Medien 06.04.2007, 19:27 Uhr

Wenn plötzlich alle Fernsehen machen können  

Die Digitalisierung revolutioniert die Medienwelt und lässt die Grenzen zwischen Fernsehen und Internet verschwinden. Chancen und Herausforderungen des neuen Medienzeitalters waren Thema der 40. Mainzer Tage der Fernsehkritik.

Die Dynamik der zweiten digitalen Welle besitzt die Durchschlagskraft und die Veränderungsmacht eines fundamentalen Paradigmenwechsels“, betonte ZDF-Intendant Markus Schächter auf den 40. Mainzer Tagen der Fernsehkritik Ende März. Fernsehen bleibe zwar Fernsehen, so der Intendant, aber mit neuen Programmoptionen. Schächter sieht die Entwicklung jedoch nicht als Bedrohung, sondern als Chance, seinen Sender als „Leuchtturm“ mit mehr und vor allem besseren Inhalten in der Medienwelt der Zukunft zu platzieren. „Fernsehen muss auf dem PC, auch auf Handy, und zwar live und auf Abruf empfangbar sein“, weiß Schächter vor allem mit Blick auf die jüngeren Zuschauer.

Rund 2000 Magazinbeiträge, 400 Dokumentationen und 150 fiktionale Angebote im Jahr sowie täglich zwölf Nachrichtensendungen strahlt das ZDF derzeit aus. Ein Viertel dieses Angebots steht seit zwei Jahren in der Mediathek auf Abruf bereit, z. B. der Kriminaldauerdienst, den der Sender bereits 24 Stunden vor Sendebeginn ins Netz stellt, „als Vollbild mit Fernsehqualität für PC, Fernseher und mobile Endgeräte“, wie ZDF-Medienforscherin Beate Frees erklärte. In diesem Zeitraum finden nach Frees Angaben bereits 65 % der Abrufe statt. Die Hälfte der Nutzer ist jünger als dreißig.

Die Öffentlich-Rechtlichen haben die Zeichen der Zeit erkannt. Doch die Konkurrenz nähert sich von allen Seiten. „Die großen Telekommunikations- und Dienstleistungsunternehmen betreten die Plattform“, erklärte Medienforscher Otfried Jarren. Immer mehr Anbieter, immer mehr Formate prognostiziert der Experte aus Zürich für die Zukunft. So hat nicht nur Google die Videoplattform YouTube gekauft, um sich schon jetzt audiovisuelle Inhalte zu sichern, wenn die textbasierten nicht mehr ausreichen. Auch die Telekom dränge mit Triple-Play-Angeboten auf den Fernsehmarkt.

Vor sechs Monaten ist T-Home in zwölf Großstädten mit einem Paket aus digitalem Fernsehen mit mehr als 130 Sendern, Video-on-demand und einem schnellen Internetzugang gestartet. „Wir stehen erst am Anfang“, sagte Marc Schröder, bei T-Online für das Marketing verantwortlich. