilt ein Schlüsselexperiment, das die Machbarkeit einer neuen Technik nachweist und schließlich in die industrielle Produktion mündet.
Feindt ist dem Ziel nahe gekommen und steht kurz vor der klinischen Erprobung seiner Erfindung. Den Anstoß gab eine Notfallsituation: „Irgendwann im Nachtdienst kam mir die Idee. Warum kann man nicht wie bei einer Reanimation ein krankes Herz durch Kompression retten?”, erläutert der Arzt rückblickend. Er geht dieser Frage fortan zusammen mit seinem Klinikdirektor Prof. Dr. Emmeran Gams nach.
Vom Schlachthof besorgt sich der junge Arzt frische Schweineherzen. Sie sind dem menschlichen Herzen ähnlich und werden von Feindt zunächst in einen künstlichen Kreislauf gebracht. Dann experimentiert er mit mehreren Kissen, über die das Herz abgestützt wird und ersatzweise die Pumpfunktion läuft.
„Die Pumpkissen funktionierten im Tierversuch, rutschten allerdings immer wieder ab,” erzählt Feindt. Damit war er aber immerhin schon einen Schritt weiter als jene amerikanischen Mediziner, die sich an einem silikonartigen Sack versuchten. Aber auch Feindt muss die Kissen „irgendwie am Herzen fixieren, ohne Druck auf bestimmte Herzareale auszuüben und sie zu schädigen.” Nach zahlreichen Experimenten hält er nun eine Netzmanschette in der Hand. In dem Netz sind zwei pneumatische Kissen für die Vorder- und Hinterwand der linken Herzkammer eingearbeitet. Sie übernehmen die Pumpfunktion und werden von außen über einen PC gesteuert. Die Pumpkissen drücken kurzzeitig auf die Herzkammer, so dass sich der Muskel zusammenzieht.
„Die Kontarktion tritt aber auch schon alleine durch das Netz auf. Es hält das Herz so zusammen, dass es sich nicht zu stark ausdehnen kann und dadurch wieder Spannung bekommt”, resümiert Feindt. Bis zu dieser Erkenntnis und dem kompletten Projekt war es jedoch ein weiter Weg mit vielen Materialproben, Experimenten und Gesprächssitzungen. Mit der BMBF-Förderung im Rücken kann der Initiator sein Projekt endlich auf breite Füße stellen. Er konsultiert nun Experten aus anderen naturwissenschaftlichen Fachgebieten. Zuerst das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik in St. Ingbert, das der saarländischen Universität in Saarbrücken angegliedert ist. Dann der Lehrstuhl für Textilchemie und Makromolekulare Chemie der RWTH Aachen sowie die in der Aachener Region angesiedelten Firmen Medos Medizintechnik AG und FEG Textiltechnik Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft.
Gemeinsam gehen die Wissenschaftler ans Werk. „Ein derartiges Netz, das einerseits elastisch, andererseits starr war, existierte noch nicht. Diese Fähigkeit hing vom Faden und von der Webart ab”, erläutert Feindt. Lohn der Mühe ist ein spezieller Faden aus Polyprophylen und einem teflonbeschichteten Material, das nicht mit dem Gewebe verwächst.
Die Realisation von Feindts Idee wurde allerdings erst durch die Zusammenarbeit mit Ingenieuren und Technikern möglich. „Das BMBF regelt schließlich die Beteiligung der einzelnen Kooperationspartner an den Patenten”, berichtet Feindt.
Nun komme für ihn die Hauptarbeit. In den ersten klinischen Versuchen testet er, ob seine elastische Manschette nicht nur bei Schweineherzen funktioniert. „Ich muss die Indikation stellen, für welche Patienten sie geeignet ist”, sagt Feindt. Der Arzt ist froh, wenn sein Produkt das CE-Zeichen erhält und zur Anwendung kommt: „Dann habe ich wenigstens was an der Hand, mit dem ich den Patienten helfen und die Wartezeiten stark verkürzen kann.”
ARND WESTERDORF

  • Arnd Westerdorf

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