Ernährung 21.04.2000, 17:25 Uhr

Diät 2000 – für immer schlank?

Die ersten Sonnenstrahlen locken ins Freie, der nächste Urlaub am Strand wird bereits geplant. Da machen sich plötzlich die Sünden des letzten Winters in Form unübersehbarer Speckröllchen bemerkbar. Eine Blitzdiät muss her. Doch allzu selten ist die auch von Erfolg gekrönt.

Die Statistik ist unmissverständlich: Jeder zweite Deutsche ist zu dick, so die erschütternden Zahlen von der ersten gesamtdeutschen Gesundheitserhebung, die das Robert-Koch-Institut in Berlin vorgelegt hat. Immerhin rund 20 % sind sogar stark übergewichtig oder adipös, wie die Mediziner sagen. „Adipositas ist eine chronische Krankheit, die langfristig therapiert werden muss“, fordert Prof. Volker Pudel, Ernährungswissenschaftler der Universität Gießen. Darum kann auch eine Blitzdiät, wie sie Lifestyle-Magazine häufig anbieten, auch nicht viel helfen. Auf ein verändertes Essverhalten kommt es an.
Doch die Modemagazin-Medaille hat auch eine traurige Kehrseite: Immer mehr Menschen hungern sich beinahe zu Tode. War Magersucht einst eine Domäne von Teenagern und Skispringern, treibt sie heute immer mehr Erwachsene in einen wahren Teufelskreis zwischen Küche und Klo. Die britische Regierung hat superdünnen Models deshalb jetzt den Kampf angesagt. Sie sollen, so Tony Blairs Wunsch, bald nicht mehr auf den Titelseiten der Modehefte zu finden sein. Dem Premierminister schwebt vor, per Gesetz nur noch gesund aussehende Models auf dem Laufsteg zuzulassen.
Selbstverständlich ist längst nicht jeder gleich gefährdet, an Magersucht oder Bulimie zu erkranken, nur weil er abnehmen möchte. Wer bloß ein paar Pfund zu viel auf den Hüften hat, kann sogar eine Heilfastenkur planen. „Doch ohne eine gute mineralstoffmäßige Vorbereitung des Körpers geht das nicht“, warnen die Ernährunsgexperten Thomas Feichtlinger und Susana Niedan.
Fasten ist nämlich mit die radikalste Art, Gewicht zu verlieren, und sollte nur unter ärztlicher Kontrolle stattfinden. Es ist eine Art Saftkur, bei der auf jede feste Nahrung verzichtet wird. Wer schnell ein paar Kilo loswerden will, der kommt so schnell zum Erfolg. Doch Vorsicht: Ohne eine prinzipielle Änderung der Ernährungsgewohnheiten sind die Pölsterchen schnell wieder da.
In diesem Sinne machen viele Diäten eher dick als dünn. Dieser Jojo-Effekt droht bei praktisch allen Schnellschuß-Kuren. Dazu gehört alle einseitigen Diäten wie das 7-Tage-Körner-Programm oder Formula-Diäten, bei denen es täglich Pulver-Drinks in diversen Geschmacksrichtungen gibt.
Viel sinnvoller sind Diäten, die gleichzeitig einen besseren Umgang mit den Lebensmitteln lehren. Das kann übrigens auch eine Reduktionskur aus Zeitschriften wie Brigitte oder Freundin erreichen. Denn von diesen „1200-kcal-Diäten“ kann man sich monatelang ohne Mangelerscheinungen ernähren – und sie erklären die Grundzüge einer ausgewogenen Mischkost. Doch das Umlernen ist sehr mühsam. „Das Essverhalten der Menschen ist extrem stabil“ , weiß auch Prof. Pudel. Deshalb empfiehlt er bei einer Diät vor allem die Kontrolle des Fettverzehrs und nicht der Kohlenhydrate.
„Wer sich gesund ernähren will, sollte dies im Einklang mit dem eigenen Körperbefinden tun“, meint die Lebensmittelchemikerin und Heilpraktikerin Beate Schnorrenberger. Mit dem Entfernen von den Gesetzmäßigkeiten der Natur habe der Mensch das Gespür für die richtige Nahrung verloren. In ihrem Buch „Abnehmen mit den 5 Elementen“ (Trias Verlag) zeigt sie, wie man sich wieder näher kommt. “ Frühlingsgemüse wie Spargel oder Löwenzahn kurbeln die Funktion von Leber und Galle an und bieten sich für eine Frühjahrskur besonders an“, so Schnorrenberger.
Ihr Ernährungsplan mit Fruchtmüsli zum Frühstück, Ingwerlinsen und Cocoscreme zum Mittagessen und Sauerkraut-Kürbis-Suppe abends ist sicher etwas gewöhnungsbedürftig. Er kommt übrigens den Grundzügen des Ayurveda recht nahe. Diese alte indische Heilslehre berücksichtigt die persönliche Konstitution eines jeden Menschen. „Nicht jeder verträgt alle Lebensmittel und Gewürze gleich gut.“ Die richtige Produktauswahl zu finden ist anfangs nicht leicht, doch wer Ayurveda einmal für sich entdeckt hat, der wird nicht mehr drauf verzichten wollen.
„Ist man aber eigentlich schlank und hat nur ein kleines Bäuchlein, dann hilft keine Hungerkur“, meint die Medizinierin Ulrike Novotny. Sie rät vielmehr zum „Ein-Sekunden-Bauchweg-Programm“. „Wo immer sie sind, spannen Sie die Gesäßmuskulatur an! Das stärkt die Bauchmuskeln und festigt das Gewebe“, so Novotny. B. RECKTER
Superdünne Models wie Kate Moss will Tony Blair aus den Mode-Magazinen verbannen.
Der schwerste Teil der Übung: Das neue Gewicht dauerhaft zu halten, ist meist viel schwieriger als die eigentliche Diät.

Ein Beitrag von:

  • Bettina Reckter

    Bettina-Reckter

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Forschung, Biotechnologie, Chemie/Verfahrenstechnik, Lebensmitteltechnologie, Medizintechnik, Umwelt, Reportagen

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