Design 05.01.2001, 17:27 Uhr

“… viele werden zu einem minimalistischen Stil zurückkehren”

Mario Garcia, der Designer, der weltweit für mehr als 400 Print-Medien einen neuen optischen Auftritt entwarf, zeichnet auch für das neue Layout der VDI nachrichten verantwortlich.

VDI nachrichten: Wie wird sich das Leseverhalten der Zeitungsleser verändern?
Garcia: Der Faktor, der meiner Meinung nach das Leseverhalten am meisten beeinflusst, ist Zeit. Ich kann mir vorstellen, dass sich dies bei den Lesern der VDI nachrichten – vielbeschäftigte Spitzenkräfte – noch gravierender auswirkt als bei anderen Printtiteln. Diese Leser müssen noch alle möglichen Arten von anderen Informationen lesen, um ihre Karriere voranzutreiben.
Das Internet beeinflusst die Leser dahingehend, dass sie genauer werden, bessere Organisation und Hinweise auf den Inhalt erwarten.
VDI nachrichten: Sie habenfür mehr als 400 Zeitungen ein neues Design entworfen. Wie beugen Sie dem Risiko vor, dass all diese Zeitungen gleich aussehen?
Garcia: Ich fange immer mit einer blanken Seite in meinem Kopf an. Auch analysiere ich den Markt, auf den die Zeitung abzielt, und die Kultur der Region, wo sie veröffentlicht wird.
Eine Zeitung wie die VDI nachrichten, mit einem großen Anteil Ingenieuren in der Leserschaft, ist sehr verschieden von den Zeitungen, die man in der Mainstream-Tagespresse findet. Sie hat eine intellektuellere und spezialisiertere Leserschaft. Für mich war dies ein wichtiger Punkt, der berücksichtigt werden musste.
VDI nachrichten: Wie passen Sie das Layout den Erwartungen der anvisierten Zielgruppe an?
Garcia: Zuerst behandle ich die Fragen Stil und Struktur (Textur). Gehören jüngere Leser zur Zielgruppe, muss normalerweise mit mehr Farbe und größeren Graphiken gearbeitet werden.
VDI nachrichten: Nehmen Ingenieure Informationen anders auf als Händler, Internet-Kids anders als Manager?
Garcia: Ingenieure sind wahrscheinlich ungeduldiger, haben weniger Zeit und wollen mehr direkte Informationen.
VDI nachrichten: Wie hat folglich das Design einer Zeitung für technisch orientierte Leser auszusehen?
Garcia: Gestalte sie einfach, übersichtlich, minimalistisch, sauber und einfach zu lesen.
VDI nachrichten: Profitiert der Leser davon, wenn eine Zeitung mit Vierfarbdruck arbeitet anstatt schwarz-weiß?
Garcia: Farbe wird definitiv bei den meisten Lesern in allen Altersstufen bevorzugt. Ich würde eine schwarz-weiße Zeitung zu dieser Zeit nicht in Betracht ziehen.
VDI nachrichten: Glauben Sie, dass es von Land zu Land verschiedene Einstellungen zum Zeitunglesen gibt?
Garcia: Nicht wirklich. Lesen ist Lesen. Information ist Information.
Es ist aber ist kein Geheimnis, dass in einigen Ländern, zum Beispiel in den Niederlanden und Schweden, die Bewohner mehr Zeitungen lesen als in anderen Ländern.
Auch bei der Art der bevorzugten Artikel gibt es Unterschiede: Lateinamerikaner lesen gern Literatur und längere Texte in der Zeitung, während die US-Amerikaner kurze Beiträge und große Fotos lieben. Das bedeutet nicht, dass eine Gruppe intelligenter ist als die andere, es bedeutet aber, dass das Zeitungslesen zum Teil ein kulturelles Phänomen ist.
VDI nachrichten: Wie macht sich das Design deutscher Zeitungen in internationalen Vergleich?
Garcia: Gut, die deutschen Zeitungen machen sich sehr gut. Gemäß der Society of News Design sind die beiden im Ajhr 2000 am besten „designten” Zeitungen der Welt „Die Zeit” und „Die Woche”. ________________________________
VDI nachrichten: Betrachtet man das Angebot der Zeitungskioske in den größeren Städten dieser Welt, fallen aber doch Unterschiede auf?
Garcia: Meine Beobachtungen, nicht nur als eifriger Zeitungsleser, sondern auch als Fachmann, der mit Zeitungen in 47 Ländern auf allen Kontinenten – allen außer Australien – gearbeitet hat:

