Medien 25.03.2005, 18:37 Uhr

Wissens-Häppchen für die Generation Pisa  

Wissensmagazine sind im deutschen Fernsehen beliebter denn je. Kaum ein Programm, das nicht mit Formaten auf Quotenfang geht, in denen Produktionsabläufe oder naturwissenschaftliche Phänomene erklärt werden. Künftig wird es in neuen digitalen Kanälen sogar noch mehr Auswahl für Wissenshungrige geben.

Technik und TV sind schon lange ein Dreamteam, Technikvermittlung hat Programmgeschichte geschrieben. Ältere Zuschauer werden sich an Sendungen wie „Auf der Suche nach der Welt von morgen“ (ab 1957) mit Rüdiger Proske erinnern. Oder an Hoimar von Ditfurth mit seinen „Querschnitten“ (ab 1971). Auch ein Klassiker: Heinz Haber, der den Begriff von der „Öffentlichen Wissenschaft“ mit Reihen wie „Unser blauer Planet“ (1965) prägte. „Aus Forschung und Technik“ läuft seit 1964, jetzt unter dem Titel „Abenteuer Forschung“.

Und heute? Der Boom ist ungebrochen, hat sich unter dem Diktat des „Infotainments“ wesentlich verstärkt: Wissenschaft als massentaugliche Unterhaltung – für Kinder und Erwachsene, in einer nie zuvor gekannten Vielfalt bringt auch die im Fernsehgeschäft so wichtige Quote. Ob „Wissen macht ah“, „Die Sendung mit der Maus“, „Wunderwelt Wissen“, „Galileo“, „Planetopia“, „Planet Wissen“, „Welt der Wunder“, „Ripleys unglaubliche Welt“, „K1 Magazin“, „nano“, „BBC Exklusiv“, „Quarks und Co“, „Q 21“ oder „W wie Wissen“ – fast alle Sender, ob öffentlich-rechtlich oder privat, wollen mit Wissen punkten.

Der moderne Klassiker unter ihnen ist „Galileo“. Wie entsteht ein Regenbogen? Wie wird Apfelstrudel gemacht? Was ist dran am genetischen Fingerabdruck? Diese und andere Fragen beantwortet das ProSieben-Magazin fast wochentäglich für jedermann verständlich und gefällig aufbereitet. Auch „Welt der Wunder“ auf RTL 2 läuft extrem erfolgreich. Die höchste Quote erreichte die Sendung vor einiger Zeit mit fast 15 % Sehbeteiligung bei der werberelevanten Zielgruppe im Alter zwischen 14 und 49 Jahren. Das sind 2,7 Mio. Zuschauer insgesamt. Im Schnitt erreicht das Magazin regelmäßig 10 % Sehbeteiligung.

„Die dramaturgische Aufbereitung, der Einsatz neuer Stilmittel, alles das macht diese Programme attraktiver“, weiß der oberste Programmstratege von RTL2, Torsten Prenter. „Der Zuschauer wird unterhalten und geht mit einem guten Gewissen aus der Sendung, weil er etwas dazugelernt hat.“ RTL 2 gilt nicht gerade als Sender der Intellektuellen, aber Wissensmagazine sollen als feste Stütze der Programms ausgebaut werden: Neben „Welt der Wunder“, „Wissen Extrem“ und „Technik Extrem“ startet bald „myth busters“, wo „wissenschaftliche Mythen“ widerlegt oder bestätigt werden sollen.

Den Erfolg des populären „Bildungsfernsehen“ sieht der Medienwissenschaftler Jo Groebel in einer medialen „Renaissance des Wissens in Zeiten der Pisa-Studie“ begründet. „Wissen im Fernsehen muss emotionalisieren, dann sind solche Programme weltweit erfolgreich.“

Dass Wissenschaftsunterhaltung aus deutschen Landen auch anderswo ankommt, hat jetzt die Lizenzierung der WDR-Kinderwissenssendung „Wissen macht ah“ für China gezeigt. Die steigende Nachfrage kann die Geschäftsführerin des internationalen Programmvertriebs German United Distributors, Silke Spahr, nur bestätigen: „Sowohl im europäischen Ausland als auch in Asien werden solche Programme nachgefragt, die populärwissenschaftliche Art, Phänomene aufzubereiten, ist für ein großes Publikum attraktiv.“ Sie wird jetzt auf der größten Fernsehmesse der Welt, der MipTV erstmals Wissensmagazine wie „Quarks & Co“, „Q21“ und „Kopfball“ anbieten. „Es gibt starkes Interesse aus Frankreich und Russland“, weiß Spahr, „Deutschland als traditionelles Wissenschafts- und Ingenieursland hat da auch einen Vorschuss, besonders in Asien wird uns in dieser Hinsicht eine besondere Kompetenz zugesprochen.“

