Medien 28.04.2000, 17:25 Uhr

„Wer in diesem Netzwerk nicht mitmacht, ist tot.“

Gleich und Gleich gesellt sich gern – gerade in der globalen Medienwirtschaft erhält dieses Sprichwort immer größere Bedeutung. Entsprechend eng arbeitet der italienische Medienunternehmer und Politiker Silvio Berlusconi mit seinem deutschen Pendant Leo Kirch zusammen.

Die besten Geschichten schreibt das Leben. Und seine ist ein echter Krimi: Berlusconi unter Betrugs-Verdacht, Berlusconi in Korruption verwickelt, Berlusconi freigesprochen. Der Romanheld ist Silvio Berlusconi – italienischer Medienunternehmer und politischer Oppositionsführer der Forza Italia, der noch heute unter dem Verdacht steht, er habe sein Imperium auf unsaubere Machenschaften und Schmiergeld aufgebaut.
Schneller als erwartet hätte genau dieser Silvio Berlusconi die Regierungsgeschäfte in Italien übernehmen können. Denn nach dem Erfolg der Forza bei den jüngsten Regionalwahlen trat Ministerpräsident Massimo D“Alema ab – und überließ seinem Mitte-Links-Bündnis die Suche nach einem Nachfolger. Hätte D“Alemas Partei keinen geeigneten Kandidaten stellen können, wären vorzeitige Neuwahlen für das Amt des Regierungschefs möglich gewesen – und somit auch ein Wahlsieg Berlusconis. Doch der neue Ministerpräsident heißt nicht Silvio Berlusconi, sondern Guilano Amato.
Italien liegt in Zeiten von globalen Fusionen und Vernetzungen vor der Haustür. Vor allem der Weg nach München ist nah, wo einer der mächtigsten Partner von Berlusconi zu Hause ist: der deutsche Medienmogul Leo Kirch (73). Geschäftlich ist Kirch mit Berlusconi über die Beteiligung an der Fininvest-Tochter Mediaset (siehe Kasten) verbandelt. Privat gehört Kirch seit langem zu den engsten Vertrauten Berlusconis.
Ganz im Gegensatz zu seinem italienischen Pendant scheut Kirch die Öffentlichkeit. Sein riesiges Medienimperium glich lange Zeit einem undurchdringlichen Dickicht aus Beteiligungen und Finanzverbindungen aus mehr als 50 Tochterfirmen, das keiner so recht durchschauen konnte. Kirch agierte stets im Hintergrund. Nie war klar, mit wem genau er gerade in Verhandlungen steht, er präsentierte stets nur das Ergebnis.
Kirch und sein Medien-Imperium aus Filmhandel, Lizenzrechten und diversen Firmenbeteiligungen könnte für Berlusconi nun zum Schlüssel für seine weitere politische Karriere werden. Denn noch immer muss sich Berlusconi den Vorwurf gefallen lassen, dass er in einem Interessenkonflikt zwischen Medienbeteiligung und Oppositionsführerschaft steht. Berlusconi gilt in Italien als der Gründer des Privatfernsehens, seit Beginn der 80er Jahre besitzt er drei Fernsehanstalten.
Dieses Kapital reizte er in den vergangenen Wahlkämpfen bis zuletzt aus, denn bis zum Frühjahr war jede Wahlwerbesendung für die Politiker nur gegen bare Münze zu haben. Entsprechend massiv ließ Berlusconi sein Fernsehpublikum mit Spots berieseln, die der Forza Italia zum Sieg verhelfen sollten. Inzwischen muss sich jedoch auch der einflussreiche Magnat einer Gesetzesänderung fügen, die jeder Partei von jetzt an kostenlose Wahlwerbespots zusichert – wie bereits in Deutschland oder Frankreich der Fall.
Berlusconi gerät nun immer stärker unter Druck. Will er sich nach der nächsten Parlamentswahl zum Ministerpräsidenten ernennen lassen, muss er wohl oder übel zuvor seinen Fininvest-Konzern entflechten oder umstrukturieren. Fabio Mussi, Fraktionsvorsitzender der Linksdemokraten brachte die Kritik an Berlusconi im Wahlkampf auf den Punkt: „Sie verkörpern die größte Konzentration wirtschaftlicher, medialer und politischer Macht.“ Tatsächlich nennt der italienische Oppositionsführer nicht nur die drei größten Fernsehanstalten des Landes, sondern zahlreiche Immobilien- und Baufirmen sowie eine Supermarktkette und den Verlag „Mondadori“ sein eigen.
