Interview: Frauenfußball-WM 15.07.2011, 12:09 Uhr

„Wir sind vierfach abgesichert“

Die deutschen Fußballerinnen sind ausgeschieden. Dennoch hoffen die Veranstalter der Frauenfußball-WM am Sonntag beim Finale auf erneute Traum-Einschaltquoten mit Zuschauerquoten in Deutschland in zweistelliger Millionenhöhe. Für die Übertragungstechnik ist Marcus Busch verantwortlich. Der 45-Jährige ist Leiter der Abteilung Netze bei Media Broadcast. Sein 15-köpfiges Team sichert im Auftrag des offiziellen Fifa-TV-Rechteverwalters HBS (Host Broadcast Services) die Fernsehübertragung der WM in weltweit 200 Länder.

VDI nachrichten: Ist die Lage im International Broadcast Coordination Center (IBCC) nach fast drei Wochen immer noch so angespannt wie am Anfang?

Busch: Ja, das ist sie, wie vor jedem Spiel. Wir sitzen in Containern neben unseren Kollegen von HBS und ZDF. Das sind nur drei von insgesamt fast 50 Containern im abgesperrten Bereich des IBCC, direkt neben der Frankfurter Commerzbank-Arena. Hier werden die Livebilder des Turniers in bester HDTV-Qualität produziert und von uns in alle Welt gesendet.

Gab es denn Pannen?

Busch: Nein, bisher lief alles super. Wir profitieren von unserer jahrelangen Erfahrung, unsere Techniker haben bereits die Übertragung der Bundesliga, aber auch der vergangenen Konföderationen-Pokale und Weltmeisterschaften in Deutschland und Südafrika gestemmt. Bei der Frauenfußball-WM ist allerdings der Aufwand für die Absicherung zur Übertragung der Bilder in Echtzeit in alle Welt etwas höher. Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, dass dabei etwas schief geht.

Wie war das im IBCC bzw. bei den Technikern, als in Dresden beim Spiel zwischen Kanada und Nigeria für 14 Minuten der Strom ausfiel?

Busch: Grund war ein Stromausfall des öffentlichen 230-V-Netzes, der auch das Dresdener Rudolf-Harbig-Stadion betraf, zudem fiel die Generator-Notstromversorgung beim Stadionbetreiber aus. Dies führte zu einem Blackout inklusive Flutlichtausfall.

Unser Sicherheitskonzept hat sich an dieser Stelle bewährt, da wir sofort auf unsere SNG-Flotte (Satellite News Gathering, die Red.) umschalten und weiter Bilder aus Dresden senden konnten. Diese Flotte besteht aus Fahrzeugen, die mit Hochleistungsantennen hochauflösende Bilder per Satellit überspielen, sie sind mit eigener Stromversorgung ausgerüstet, um für diese Fälle gewappnet zu sein.

Wie sieht denn Ihr Equipment aus?

Busch: Während der Frauenfußball-WM sind wir vierfach abgesichert. Wir nutzen als technisches Rückgrat aus allen neun Stadien ein besonders leistungsfähiges Next Generation Network (NGN) auf Basis von Glasfasern. Es vernetzt alle Stadien und ist mit dem IBCC verbunden. Parallel sind HDTV-Satellitensignale zwischen allen Stadien und dem IBCC geschaltet.

Zusätzlich verfügen wir noch über eine Glasfaseranbindung, die wir zur Not nutzen können, falls hier auf dem Gelände unsere Verbindung zum Satelliten ausfallen sollte. Darüber hinaus steht für den schlimmsten Fall – wie ein Gewitter zwischen unserer Satelliten-Erdstation Usingen und Frankfurt – eine Glasfaserleitung zu einem anderen Sternpunkt für eine beliebige Uplink-Möglichkeit bereit, z. B. nach Genf.

Wissen Sie denn hier zu jeder Sekunde, ob ein Fehler in der Übertragungskette auftritt und können Sie ihn genau lokalisieren?

Busch: Ja, wir überwachen hier von Frankfurt aus für unsere Kunden alle Signale in Echtzeit über zwei riesige Monitore. Dabei ist Host Broadcast Services (HBS) für die weltweite Produktion der Bilder zuständig und das ZDF federführend für die Berichterstattung bei ARD und ZDF. Dafür liefern wir sowohl eingehende als auch abgehende Signale, damit unter anderem den ARD- bzw. ZDF-Kommentator vor Ort im Stadion ebenfalls Bilder erreichen. Insgesamt überwachen wir für alle Signalwege die Bitraten, kontrollieren aber auch die Bilder selbst visuell.

Und wie können Sie im Fall der Fälle eingreifen?

Busch: Das ist das Neue bei der Frauenfußball-WM: Erstmalig haben wir hier ein Network-Operation-Center im IBCC aufgebaut, um das Netzwerk zu jeder Sekunde kontrollieren zu können. Im Fall der Fälle können unsere Techniker direkt auf das Glasfasernetz zugreifen und eine andere Leitung schalten. So können wir ohne Verzögerung eingreifen.

Sind das morgige Spiel um Platz 3 und das Finale am Sonntag eine besondere Herausforderung?

Busch: Beim Eröffnungsspiel war der Nervenkitzel sehr hoch, weil wir da die ganze Konfiguration nach umfassenden Tests live eingesetzt haben. Jetzt am Wochenende ist aber die Aufmerksamkeit der Medien weltweit noch größer als beim Eröffnungsspiel, bei dem 18 Mio. Fernsehzuschauer in der Spitze dabei waren. Eine reibungslose Übertragung ist für uns eine Verpflichtung. 

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