Medien 19.12.2003, 18:28 Uhr

„Wir gehen hier kein Abenteuer ein“

VDI nachrichten, Rochester/New York, 19. 12. 03 – Schon seit 1980 weiß man beim einstigen Fotopionier Kodak, dass die Zeit der profitablen analogen Filmbearbeitung zu Ende geht. Passiert ist lange nichts. Doch jetzt wird die Zeit knapp. Der neue Vorstandsvorsitzende Daniel Carp will sich vom klassischen Filmgeschäft lösen und setzt auf digitale Technologien – gegen die Skepsis von Anlegern und Analysten. Kodak wird zum Paradebeispiel einer ganzen Branche für den Übergang von der analogen zur digitalen Bilderwelt.

Einen „historischen Schritt“ nannte Kodaks CEO Daniel Carp sein neues 3 Mrd. $ teures Investitionsprogramm. Drei Jahre gibt er sich und dem Fotogigant aus Rochester, im US-Bundesstaat New York, um den Anschluss an die digitale Welt zu gewinnen.
Doch Kodaks Geschichte ist voll solcher Ankündigungen. Daniel Carps Vorgänger George Fisher hatte 1999 gesagt, dass „Kodak bis 2003 jährlich um 8 % bis 12 % wachsen wird“, stattdessen fiel der Umsatz in dieser Zeit von 14,1 Mrd. $ auf 12,8 Mrd. $.
Carp scheint es ernst mit der Wende. „Unsere klassischen Geschäftsbereiche schmelzen dahin. Wir müssen jetzt ganz schnell handeln, vor allem werden wir nichts mehr ins klassische Consumer-Filmgeschäft investieren“, sagte er bei der Ankündigung seines Programms vor New-Yorker Analysten. Für Carp gibt es das analoge Filmgeschäft nur noch in „Emerging-Markets“, etwa in China. Dort werden Kodak-Filme weiterhin unter fremdem Label über Franchiser vertrieben.
Auch bei anderen klassischen Kodak-Produkten gibt es Opfer. So werden unter anderem auch die Produktion und die Entwicklung der legendären Karussell-Projektoren eingestellt.
Der Schnitt in der Firmenphilosophie soll Energien freisetzen: „Es schafft uns den Rücken frei. Jetzt ist allen klar, dass was geschehen muss“, ist Carp sogar froh darüber, dass das klassische Filmgeschäft so stark eingebrochen ist.
Dabei ist der Schnitt gar nicht so radikal, wie Carp glauben machen will. Kodak und digital, das verbindet sich schon länger. Kodaks Digitalkamera Easy-Share ist laut IDC die zweitmeistverkaufte Kamera in den USA. Im Gesundheitswesen bietet Kodak digitale Imagesysteme vorwiegend für die Zahnmedizin an und in der professionellen Imagebearbeitung ist man mit Druckern, Scannern und den zugehörigen Medien vertreten. Hinzu kommen neue Produkte, wie Kodaks OLED-Displays oder auch Image-Sensoren.
Das Problem: Kodak macht mit dem Digitalgeschäft kaum Gewinn. Das Unternehmen setzt mit seinen digitalen Angeboten zwar 1 Mrd. $ jährlich um, der Gewinn stammt aber immer noch überwiegend aus den Traditionsbereichen.
Folge: Nicht alle Investoren teilen Carps Begeisterung. Nach der jüngsten Dividendenkürzung um 72 % hagelte es Proteste. Großaktionäre nannten den neuen Weg „abenteuerlich“.
„Es wäre besser, wenn Kodak seinen digitalen Bereich ausgliedert und ihn dann eigenständig an die Börse bringt, damit wären die Verhältnisse für alle klarer“, sagte Robert Jaffe von der New-Yorker Investmentfirma Force Capital Management.
Doch Carp verteidigt seinen Kurs vehement: „Wir gehen hier kein Abenteuer ein, sondern nutzen unsere langjährigen Erfahrungen und unser Bildbearbeitungs-Know-how auf allen Stufen der neuen digitalen Formen“, erwidert er auf solche Vorhaltungen. Nach seinen Plänen sollen in Zukunft die digitalen Entwicklungskioske in den Supermärkten und Einkaufszentren ausgebaut werden.
Kodaks neuer COO Antonio Perez will unbedingt ins Tintenstrahldrucker-Geschäft. Das wird nicht einfach, denn hier gibt es viele Patente, zu denen Kodak keinen Zugang hat. Doch Perez kennt sich gut aus, schließlich leitete er zuvor die Consumer-Gruppe bei HP, zu der auch das Tintenstrahlergeschäft gehört.
Im digitalen High-End-Fotodruck hat sich Kodak bereits durch eine Kooperation mit Heidelberger Druckmaschinen fest etabliert. Das Joint Venture Nexpress konkurriert dort mit HPs Indigo und Xerox“ iGen3. Und Heidelberg will nicht mehr so stark mitmischen, Kodak soll mehr Verantwortung tragen. Als Nächstes möchte Kodak preiswertere NexPress-Drucker für einen breiteren Markt anbieten.
Neben solchen Kooperationen sind Unternehmenskäufe eine wichtige Säule bei Kodaks neuer Strategie. „Wir wollen mit unseren Zukäufen vor allem im professionellen Imagemarkt wachsen, denn im Endusergeschäft können wir das aus eigener Kraft bewerkstelligen“, beschreibt Carp seine neue Akquisitionsstrategie.
So sind seit der Neuausrichtung im September bereits ein halbes Dutzend Neuerwerbungen hinzugekommen. Der größte Teil davon gehört zur Medizintechnik, wie Algotech, das sich auf die Archivierung und Kommunikation von medizinischen Bildern spezialisiert hat, und im Bereich der professionellen Medienbearbeitung kaufte man die kalifornische Post-Production-Firma Laser-Pacific.
Doch die spektakulärste Neuerwerbung war die Übernahme des Digitaldruck-Bereiches des israelischen Herstellers Scitex für 262 Mio. $ – denn das war ein Rückkauf. 1993 hatte man seinen damaligen schwachen Digitaldruckbereich für 70 Mio. $ an Scitex verkauft, die daraufhin den Umsatz damit auf über 200 Mio. $ verdreifachten.
Scitex bietet heute professionelle Laser-Drucker in der Preisklasse von 50 000 € bis 5 Mio. € für großes Volumen, wie es bei Kontoauszügen, Kreditkarten-Abrechnungen und Serienbriefen anfällt.
Carp ist über diese Entwicklung ganz euphorisch: „Wir erleben derzeit eine explosionsartige Ausbreitung der digitalen Bildbearbeitung in allen unseren klassischen Geschäftsbereichen, also sowohl bei den Consumer-Produkten als auch den Profi-Anwendungen und im Gesundheitswesen.“
HARALD WEISS

Von Harald Weiss

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