Schutz vor Ansteckungen 26.09.2014, 12:07 Uhr

Cremes sollen Impfungen in Entwicklungsländern ersetzen

Eine Creme deutscher Wissenschaftler bringt Impfstoffe mit Nanopartikeln direkt unter die Haut. In Entwicklungsländern könnte das Leben retten: Denn in vielen Krankenhäusern, aktuell auch in der Ebola-Krise, arbeitet schlecht geschultes Personal mit verkeimten Spritzen und verbreitet ansteckende Krankheiten.

Nanopartikel sind Zwerge, also winzig kleine Partikel. Deshalb können sie zum Beispiel über die Haut in den Körper eindringen. Diese Eigenschaft haben Forscher des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) jetzt dazu genutzt, eine Art Impfcreme zu entwickeln.

Nanopartikel dienen als Fähre in den Körper

Die Forscher haben einen Weg gefunden, Impfstoffe über die Verankerung der Haare in der Haut, das sind die sogenannten Haarfollikel, auf die Reise ins Immunsystem zu schicken. Die Nanopartikel nutzen die Forscher dabei nur als Verpackung und als Fähre für die Impfstoffe. Als Creme aufgetragen lagern sich die Nanopartikel in Hautfältchen und in den Haarfollikeln ab. Von dort gelangen sie wegen ihrer Winzigkeit durch die Haut, ohne dass diese dabei verletzt wird.

Die Follikel sind nicht vollständig von Hornhaut umgeben. Daher bilden sie keine Barriere gegen die Zwerge aus, diese haben somit freie Bahn. Ihre Ergebnisse haben die Forscher jetzt in der Fachzeitschrift Nanomedicine veröffentlicht.

Solche Impfcremes wären deutlich günstiger in der Herstellung und es wäre kein geschultes Personal notwendig, um diese Cremes effektiv einzusetzen. Die Menschen können sich vielleicht in Zukunft einfach mit einer Hautcreme selber impfen. Angesichts der täglichen Horrorbilder aus den Ebola-Gebieten in Westafrika wäre eine solche Creme ein absoluter Fortschritt. Gerade auch deshalb, weil es dort an allem mangelt, was mit Medizin zu tun hat. „Schon seit längeren sind Wissenschaftler am HPSI und HZI daher auf der Suche nach einer Alternative zur Nadel“, sagt Prof. Claus-Michael Lehr, Leiter der Abteilung Wirkstoff-Transport am HIPS.

Zusatzstoffe verstärken die Immunantwort

Alleine über die Nanopartikel kommt allerdings nicht genügend Impfstoff in den Körper, um dort die wichtige Immunantwort zu erzeugen. „Das ist über die Nanopartikel nicht möglich“, sagt Prof. Carlos Alberto Guzman, Leiter der Abteilung Vakzinologie und angewandte Mikrobiologie am HZI. „Wir lösen dieses Problem allerdings, indem wir neben dem Wirkstoff auch entsprechende am HZI entwickelte Adjuvantien mit den Nanotransportern verabreichen. Durch diese Zusatzstoffe wird die Immunantwort im Körper verstärkt.“ So schaffen die Forscher es, eine entsprechende Reaktion im Körper auszulesen, obwohl die Menge an Antigenen eigentlich nicht ausreichend dafür war.

Von Detlef Stoller Tags:

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