Wie aber sind die Inhalte vom wissenschaftlichen Standpunkt aus zu bewerten? Ist die unterhaltsame Form nicht unseriös? „Es gibt relativ wenig Formate, deren Form als bedenklich einzuschätzen ist“, betont Jo Groebel, „solange ein Magazin nicht eindeutig an den aktuellen Erkenntnissen vorbeigeht, ist die Form nebensächlich.“ Bildung müsse sich moderner Formen bedienen, so Groebel. Durch gut gemachte, populäre Wissenschaftsvermittlung werde die professionelle Wissenschaft nicht verhindert, „aber es werden Schichten angesprochen, die sonst wohl nie erreicht worden wären.“ WILFRIED URBE

Digital-TV bringt neue Wissensformate

Wissen als Sendeinhalt wird besonders in der digitalen Fernsehwelt wichtig. Sender wie der National Geographic Channel, XXP, der History Channel, ZDF Info- und -dokukanal, EinsExtra, Discovery Channel, Vitalissimo aber auch DW-TV konzentrieren sich fast nur auf Bildungs- und Informationsinhalte. Aber das scheint erst der Anfang zu sein. Soeben startet Discovery einen weiteren Geschichtskanal. Aber braucht der Zuschauer wirklich die xte-Hitlerdokumentation? „Jede Zeit benötigt ihren eigene Perspektive, auch und besonders im Blick auf das Vergangene“, erklärt die BDA-München-Geschäftsführerin Karin Furtmeier, die mit ihrer Agentur unter anderem für die Promotion des neuen Senders zuständig ist. Ein anderes existentielles Thema ist die Finanzierung. MME-Vorstand Martin Hoffmann glaubt: „Für viele Anbieter kann der herkömmliche Werbeblock zur Refinanzierung keine Alternative sein, die kritische Masse der Zuschauer wird nicht erreicht.“ Doch Hoffmann erwartet neue Einnahmequellen. Neben Abonnementeinnahmen oder Mehrwertdiensten mit Hilfe von Telefonie sei das „Smart Advertisting“ eine Alternative: „Werbung für und von Markenartiklern.“ Diese wollten ohnehin eine begrenzte Zielgruppe erreichen, so Hoffmann. Wie diese Art der „Geschäfts‧kommunikation“ aussehen kann, zeigt TV Gusto: Alle Sendungen sind von
Anfang bis Ende mit Logos und Labels von Markenartiklern versehen. Diese Art der Werbung scheint bei einigen
Wis‧‧sensmagazinen schon im normalen Fernsehen üblich zu sein, wenn man bemerkt, wie deutlich in verschiedenen
Beiträgen auf bestimmte Marken hingewiesen wird.urb

Von Wilfried Urbe

Stellenangebote im Bereich Maschinenbau, Anlagenbau

Hays AG-Firmenlogo
Hays AG Konstrukteur NX (m/w/d) Oberhausen
Fritsch Bakery Technologies GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Fritsch Bakery Technologies GmbH & Co. KG Projektmanager Lean (m/w/d) Markt Einersheim
Fresenius Kabi Deutschland GmbH-Firmenlogo
Fresenius Kabi Deutschland GmbH Quality Systems Engineer (m/w/d) Bad Hersfeld
weil engineering gmbh-Firmenlogo
weil engineering gmbh Konstrukteur (m/w/d) Anlagenbau Müllheim
weil engineering gmbh-Firmenlogo
weil engineering gmbh Projektleiter (m/w/d) Anlagenbau Müllheim
MTU Friedrichshafen GmbH-Firmenlogo
MTU Friedrichshafen GmbH Projektleiter Systemarchitekt (m/w/d) Energieerzeugungsanlagen Friedrichshafen
MTU Friedrichshafen GmbH-Firmenlogo
MTU Friedrichshafen GmbH Technical Sales Specialist (m/w/d) Emergency Power Supply Friedrichshafen
MEMMINGER-IRO GmbH-Firmenlogo
MEMMINGER-IRO GmbH Entwicklungsingenieur Mechanik (m/w/d) Dornstetten
Sanner GmbH-Firmenlogo
Sanner GmbH Entwicklungs-/Konstruktionsingenieur (m/w/d) Bensheim bei Darmstadt
Silver Atena Electronic Systems Engineering GmbH-Firmenlogo
Silver Atena Electronic Systems Engineering GmbH Konstrukteur Steuergeräte (m/w/d) München

Alle Maschinenbau, Anlagenbau Jobs

Top 5 Medien

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.