Großbritannien: Hier finden wir wahrscheinlich das, was die sogenannte Boulevard-Presse ausmacht, repräsentiert durch Vertreter wie „The Sun” und „The Daily Mail”. Aber auch die klassischen „alten Damen” „The Times” und „The Scotsman” – letztere mit sehr schönem Design- ,sind hier neben zeitgenössischen Beispielen wie „The Independent ” und „The Gardian” (beide ein wenig rechts einzuordnen) zu betrachten. – Skandinavien: Man findet in hier wahrhaft wunderbare Beispiele. Zum größten Teil respektieren die skandinavischen Zeitungs-Designer Typographie und weiße Fläche (natürlich mit Ausnahme der Boulevard-Presse!). Die Farb-Reproduktion ist fantastisch, zusammen mit dem Gebrauch von großen Bebilderungen. Skandinavische Querformat-Zeitungen sind meiner Meinung nach Beispiele von täglich herausgegebenen Kunstausstellungskatalogen. Von Norwegen bis Dänemark, und besonders in Schweden, sind diese Zeitungen einer eingehende Betrachtung wert. Man könnte ihre Machart gut mit dem Begriff „künstlerische Präzision” beschreiben. – Spanien: Diese Zeitungen sind ohne Zweifel unter den am besten „designten” Zeitungen der Welt anzusiedeln. Egal wo man auf der Halbinsel wohnt, es ist immer eine gut konzipierte Zeitung in der Nähe. Die frische Luft, die nach der Franco-Ära nach Spanien kam, manifestiert sich in der Entwicklung von Zeitungen, die dem Rest der Welt ein Vorbild sind, nicht nur in visueller, sondern auch in editorischer Hinsicht. – Frankreich: Ich bin immer überrascht, wie arm das Design der meisten französischen Zeitungen ist, mit einigen wenigen Ausnahmen wie „Le Monde” aus Paris oder „Midi Libre” aus Montpellier. Überrascht deshalb, weil in diesem Land sonst überall größten Wert auf Design gelegt wird – bei Magazinen, in der Mode, bei der Wohnungseinrichtung, etc. Nur nicht bei den Zeitungen. Aber es ist niemals zu spät. – Italien: Die italienische Zeitung ist nicht notwendigerweise die attraktivste, „La Stampa” ist vielleicht die beste Vertreterin, aber sie sind schwer „koffeinhaltig”, mit vielen Überschriften – starke und große Aufmacher, die die Aufmerksamkeit auf die einzelnen Themen lenken. Eine italienische Zeitung lebt durch jede Story und Überschrift. – Griechenland: Die griechischen Zeitungen sind attraktiv, in mancher Beziehung chaotisch und haben tolle Cartoons, einige sogar auf der Titelseite. – Türkei: Die türkischen Zeitungen sind die buntesten Vögel auf dem Kontinent! – Lateinamerika: Wenn man die lateinamerikanischen Zeitungen mit einem Wort beschreiben müsste, es wäre kreativ. Nicht nur in ihrem Inhalt, bei dem die Verwendung von Literatur zur Routine geworden ist, sondern auch bei dem Gebrauch von Illustrationen und Farbe dominiert die Kreativität. Und es ist keine Überraschung, so viele lateinamerikanische Zeitungen unter den Top-Gewinnern bei internationalen Design-Wettbewerben zu sehen, besonders bei der Society of News Design.
Die Länder mit den besten täglich erscheinenden Zeitungen (in Bezug auf Design) sind: Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Mexiko und die Dominikanische Republik. – Nordamerika: Ähnlichkeit ist hier das auffälligste Merkmal. Obwohl Länder wie die USA und Kanada weit und ausgedehnt sind und es in den verschiedenen Teilen große kulturelle und regionale Unterschiede gibt, tendieren die Zeitungen, mit wenigen Ausnahmen dazu, einander zu imitieren.
Aber einige der am besten „designten” Zeitungen können hier gefunden werden, einschließlich „The New York Times” und der „National Post” (Toronto).
Die US-amerikanische Zeitung ist unübertroffen in der Verwendung von Photographie. Die kanadische Zeitung zeichnet sich durch ihre hervorragende Typographie aus.

_________________________________ RUDOLF SCHULZE

Das Ende der Grauzeit

Die ganze Zeitung vierfarbig gedruckt und ein neuer Zeitungsteil – NET@WORK. Diese Änderungen fallen auf. Und was gibt es sonst Neues?
Rund 80 000 Leser haben die VDI nachrichten in den letzten zwei Jahren hinzugewonnen. Mindestens eine Drittel Million sind es insgesamt, so die Allensbacher Werbeträgeranalyse 2000. Und diese Leser äußern ihre Wünsche.

Willkommen „Generation @“

Wie denken und arbeiten diejenigen, die mit dem Internet aufwachsen und sich als Teil der „New Economy“ fühlen? Welche Informationen diese „Generation@“ bevorzugt, ließen wir erforschen. Und genau vor einem Jahr haben wir auch damit angefangen, pro Woche fast 1000 Abonnenten anzurufen. Wir haben unsere Leser gefragt, welche Beiträge sie gelesen haben. Bei jedem, der uns geholfen hat, die Zeitung weiter zu entwickeln, möchten wir uns auf diesem Wege noch einmal herzlich für die Mitarbeit bedanken.
Communication, Education und Community waren die meistgenannten Stichworte bei der Beschreibung der Informationswünsche, die an Medienpartner geäußert wurden. Mehr denn je fühlen sich die innovativen „Knowledge-Leader“, und nicht nur die der Generation@, heute als Mitglied einer internationalen Know-how-Community. Ihre Bindung an ein Unternehmen, an ihre Firma, hingegen sinkt. Von der Zeitung ihrer Community wollen die Leser u.a. wissen: „Was gibt es Neues in der Szene, was macht der Kollege, was muss ich heute an Know-how tanken, damit ich morgen erfolgreich bin – bei einem anderen Arbeitgeber oder als Selbständiger“? Der Wissensdrang wird gezielt durch Aufbau eines personenbezogenes Netzwerks befriedigt. Dem entsprechend ergänzt die VDI nachrichten-Redaktion ihr Print- und Internet-Angebot.

