Medien 28.01.2000, 17:24 Uhr

„Zwei Einäugige machen noch keinen Weitsichtigen“

Drücken die Großen im Musikgeschäft die Kleinen an die Wand? Fragen an Guido Randzio, Hamburger Musikunternehmer und Multimedia-Dienstleister (Euroralph/Viergleicheins).

VDI nachrichten: Herr Randzio, Warner Music und EMI schließen sich zusammen. Wird so lange fusioniert, bis nur noch einer übrig ist?
Randzio: Natürlich nicht. EMI war reif für eine Übernahme. Aus eigener Kraft konnte das Unternehmen offensichtlich nicht seine verstaubte Kultur abstreifen. Kreativ stärkere und innovativere Unternehmen werden überleben.
VDI nachrichten: Was bedeutet die Fusion für die musikalische Entwicklung?
Randzio: Die musikalische Entwicklung wird nicht für Unternehmen, sondern für Menschen gestaltet. Musiker, Produzenten und alle am kreativen Prozess Beteiligten sind Menschen, die gestalten wollen. Die Unternehmen vermarkten nur. Einige besser, andere schlechter.
VDI nachrichten: Wie wirkt sich die Unternehmenskonzentration auf die kleinen Musikfirmen aus?
Randzio: Die Verbraucher geben seit Jahren weniger Geld für Musik, also Konzerte, CDs etc. aus. Das ist das Problem der großen und der kleinen Firmen. Eine große Firma hat aber andere Möglichkeiten dem zu begegnen. Ein Ein-Mann-Label hat beispielsweise kein Personal, das sich einsparen ließe. Der ambitionierte Musikliebhaber braucht aber auch ambitionierte Ware. Musikalische Perlen in angemessener Verpackung werden immer ihren Markt finden. Und diese Ware wird oft von kleinen unabhängigen Firmen geliefert. Ich bin also optimistisch.
VDI nachrichten: Werden die kleinen Musikfirmen in Zukunft beim ersten Zeichen von Erfolg von den Riesen gekauft?
Randzio: Man wird nicht gekauft. Man verkauft sich. Wir haben das mal durchgespielt, und es machte keinen Sinn. Also haben wir es gelassen. Das wird anderen ähnlich gehen.
VDI nachrichten: Die Konzerne erwarten ja von ihren Schützlingen Präsenz: Video, Live-Auftritte, Talkshow und jetzt sollen sie auch noch Internetplaudertaschen werden und möglicherweise einen Multimedia Datentrack draufspielen? Wollen das die Musiker?
Randzio: Musiker wollen Musik machen. Popstars sind aber oft gar keine Musiker, sondern Vermarkter ihrer Persönlichkeiten, oder dessen, was sie dafür halten. Die werden kein Problem mit Chats und Datentracks haben. Und einige, wahrscheinlich die Next Generation, werden sicher sehr kreativ damit umgehen. Da bin ich dann gespannt drauf.
VDI nachrichten: Welchen Wert messen Sie dem Geschäft zwischen Time Warner und AOL bei?
Randzio: Zwei Einäugige machen noch keinen Weitsichtigen.
VDI nachrichten: Wie verändert sich das Geschäft durch MP3 und andere Internetstandards?
Randzio: Wir haben noch nicht kapiert, wie wir damit Geld verdienen sollen. Bis wir dahinter kommen, macht unsere Firma verstärkt Vinylauflagen für Sammler.
VDI nachrichten: Die Konzerne wollen gegen MP3 klagen. Haben die eine Chance?
Randzio: Eine Superchance, sich zu blamieren. Man kann doch keine Technologie verklagen. Das wäre ja grad so, als ob die Seifenhersteller die Hygiene verklagen würden. Kopiert wird solange es Urheberrechte gibt. Die Majors wären gut beraten, mehr Liebe in ihre Produktionen und Formate zu stecken und mehr Kraft in den Aufbau interessanter Künstler. THOMAS FEIBEL/ps

Ein Beitrag von:

  • Peter Schwarz

    Ressortleiter Wirtschaft bei VDI nachrichten. Fachthemen: Wirtschaftspolitik, Konjunktur, Unternehmen.

  • Thomas Feibel

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