Ein wichtiger Schritt also, um seine politische Karriere weiter voran zu bringen, könnte für Berlusconi der Verkauf seiner Fernseh-Beteiligungen sein. Der australische Medienriese Rupert Murdoch hat schon länger Interesse an dem ertragreichen Fernsehveranstalter Mediaset bekundet, stößt dabei jedoch auf Widerstand bei Berlusconi-Tochter und Fininvest-Präsidentin Marina. Diese hält große Stücke auf Leo Kirch, den Vertrauten ihres Vaters, der ebenso an einer Umstrukturierung seines Konzernes arbeitet. So wurde im vergangenen Jahr eine deutsch-italienische Allianz besiegelt, in der die Fernseh-, Film- und Werbegesellschaften der beiden Konzerne zusammengefasst wurden. Die Allianz mit dem neuen Namen „Epsilon Mediagroup“ steht auf den drei Säulen Beta Film (Produktions- und Rechtebereich), ETN (Senderbeteiligungen) und PubliEuros (Vermarktung von Werbezeiten und Programmumfeld). Der Geschäftsführer der Mediaset, Maurizio Carlotti, hält die Allianz mit dem Kirch-Konzern für eine grandiose Idee. Der europäischen Konkurrenz drohe ein schreckliches Ende: „Wer bei unserem Network nicht mitmacht, ist tot“, sagte der Geschäftsführer der TV-Holding zu einer deutschen Zeitung.
Eine weitere Möglichkeit, um den Makel der Mehrheitsbeteiligungen abzuschütteln, wäre ein Börsengang der Fininvest-Gruppe oder einer neuen Holding. Bisher galt jedoch stets die Devise, dass sich Berlusconi nicht von der Familienholding trennen wolle. Denkbar ist nun, dass Berlusconi einen Teil seiner Anteile an seinen Sohn Piersilvio oder seinen Bruder Paolo übergibt. Paolo Berlusconi ist bereits als Verleger im Konzern tätig, ebenso wie die Kinder längst in die Strukturen des Unternehmens eingebunden wurden. Eine weitere Gemeinsamkeit, die Berlusconi und Kirch verbinden, denn auch Leo Kirch arbeitet eng mit seinem Sohn Thomas zusammen.
„Kirch ist ein Mann, dessen Wort so viel gilt wie ein Vertrag“, pflegt Marina Berlusconi über den Freund ihres Vaters zu sagen. Und genau dieser Freund spendet einem anderen engen Freund und Vertrauten, dem deutschen Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl, im Zuge der geradezu legendären Spendenaktion Kohls für die CDU eine runde Million DM. Immer wieder wurden Spekulationen laut, nach denen vielleicht Leo Kirch auch einer derjenigen Spender gewesen sein könnte, die Helmut Kohl in seiner Amtszeit die dubiosen Spenden zukommen ließen. Der ehemalige Mailänder Staatsanwalt Di Pietro ging vor deutschen Medien sogar noch einen Schritt weiter und schloss einen Zusammenhang zwischen CDU-Parteispendenskandal und italienischer Korruptionsaffäre nicht aus. SIMONE ZELL
Silvio Berlusconi (64): Der mächtigste italienische Medienunternehmer strebt das Amt des Ministerpräsidenten an. Für seine weitere politische Karriere könnte sein deutscher Freund Leo Kirch entscheidend sein.

Silvio Berlusconi

ist einer der mächtigsten Medienunternehmer der Welt. Der 64-Jährige besitzt u. a. die drei größten Fernsehstationen des Landes (Rete 4, Canal 5 und Italia 1). Er ist Gründer und Mehrheitsaktionär der Fininvest-Holding, zu der die Fernsehgruppe Mediaset gehört. Berlusconi ging vor acht Jahren in die Politik und strebt das Amt des Ministerpräsidenten für die Forza Italia an. zel

Von Zel

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