Medien 05.11.2004, 18:34 Uhr

Wie aus dem Rheinturm ein Fernsehturm wurde

Zwei Tage brauchte es für die Demontage der alten und das Aufsetzen der neuen Spitze.

Drei Minuten lässt Rolf Thomann die beiden Turbinen warmlaufen, dann hebt der Kamov Ka 32 ab. Hosenbeine und Mäntel flattern auf den Düsseldorfer Rheinwiesen im Wind. „Macht der einen Krach“, schreit ein Sechsjähriger seinem Vater zu, der fasziniert dem rot-weißen Lasthubschrauber der Schweizer Helog AG hinterherschaut. Vom Startplatz vor dem Stadtteil Oberkassel, auf dem sich gut 50 Zuschauer und der Hubschrauber eines Fernsehteams versammelt haben, sind es nur 200 m Luftlinie bis zum Einsatzort: Der Rheinturm bekommt eine neue Spitze für digitales Antennenfernsehen.
Die Basis für die neue Antenne hat Thomann schon auf 215,6 m Höhe gebracht. Nun ist das zweite Teil dran, eine konische Röhre aus Stahl, 3 t schwer. Kaum hat der Kamov mit seinen gegenläufigen Rotoren die Rheinkniebrücke überquert, taucht er hinter dem Landtag ab, um in der Luft stehend das Bauteil aufzunehmen. Ein Mitarbeiter der Helog wartet dort schon, um die Antennenbasis an den Haken des 30 m langen Stahlseils zu hängen, das unter dem Hubschrauber leicht im Wind pendelt. Laut hallt das Knattern der Rotoren vom benachbarten gläsernen Stadttor wider, von dem paar Journalisten und zwei Fernsehteams die Prozedur verfolgen. Der Aufstieg auf 280 m Höhe dauert nur zehn, zwanzig Sekunden. Langsam nähert sich die Last mit dem Hubschrauber der Turmspitze. „Noch zwei Meter“, ruft ein Monteur ins Sprechfunkgerät, dann fassen kräftige Hände die beiden Stahlseile, die an der Röhre befestigt sind, um sie auf den mit 60 M20-Bolzen und Muttern befestigten Ring zu ziehen.
Am frühen Morgen schon hat Pilot Thomann in drei Flügen die alte hohle Zierspitze des 234 m hohen Rheinturms abgetragen. Gut 6 m höher wird die Digital-TV-Antenne sein. Endlich wird der Aussichtsturm dem Volksmund gerecht und ein echter Fernsehturm. Bisher vermittelten die klobigen Antennen auf den Turmplattformen nur Richtfunk und UMTS-Frequenzen, strahlten lokale Radioprogramme und die analogen Signale für Polizeifunk, Feuerwehr und andere Sicherheitsdienste ab.
Nicht einmal fünf Minuten dauert der Montageflug, dann setzt der schwere Hubschrauber wieder neben dem Kerosin-Tankwagen aus Schönefeld auf, um neuen Kraftstoff an Bord zu nehmen.
Für den Piloten aus Belp bei Bern ist der Lufttransport Routine: „Wir haben in den letzten Wochen die Antennen in Frankfurt, Dortmund, Wesel und Hamburg aufgesetzt“, erklärt Thomann mit leichtem Schweizer Akzent. Mit Düsseldorf ist der Ausbau des digitalen Fernsehens DVB-T in Nordrhein-Westfalen vorerst abgeschlossen. Flensburg und Kiel stehen weiterhin noch auf dem Flugplan der Helog, die in Deutschland keine Konkurrenz fürchten muss.
Konkurrenzlos preiswert ist auch der russische Kamov: „7 Mio. Schweizer Franken kostet dieser Armeehubschrauber. Ein vergleichbares französisches Modell kostet mehr als das Doppelte“, weiß Thomann. Der Doppelrotor – einen Heckrotor gibt es nicht – spart Energie und erlaubt eine Startmasse bis 12,6 t. 5 t kann der Kamov an den mit Druckluft betätigten Haken nehmen. In der Luft brauchen die beiden 2225 PS-Turbinen 900 l Kerosin in der Stunde. „Wir nehmen nur so viel in den Tank, wie wir für die Nutzlast brauchen“, sagt Thomann. Sonst wird das Fluggerät zu schwer.
