Medien 05.12.2008, 19:38 Uhr

„Wettbewerb auf Augenhöhe mit der Telekom“  

VDI nachrichten, München, 5. 12. 08, jdb – Der größte deutsche Kabelnetzbetreiber, Kabel Deutschland, sieht trotz Konjunkturkrise optimistisch in die Zukunft. Das Unternehmen werde weiter die Aufrüstung der Infrastruktur vorantreiben, sagte CEO Adrian von Hammerstein im Interview mit den VDI nachrichten. Er schließt zudem nicht aus, dass Telekommunikationsunternehmen Interesse am Kauf der KDG äußern könnten.

v. Hammerstein: Durch die positive Geschäftsentwicklung und die technische Überlegenheit des Kabelnetzes wird Kabel Deutschland für verschiedene Marktteilnehmer zunehmend interessant. Dazu gehören auch Telekommunikationsunternehmen, die über den Einstieg bei einem Kabelnetzanbieter eine eigene Netzinfrastruktur für die letzte Meile zum Kunden erwerben könnten.

VDI nachrichten: Sie fordern immer wieder, ebenso wie der Chef der Unitymedia, Parm Sandhu, eine Konsolidierung der sogenannten Netzebene 3, also der größten deutschen Kabelverteilnetze. Wie soll das praktisch aussehen?

v. Hammerstein: Vor dem Hintergrund der Marktentwicklung wäre eine Konsolidierung beim Kabel sicherlich sehr sinnvoll. Denn mit einer einheitlichen nationalen Vermarktung und entsprechenden Produktangeboten wäre das Kabel als Wettbewerber auf Augenhöhe mit der Deutschen Telekom, die ja auch bundesweit präsent ist. Industriepolitisch würde dieser Schritt den Infrastrukturwettbewerb in Deutschland entscheidend stärken – und das nicht zuletzt zugunsten der Verbraucher. Die technische Umsetzung wäre übrigens kein großes Problem, denn fast alle Netze sind ja aus der ehemaligen Telekom-Infrastruktur entstanden.

VDI nachrichten: In den vergangenen Jahren schien es so, dass die Kabelnetzbetreiber den Marktvorsprung der Telekommunikationsunternehmen bei DSL kaum wettmachen können. Wie sehen Sie heute Ihre Position im Markt?

v. Hammerstein: Wir konnten erst vor rund drei Jahren anfangen, das Kabel rückkanalfähig zu machen und entsprechende Dienste anzubieten. Unser Netz ist aber deutlich leistungsfähiger als das DSL-Netz. Wir bieten 32 Mbit/s im Basispaket, und damit doppelt so hohe Geschwindigkeit wie DSL. Zudem werden wir Docsis 3.0 einführen – mit diesem Standard haben wir 2008 in einem Feldtest in Hamburg schon gezeigt, dass wir mehr als 200 Mbit/s schaffen. Unsere Breitbandinfrastruktur, die den zukünftigen Anforderungen des Marktes auf lange Sicht gewachsen sein wird, ist heute bereits in den Fläche vorhanden – im Gegensatz zu den Glasfasernetzen, bei denen der Ausbau hin zum Endkunden noch ganz am Anfang steht. In den letzten Jahren haben wir hier viel Überzeugungsarbeit geleistet – die Verbraucher wissen jetzt, dass sie über das TV-Kabel auch telefonieren und surfen können – und das zu besonders günstigen Preisen.

VDI nachrichten: Aber für interaktive Zusatzdienste muss das Netz aufgerüstet werden …

v. Hammerstein: Die Aufrüstung unserer Infrastruktur, die Voraussetzung für interaktive Angebote wie Internet und Telefon ist, haben wir zu 75 % abgeschlossen. Und wir werden weiter in die Modernisierung und Aufrüstung des Netzes investieren.

VDI nachrichten: Mit dem so genannten Triple Play, also den Kombiprodukten mit TV, Telefonie und Internet, holen Sie zahlreiche neue Kunden, inzwischen zählen Sie mehr als 1 Mio. Abonnements in diesem Bereich. Wird Ihr Kerngeschäft Fernsehen bald zur Nebensache?

v. Hammerstein: Nein, Fernsehen bleibt Kerngeschäft unseres Unternehmens. Aber auch hier wollen wir uns vom Wettbewerb absetzen. Wir bieten unseren Kunden deshalb neben analogem und digitalem Fernsehen auch innovative Dienste wie den digitalen Videorekorder, Pay-TV und Pay-per-View, sowie nicht zuletzt hochauflösendes Fernsehen.

