Medien 09.11.2001, 17:31 Uhr

Wettlauf der neuen TV-Standards

Wetten und Spiele – mit diesen Anwendungen haben Anbieter von Digital-TV in England seit ihrem Start 1998/99 Erfolg beim Kunden. Die deutsche TV-Branche könnte von diesen Erfahrungen profitieren – statt dessen streitet man über MHP.

Dieses Jahr ist das Jahr der Realität: Digitales, interaktives TV ist nicht die erhoffte Einnahmequelle, wie es alle noch vor einem Jahr annahmen.“ Die Feststellung von Martin Pool, General Manager der Londoner Marketing- und Design-Agentur Bruce Dunlop spiegelt die aktuelle Stimmung der führenden englischen Medien-Manager wieder, die zur Konferenz Promax UK in der britischen Hauptstadt zusammenkamen. „Der Hype ist zwar vorbei, aber die Arbeit geht weiter“, sagt Jill Lindemann, Managing Director von Amassmedia.

„Allmählich finden wir heraus, was die Konsumenten wollen, nämlich all das, was Fernsehschauen einfacher macht, elektronische Programmführer (EPGs) beispielsweise“, meint Cynthia King von der Agentur English & Pockett. Immerhin soll interaktives digitales TV in England Ende des Jahres, so die Prognose von Finanzexperten, 493 Mio. Pfund Wert sein, Ende 2005 sogar über 5 Mrd. Pfund. Besonders Spiele und Wetten sind gefragt, wenn es um interaktives TV geht. Pool: „Sky Digital hat in neun Monaten allein 55 Mio. Pfund mit Wetten eingenommen.“

Tatsächlich ist Großbritannien die führende Nation, wenn es um digitales Fernsehen geht. „Über acht Millionen Haushalte haben bei uns bereits digitalen Empfang“, beschreibt Nigel Walmsley, Vorstandsmitglied des privaten TV-Riesen Carlton und Leiter von Carlton Communications sowie British Digital Broadcasting die Situation. Allerdings: Statt mehr als 30 frei zu empfangene Kabelkanäle gibt es auf der Insel nur ein begrenztes Programmangebot – somit ist der Bedarf und Bereitschaft zum Empfang von Bezahldiensten ungleich größer als in Deutschland.

Rund ein Drittel aller Briten empfangen digitales Pay-TV. Und während in Deutschland eine heiße Diskussion über den technischen Standard geführt wird, haben sich auf der Insel bereits drei Systeme etabliert: ITV, früher On Digital, bietet terrestrisches Fernsehen, das auf dem Standard des französischen Senders Canal Plus beruht. Satellitensender Sky Digital benutzt Open TV und WNL, während CableDigital (Telewest/NTL) auf Liberate setzt.

„Eine schwierige Situation, wenn man in diesem Bereich arbeitet“, erklärt der Chefredakteur des Branchenblattes Television Business International Dominik Schreiber, „für eine Applikation müssen direkt drei Versionen angefertigt werden.“ Gerade kommt ein weiterer wichtiger Mitspieler dazu: British Telecom, das Gegenstück zur Deutschen Telekom, hat soeben eine Lizenz erhalten, die es ermöglicht, über 21 Mio. Haushalten Services wie Video on Demand anzubieten.

In Schreibers Sicht hat Deutschlands später Start in das digitale Zeitalter einige Vorteile: „Die frühen Anfänge bei uns haben die verschiedenen Standards verursacht, Deutschland hat nun die Möglichkeit, sich von Anfang an auf ein System zu einigen.“ In England tobt zurzeit ein harter Kampf um die Marktführerschaft, der auch die Frage nach dem Standard entscheiden wird. Aus der Sicht von Martin Pool ist die Entwicklung klar: „Der Schlüssel in UK wird die Marktkontrolle sein. Sky Digital hat mit über fünfeinhalb Mio. Haushalten den größten Markt und kontrolliert den Zugang zu seinen Boxen. Jeder, der eine große Anzahl von Menschen erreichen möchte, muss über Sky gehen.“ ITV macht, so schätzen Insider, monatlich Verluste im sechsstelligen Bereich. Dabei verfügt der digitale Anbieter über 1 Mio. Abonnenten.

In Deutschland dürfte Liberty Media International das Rennen machen. Doch Miranda Curtis, Präsidentin des größten Kabelbetreibers in Deutschland, betonte noch auf dem Münchener Medientagen, dass das Unternehmen in der Aufbauphase keine Set-Top-Boxen nach dem neuen Standard MHP (Multimedia Home Platform) einsetzen werde (siehe VDI nachrichten Nr. 43/26. 10. 01). Durch MHP würden die Boxen um 60 bis 80 Euro pro Stück teurer, argumentiert Curtis. Kaufversionen würden das Geschäft zusätzlich komplizieren, also will Liberty bis zu 10 Mio. Boxen gratis verteilen, der Standard dürfte Liberate heißen, erwarten Experten. Curtis: „Der Kunde soll sich nicht um technische Fragen kümmern.“ Es sei ihm auch nicht zuzumuten, eine Box zu kaufen und ein paar Monate später auf das nächste Modell wechseln zu müssen. Weltweit entwickeln die meisten Programmanbieter bereits Inhalte auf der Basis von Liberate, MHP wird bisher nur von wenigen auch wirklich eingesetzt.

Die Gruppe der Befürworter von MHP ist groß. Auch deutsche Politiker mischen sich in die Diskussion ein. Sie könnten ihren Einfluss geltend machen, denn der Rundfunkstaatsvertrag schreibt vor, neben Kabelplätzen für die öffentlich-rechtlichen Sender ein Drittel der Kapazitäten für ein „vielfältiges Programmangebot freizuhalten.“ Dementsprechende Vorschriften durch die Landesmedienanstalten könnten den wirtschaftlichen Erfolg von Liberty, Ish und Iesy behindern. In diesem Fall könnte sich Liberty-Chef John Malone wieder vom deutschen Markt zurückziehen und sein Rücktrittsrecht von seinen Verträgen mit der Deutschen Telekom nutzen. WILFRIED URBE

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