Von oben manövriert der Pilot den Kamov mit Hilfe seines Kopiloten. In der Luft stehend, schaut er aus einer nach außen gewölbten Kunststoffkuppel links neben sich in die Tiefe, während der Kopilot die Instrumente beobachtet. „Im Notfall kann einer allein nicht alles auf einmal tun, was nötig wäre“, erklärt der Schweizer knapp und wechselt lieber das Thema. Jedenfalls sei bei diesem Hubschrauber jedes Aggregat doppelt. „Der Pilot sagt, was geht und was nicht“, erklärt später Walter Gerhardt von der Turmbau Steffens & Nölle GmbH (tsn) aus Berlin am Lagerplatz neben dem Turm. Und es geht viel: „In Hamburg haben wir die Antenne bei Windstärke 7 aufgesetzt, es darf halt keine Böen haben“, sagt Thomann sachlich. Alles Routine wie das Setzen von Sessellift-Masten in den Alpen.
Keine Routine waren dagegen die Vorbereitungen in Düsseldorf. „Dreimal haben wir uns mit 15 Leuten getroffen“, erinnert sich ein Polizist, der an der Absperrung lehnt, die von einem Kölner Sicherheitsdienst misstrauisch bewacht wird. Es könnte ja was vom Turm fallen. Die Polizei ist nur Beobachter und stille Reserve, das Ordnungsamt der Stadt Düsseldorf und die privaten Argusaugen haben alles im Griff. Kaum 200 Zuschauer haben sich locker um das abgesperrte Gebiet rund um Rheinturm und Landtag verteilt es gibt keine Zwischenfälle. Vielleicht auch, weil es nach dem Abtransport der alten Turmspitze wegen einer kleinen Panne auf dem Turm Stunden dauert, bis in kaltem Wind und Regen die Antenne montiert werden kann.
Zeit für einen Blick auf die neue Spitzentechnologie. „Die Antennen stammen aus Bayern“, sagt Hans Geyer, Mechanik-Gruppenleiter bei den Rosenheimer Kathrein-Werken, sichtlich stolz.
Vier Teile hat der Antennenturm, im dritten, gerade 160 cm im Durchmesser, hat eine Leiter Platz. Die GfK-Antennenröhre ist unten abgedeckt. „Geschmacksmusterschutz, sonst bekommen wir Ärger“, sagt tsn-Mann Gerhardt und verrät immerhin so viel, dass die rechteckigen Antennenpanels mit Dipolen bestückt sind. Am oberen Ende der Röhre, die durch eine Luke verschlossen ist, ragt ein Blitzfangkorb in die Höhe. An der demontierten alten Turmspitze sind die Blitzeinschläge als kleine Narben erkennbar.
Vier Monteure und zwei Helog-Mitarbeiter bewältigen die Arbeit auf dem Turm, und wenn sich gerade nichts tut, sitzen sie in fast 220 m Höhe auf dem Antennenfuß, von unten mit bloßem Auge nur als winzige Punkte wahrgenommen. Wenn bis zum 8. November die Antenne an das Kabelnetz der Isis angeschlossen ist und alle Leitungen getestet sind, beginnt an Rhein und Ruhr, ein paar Monate nach dem Raum Köln, das digital-terrestrische Fernsehzeitalter.
„Es sind zwar nur noch 6 % bis 8 % der Haushalte, die über Antenne fernsehen“, hatte Staatssekretärin Prof. Miriam Meckel verkündet. Ab November werden dann zwei Drittel der NRW-Bevölkerung mit DVB-T versorgt. „Das gibt Potenzial für neue Anwendungen, Stadtnachrichten und andere Erweiterungen“, schwärmt die Medien-Staatssekretärin. Die Umrüstung bringe Arbeit für Handwerksbetriebe und Umsatz für den Handel. Die Beratung der Bürger durch die Verbraucherzentrale wird vom Land gefördert. „150 000 Dekoder wurden schon verkauft“, so Prof. Meckel, „die werden ein Renner im Weihnachtsgeschäft!“ Nordrhein-Westfalens Wirtschaft kann“s brauchen, und die rot-grüne Landesregierung war ja schon immer sehr technikaffin. Koste es, was es wolle. Aber über die Kosten in Millionenhöhe und den Streit um Subventionen dafür spricht man lieber nicht.
Die privaten Fernsehsender aus Köln und Unterföhring schalten am 8. November 2004 ihre analogen Fernsehsender in NRW ab. Dann wird es für Besitzer von Dachantennen in Aachen und Olpe finster. Ab April 2005 sind auch die öffentlich-rechtlichen TV-Stationen nicht mehr analog zu empfangen. Schlecht für das Sauerland und die Eifel, denn dort ist DVB-T nicht vorgesehen. Dort kommt dann das Fernsehprogramm nur noch per Satellit oder Kabel ins Haus – je nach Wunsch und Ort ebenfalls digital.Seite 13 FRIEDHELM WEIDELICH

Von Friedhelm Weidelich

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