VDI nachrichten: Trotzdem liegt die Digitalisierungsquote der KDG erst bei 20 %. Wird es nicht Zeit für die Abschaltung der analogen Signale?

v. Hammerstein: Ein Wechsel von analogem zu digitalem Kabelfernsehen muss sich am Markt orientieren. Es gibt nach wie vor sehr viele Kunden, die die Einfachheit des analogen Angebots schätzen, das gilt übrigens auch für die Wohnungswirtschaft. Gleichwohl haben wir bei der Digitalisierung seit 2006 sehr viel geschafft. Dort, wo wir unsere Endkunden direkt erreichen, sind wir bereits bei 24 % Digitalisierungsquote und wollen bis zum Jahr 2010 36 % erreichen. Wenn man die Internetnutzer hinzu zählt, die ja auch einen digitalen Dienst in Anspruch nehmen, beträgt unsere Digitalisierungsquote heute sogar schon 30 %. Und unsere Infrastruktur bietet zum Glück genügend Bandbreite, um analog und digital nebeneinander zur Verfügung zu stellen.

VDI nachrichten: Bislang galten Satellitenanbieter als Ihre größten Konkurrenten, wie sehen Sie hier die Marktsituation?

v. Hammerstein: Der Satellit hat von Haus aus keine interaktive Infrastruktur. Wir sehen aber im gesamten Kundenspektrum, dass Interaktivität immer wichtiger wird. Hier erarbeiten wir uns zunehmend Wettbewerbsvorteile gegenüber dem Satelliten.

VDI nachrichten: Bislang sind die Versuche der Telcos, ihren Kunden neben Telefonie und Internet auch noch Fernsehen anzubieten, mäßig erfolgreich. Welche Entwicklung erwarten Sie hier?

v. Hammerstein: Heute sind die Telcos in diesem Markt für uns noch keine großen Wettbewerber, aber perspektivisch sind sie absolut ernst zu nehmen. Für uns ist der Einstieg in die neuen Geschäftsfelder allerdings einfacher, denn beim Internet ist im Gegensatz zum Fernsehmarkt noch keine Sättigung erreicht. Zudem müssen sich die Telekommunikationsgesellschaften im TV-Geschäft in einem Feld etablieren, in dem die Umsätze pro Kunde (ARPU) relativ niedrig sind, bei uns ist das im Triple-Play genau anders herum.

VDI nachrichten: Wenn es alles so gut läuft, und die neuen Dienste auch viel technische Betreuung am Kunden erfordern, wieso entlassen Sie dann gerade mehr als 200 Techniker?

v. Hammerstein: Unser Geschäft ist extrem wettbewerbsintensiv. Um weiter ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten zu können, überprüfen wir ständig unsere Kostenstrukturen. Im Bereich der Entstörung, und um den geht es hier, haben wir bislang bereits die Hälfte der Aufträge extern vergeben, nun lagern wir diesen Bereich komplett aus. Der Kunde wird von dieser Veränderung nichts spüren.

VDI nachrichten: Halten Sie denn vor dem Hintergrund der Finanzkrise an Ihren ehrgeizigen Prognosen fest? Welche Auswirkungen wird die Konjunkturschwäche auf Ihr Geschäft haben?

v. Hammerstein: Wir glauben, dass wir uns in einer relativ wenig konjunkturanfälligen Branche bewegen. Denn wenn das Einkommen eines Haushalts zurückgeht, wird eher der Restaurantbesuch oder das Kino gestrichen – die TV-Nutzung dagegen nimmt vielleicht sogar zu. Auch bei Internet und Telefonie könnten wir profitieren, denn mit unseren Angeboten lässt sich ebenfalls einiges Geld in der Haushaltskasse einsparen. Natürlich werden wir von einem konjunkturellen Abschwung ebenfalls betroffen sein. Aber wir halten an unseren Prognosen für das laufende Geschäftsjahr fest: Wir werden bis zu 400 Mio. € investieren, erwarten ein Umsatzplus von 15 % bis 20 % und ein EBITDA, das oberhalb von 550 Mio. € liegen wird. SIMONE FASSE

Von Simone Fasse

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