Studium 12.11.2010, 19:50 Uhr

„Die Wirtschaft hat das Curriculum mitgestaltet“

Mit Partnern aus der ansässigen Wirtschaft hat die Hochschule Furtwangen einen neuen Campus am Standort Tuttlingen gegründet. Hier soll der Medizintechnik-Nachwuchs ausgebildet werden, den die Region – und nicht nur die – so dringend braucht. Dabei setzt die Hochschule auf eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis, und zwar ab dem ersten Semester.

Künstliche Hüftgelenke, Implantate, Titanplatten, Endoskope – die moderne Medizin ist ohne hochentwickelte Instrumente für Operationen und Ersatzteile für den menschlichen Körper nicht mehr vorstellbar. Die Forschung und Entwicklung arbeitet rasant. Kaum ein Produkt wird älter als drei Jahre – spätestens dann wird es durch ein Nachfolgemodell ersetzt. Viele dieser Produkte entstehen in einem beschaulichen Städtchen im Schwabenland: Tuttlingen gilt als das deutsche Mekka der Medizintechnik. Firmen wie Karl Storz, Medicon oder SKF haben in der Region ihren Sitz.

So ist es naheliegend, auch den Medizintechniker-Nachwuchs hier nicht nur im Lehrberuf, sondern auch akademisch auszubilden. „Und zwar mit so viel Praxisbezug wie möglich“, sagt Peter Anders, Studiendekan des Fachbereichs Industrial Technologies der Hochschule Furtwangen. Dafür wurde eigens mit Partnern aus der ansässigen Wirtschaft der neue Campus am Standort Tuttlingen gegründet – als Public-Private-Partnership (PPP). Neben dem Land Baden-Württemberg investieren auch rund 100 regionale Unternehmen jedes Jahr insgesamt 2,5 Mio. € in die drei Bachelor-Studiengänge Industrial MedTec (Medizintechnik), Industrial Systems Design und Industrial Manufacturing, die im Herbst 2009 starteten. Weitere sollen hinzukommen.

Ein Drittel der Förderfirmen gehört zum Bereich Medizintechnik, und etwa die Hälfte der derzeit rund 230 Studierenden in Tuttlingen ist für den siebensemestrigen Bachelor Industrial MedTec eingeschrieben. Peter Anders, der auch stellvertretender Gründungsbeauftragter des Standortes ist, erläutert das Besondere am Campus Tuttlingen: „Die Wirtschaft hat von Anfang an mit am Tisch gesessen und das Curriculum mitgestaltet – nach den Fachkräftebedürfnissen in der Region.“ Für die Studierenden macht sich der daraus folgende Praxisbezug schon im ersten Semester bemerkbar: Auf dem Stundenplan stehen, neben den üblichen Grundlagenfächern wie Mathematik, Physik, Elektrotechnik, Informatik und Werkstofftechnik, auch bereits sieben bis acht Exkursionen in die beteiligten Unternehmen.

„Die regionale Wirtschaft wollte bereits seit 20 Jahren so einen Campus haben“, sagt Katharina Buß, die Koordinatorin für Lehre und Labore in Tuttlingen. „Wir brauchen dringend gut ausgebildeten Ingenieurnachwuchs, sonst wandern wir ab, hieß es seitens der Unternehmen.“

Das wirkte. Beide Seiten haben etwas von der PPP-Ehe: Die Firmen bekommen ihren Ingenieurnachwuchs maßgeschneidert. Die Studierenden erleben durch die große Praxisnähe medizintechnische Forschung, Marketing und Vertrieb hautnah. Die Unternehmen stellen Endoskope oder künstliche Kniegelenke für den Unterricht zur Verfügung. Außerdem gibt es Überlegungen der Firmen, die Räume und Maschinen in ihren Trainingszentren, die tagsüber von Lehrlingen genutzt werden, nach Feierabend der Hochschule zur Verfügung zu stellen.

„Viele Studierenden werden am Ende des Studiums sicherlich bereits ihren künftigen Arbeitsplatz in der Tasche haben, wenn sie im Praktikum einen guten Eindruck hinterlassen“, glaubt Katharina Buß. Und Peter Anders ergänzt: „Der Vorteil gegenüber einer dualen Ausbildung an einer Berufsakademie ist, dass sich die Studierenden während des Bachelorstudiums nicht an nur ein Unternehmen binden müssen. Sie lernen unverbindlich viele verschiedene kennen.“

Das reizte auch Sabrina Grünwald. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung als Chirurgiemechanikerin bringt die 24-Jährige bereits gute Voraussetzungen mit. Sie wusste vorher, was sie fachlich erwartet, und ging mit recht klaren Vorstellungen ins Studium: „Ich sehe mich weniger als Technikerin und Entwicklerin, sondern möchte später im Bereich Produktmanagement arbeiten. Dabei helfen mir im Studium die nicht-technischen Fächer wie Industriebetriebslehre. Und natürlich die Kontakte zu den Firmen.“

Zudem möchte Grünwald die Gelegenheit nutzen, während des Praxissemesters ins Ausland zu gehen. Da viele der in Tuttlingen ansässigen Medizintechnik-Unternehmen Niederlassungen in verschiedenen Teilen der Welt haben, rechnet sie sich gute Chancen aus.

Auch für ihren Kommilitonen Michael D’Agosto ist das Studium eine Chance, neue berufliche Wege einzuschlagen und dabei Erfahrungen aus seinem bisherigen Job zu nutzen. Ähnlich wie Sabrina Grünwald möchte er sich gerne auf Produktmanagement spezialisieren. Der 37-Jährige, der sich scherzhaft als „Jahrgangsoldie“ bezeichnet, ist eigentlich Gynäkologe. „Doch nach einigen Jahren im Job wurde mir klar, dass mich an der Arbeit im Krankenhaus mehr als alles andere die technische Seite interessiert – z. B. die Endoskope, die bei der minimalinvasiven Chirurgie zum Einsatz kommen.“ Von dem Studiengang erfuhr D’Agosto auf einer Berufsbildungsmesse und ist nun, mittlerweile im dritten Semester, begeistert: „Von der ersten Vorlesung an habe ich gewusst: Das ist es.“ MAREIKE KNOKE

Weitere Infos zum Bachelorstudiengang Industrial MedTech: www.hfu-campus-tuttlingen.de/studiengaenge/industrial-medtec/

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