Medien 19.10.2012, 19:55 Uhr

Youtube & Co. setzen auf Inhalte

Traditionelle Fernsehsender sind mit einer bisher noch nicht da gewesenen Konkurrenz aus dem Netz konfrontiert. Portale wie Youtube, Hulu oder Netflix traten auf der TV-Messe Mipcom massiv auf und werben vermehrt mit Eigenproduktionen um die Zuschauergunst.

Traditionelle Fernsehsender sehen sich einem wachsenden Wettbewerb ausgesetzt.

Traditionelle Fernsehsender sehen sich einem wachsenden Wettbewerb ausgesetzt.

Foto: Vodafone

Am vergangenen Donnerstag ging in Cannes die größte TV-Programm-Messe der Welt, Mipcom, zu Ende und man darf kaum behaupten, sie hätte inhaltlich viel Neues zu bieten gehabt. Und trotzdem war der diesjährige Programm-Markt anders als alle anderen bisher. Denn die neuen Player im Medienbusiness wie beispielsweise Youtube, Hulu oder Netflix waren an der Côte d’Azur noch nie so präsent wie in der letzten Woche.

„800 Mio. Menschen schauen pro Monat 4 Mrd. Stunden auf Youtube. Wir haben uns bereits vor einem Jahr entschlossen, selber Content zu produzieren, und jetzt starten wir in Europa“, verkündete Youtube-Chef Robert Kyncl direkt zum Auftakt des Branchentreffs. Dabei wird der Google-Ableger mit den größten Fernsehproduzenten Europas, darunter die UFA, Banijay und Endemol, zusammenarbeiten. Auch eine Kooperation mit der Mutter aller öffentlich-rechtlichen Sender, der BBC, ist geplant.

In Deutschland wird die UFA für Youtube unter anderem den Channel „Heartbeat Berlin“ produzieren: Kurze Clips sollen das Leben und die Trends in der pulsierenden deutschen Metropole widerspiegeln.

Jason Kilar, der Chef von Hulu, einem US-Onlineportal, das Fernsehinhalte zeigt, gab sich auf der Mipcom ebenfalls selbstbewusst: „Wir bieten 55 000 TV-Episoden an, und wir sind gerade erst gestartet.“ 30 Mio. Nutzer, so Kilar, kann Hulu pro Monat verzeichnen. Der Manager kündigte zudem eine Koproduktion mit der BBC an. Über 400 Mio. $ setzte Hulu im letzten Jahr um, in diesem Jahr, so Kilar weiter, investiert das Videoportal 500 Mio. $ für Inhalte.

Und Netflix, ein amerikanisches Unternehmen, das unter anderem Video-on-Demand-Streams anbietet, sorgte für Aufsehen an der Croisette, als es gemeinsam mit dem Produzenten und Schauspieler Kevin Spacey das Serienprojekt „House of Cards“ vorstellte: Der Politthriller in 26 Teilen, der schätzungsweise 100 Mio. $ kostet, wird von Netflix finanziert und auf der eigenen Plattform gezeigt.

Auch wenn diese neuen Marktteilnehmer immer wieder auf der Messe abwiegelten, sie sehen sich als Ergänzung, nicht als Konkurrenz zu den klassischen Fernsehsendern, kommt der Eindruck auf, dass nun eine neue mediale Ära beginnt. Denn tatsächlich sehen sich die traditionellen Fernsehsender mit einer bisher noch nicht da gewesenen Konkurrenz aus dem Netz konfrontiert.

Zwar beteuern die Vertreter des klassischen TV immer wieder, dass sie nicht beunruhigt seien. Bei den Portalbetreibern erkennen sie keine funktionierenden Geschäftsmodelle, was deren Rolle als „Sender“ von hochwertigen Inhalten angeht. Aber es gibt auch keinen TV-Manager in Deutschland, der nicht ein gemeinsames Onlineportal, auf dem alle klassischen Fernsehsender ihre Inhalte zur Verfügung stellen, befürwortet.

Mit besonderen Hoffnungen und Erwartungen schauen jedenfalls die Fernsehproduzenten auf die Entwicklung. Der Geschäftsführer von Teamworx Nico Hofmann etwa prognostizierte „in einer Zeit, in der bis zu 30 % des TV-Publikums Nischenprogramme konsumieren“, eine steigende Bedeutung der digitalen Kanäle. Ähnlich urteilte Jan Mojto von Eos/Beta: „Die Portalbetreiber spielen für uns eine große Rolle. Sie brauchen Inhalte und wir haben Inhalte.“

Er sieht die Chance, dass durch die neuen Distributionsmöglichkeiten die Inhaltehersteller selbst zu Aggregatoren werden können. Sie könnten damit selbst die Funktion übernehmen, die heute noch die klassischen Fernsehsender innehaben.

„Wir haben bereits auf der letzten Mip ein Treffen mit Google-/Youtube-Verantwortlichen gehabt“, berichtete der Geschäftsführer von Eyeworks Germany, René Jamm. „Generell sind sie für uns auf jeden Fall potenzielle und interessante Geschäftspartner.“ Jamm sieht die neuen Partner vor allem als Möglichkeit, Formate auszubauen: „Multimediale Formate funktionieren dann, wenn sie von sich aus inhaltlich beispielsweise für das Internet geeignet sind. Etwa bei ‚Switch‘ oder ‚We love LIoret‘ bieten sich kurze Clips an – etwa für Highlights oder Hintergrundgeschichten. Das finden besonders die Jüngeren spannend.“

Jamm wird bald ein Unterhaltungsformat mit „Comedy-Newcomern“, die im Netz bereits erfolgreich sind, starten: „So arbeiten wir mit Künstlern zusammen, die nicht nur auf das Fernsehen angewiesen sind. Dadurch entsteht eine Partnerschaft auf Augenhöhe – das kann für die Kreativität nur förderlich sein.“  WILFRIED URBE

Von Wilfried Urbe

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