Darum verlassen BioNTech-Gründer das Unternehmen
Die BioNTech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci verlassen das Unternehmen, das sie während der Corona-Pandemie weltbekannt machte, und gründen ein neues mRNA-Biotechnologie-Unternehmen.
Neuer Aufbruch für die mRNA-Pioniere – Sahin und Türeci verlassen BioNTech.
Foto: picture alliance/dpa | Arne Dedert
Die Gründer des Mainzer Biotech-Unternehmens BioNTech wollen BioNTech verlassen und ein neues Biotech-Projekt starten. Spätestens Ende 2026 endet ihre operative Rolle, dann laufen ihre aktuellen Verträge aus, wie das Unternehmen aus Mainz mitteilte.
Geplant ist die Gründung einer neuen Firma, die sich auf Medikamente auf Basis der mRNA-Technologie konzentriert – genau auf jenes Forschungsfeld, das Sahin und Türeci berühmt gemacht hat.
Neues mRNA-Unternehmen: Ziele, Rechte und Übergang
„Das neue Unternehmen soll über entsprechende Ressourcen, Geschäftstätigkeiten und Finanzierungsoptionen verfügen, um mRNA-Innovationen der nächsten Generation zu entwickeln. BioNTech plant, entsprechende Rechte und mRNA-Technologien in das neue Unternehmen einzubringen, um eine priorisierte Entwicklung von mRNA-Innovationen der nächsten Generation mit disruptivem Potenzial zu ermöglichen und zu unterstützen“, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens.
Der Aufsichtsrat von BioNTech hat bereits mit der Suche nach geeigneten Nachfolgerinnen und Nachfolgern begonnen, um einen reibungslosen Übergang und die Umsetzung der Unternehmensstrategie zu sichern. Vollständig trennen werden sich die Gründer jedoch nicht: Als Aktionäre bleiben sie beteiligt und halten derzeit rund 15 Prozent der Anteile.
Der Schritt erfolgt in einer Phase, in der BioNTech wirtschaftlich unter Druck steht: Für 2025 meldete das Unternehmen einen Verlust in Milliardenhöhe.
„In den vergangenen 18 Jahren haben wir BioNTech von einem Start-up zu einem globalen biopharmazeutischen Unternehmen mit einer starken und diversifizierten Pipeline aufgebaut. Während der COVID-19-Pandemie haben wir unser Engagement über die Onkologie hinaus erweitert und den ersten zugelassenen mRNA-Impfstoff entwickelt, der zum Schutz von Menschen weltweit beigetragen hat“, sagte Prof. Dr. Ugur Sahin, CEO und Mitgründer von BioNTech.
Heute sei das Unternehmen sehr gut aufgestellt, seine Mission weiter voranzutreiben und sich zu einem kommerziellen Biopharma-Unternehmen mit mehreren zugelassenen Produkten zu etablieren. „Für uns ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Übergabe des Staffelstabs vorzubereiten“, erklärte Sahin.
Aufsichtsratschef Jeggle lobt Gründer und betont strategische Chancen
Helmut Jeggle, Vorsitzender des Aufsichtsrats von BioNTech, sagte: „Ugur und Özlem haben im Laufe ihrer Karriere immer wieder ihre außergewöhnliche Innovationskraft unter Beweis gestellt. Während BioNTech mehrere Produktkandidaten in der späten klinischen Phase in Richtung Kommerzialisierung vorantreibt, unterstützen wir ihre Entscheidung, die Chance zu ergreifen, ihre Stärken und volle Aufmerksamkeit einem neuen Unternehmen zu widmen, um das volle Potenzial von mRNA-basierten Technologien auszuschöpfen.“
Zugleich betonte er, dass dieser Plan sowohl für BioNTech als auch für das neue Unternehmen großen Mehrwert schaffen könne. Beide Organisationen hätten so die Chance, weiterhin wichtige Beiträge für Patientinnen und Patienten zu leisten. Außerdem freue man sich auf mögliche Kooperationen, etwa bei Kombinationstherapien.
Technologie-Transfer und Kooperationen
BioNTech plant, bestimmte Rechte und mRNA-Technologien in das neue Unternehmen zu übertragen. Im Gegenzug erhält BioNTech eine Minderheitsbeteiligung sowie Lizenzgebühren. Zudem sind Meilensteinzahlungen vorgesehen, die bei Erreichen festgelegter Entwicklungsschritte fällig werden. Eine verbindliche Vereinbarung wird bis Ende des ersten Halbjahres 2026 erwartet.
Historie und Erfolge der Gründer
Sahin und Türeci hatten BioNTech 2008 gegründet, ursprünglich für mRNA-basierte Krebstherapien. Während der Corona-Pandemie verlagerte das Unternehmen alle Ressourcen auf die Entwicklung des Covid-19-Impfstoffs – mit Erfolg. Zusammen mit dem US-Partner Pfizer erhielt BioNTech als erstes Unternehmen die Zulassung für einen mRNA-Covid-19-Impfstoff.
Nach dem Impfstoff-Erfolg erzielte BioNTech Milliardenumsätze. Die Gründer wurden vielfach ausgezeichnet: 2021 erhielten sie das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, 2022 folgte der Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis gemeinsam mit Katalin Karikó
Fokus auf Krebsmedikamente
Heute konzentriert sich BioNTech wieder verstärkt auf mRNA-Therapien gegen Krebs und andere Krankheiten. Der Corona-Impfstoff bleibt das einzige regelmäßig weiterentwickelte Produkt. Mehrere späte klinische Studien in der Onkologie sollen bis 2030 zu Zulassungsanträgen führen.
Die Forschung ist kostenintensiv: 2025 meldete BioNTech einen Nettoverlust von 1,12 Milliarden Euro, der Umsatz stieg leicht auf 2,87 Milliarden Euro. Für 2026 werden Erlöse zwischen 2,0 und 2,3 Milliarden Euro erwartet, die geplante F&E-Kosten von 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro weitgehend decken sollen.
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