Das Profil einer Persönlichkeit

„Sieht aus wie einFünfzigjähriger, der auf der Party im alten Anzug rumsteht und hofft, angesprochen zu werden.“ Dies ist ein ebenso tödliches Image wie: „Kommt attraktiv daher, hat zu allem was zu sagen, ist aber nirgendwo kompetent.“
Fazit: Selbst wenn ein Medium heute der gewünschte Kommunikationspartner wäre, die gesuchte Information bereit hielte, würde diese erst genutzt, wenn das Outfit, die Verpackung, die Ansprache stimmt. Bereits am Erscheinungsbild muss das Medium signalisieren: „Ich gehöre zur Community.“ Um dauerhaft akzeptiert zu werden, muss inhaltliche Kompetenz, müssen Beziehungen zu den wichtigen Persönlichkeiten der Branchen nachgewiesen werden. Dem Anspruch, seriös wie die „Old Economy“ zu bleiben, gleichzeitig aber die Wünsche der „New Economy“ nach Design und Schreibe zu erfüllen, müssen Woche für Woche Redakteure und Layouter gerecht werden. Wie das gemacht werden, wohin es gehen soll, lässt die vorliegende erste Ausgabe des Jahres 2001 erahnen.

Net@Work – mehr als Young Boys Network

„Überleben wird nur, wer seine Geschäftstätigkeit elektronisch abbildet“, so Intel-Chef Andy Grove. Gemäß dieser These ist der neue Zeitungsteil Net@Work kein reiner Gründer oder E-Business-Teil, sondern zeigt, wie mit Informationstechnik neue Geschäftsfelder erschlossen und bestehende besser gestaltet werden können. Trends der Informations- und Kommunikationsbranche und die Menschen, die damit Innovationen realisieren, stellen wir hier vor.

Das auch noch: Sport und Aktien jetzt bei uns im Internet

Die Wochenzeitung VDI nachrichten bietet Analysen, verdeutlicht Zusammenhänge, spürt Trends auf. Wir zeigen, was gesellschaftlich gewollt, wirtschaftlich machbar und technisch möglich ist. Die minutenaktuellen Nachrichten dazu gibt es im Internet, über die Web-Site der VDI nachrichten. Und zwar zu allen interessanten Bereichen, also auch Sport und Börse. Brauchen Sie mehr Information, verbinden wir Sie mit kompetenten Partnern – wie Sie das von dem Mitglied einer kompetenten Community erwarten können.
Doch Manches bleibt auch beim Alten. Karrieretipps und das monatliche Karrieretelefon bleiben. Der Teil „Ingenieur-Karriere“ erscheint jetzt sogar sechs mal im Jahr, Informatik-Karriere kommt hinzu. Und Technik sowie Life-Science fürs Private gibt monatlich im Technik-Boulvard.
Noch mehr Wünsche? Bestimmt. Bitte schreiben Sie uns. Denn Ihre Anregungen waren es, die die Weiterentwicklung vorangetrieben haben. RUDOLF SCHULZE chefredaktion@vdi-nachrichten.com
Was gesellschaftlich gewollt, wirtschaftlich machbar und technisch möglich ist, steht in den ersten beiden Zeitungsteilen.
Wie Informations- und Kommunikationstechnik helfen, aus „New Economy“ und „Old Economy“ die zukunftssichere „True Economy“ zu bilden, steht in Net@Work.
Wir begleiten Sie, wenn Sie Karriere machen wollen. Per Print, telefonisch und im Internet.

Mario Garcia

ist Präsident und Senior Designer der Garcia Media Group mit Sitz in Tampa, Florida, sowie Büros in Buenos Aires (Argentinien) und Hamburg. Die Mitarbeiter sind spezialisiert auf Zeitungsdesign und das Gestalten von Online-Auftritten. Garcia hat mehr als 400 Zeitungen in 40 Ländern re-designt, darunter die „Die Zeit“, „Handelsblatt“, „Tagesspiegel“, „The Philadelphia Inquirer“ (USA), „The News Paper“ (Singapur) und „El Tiempo“ (Kolumbien). Er arbeitete u. a. für Firmen wie Volvo (Schweden), Ticona (Deutschland) und Migros (Schweiz). Dr. Mario Garcia hält Vorlesungen an mehr als 14 Universitäten. Er ist Gründer des Ausbildungsprogramms „Graphics&Design“ am renommierten Poynter Institute für Media Studies in St. Peterburg (Florida). rus
http://www.mariogarcia.com , http://www.poynter.org

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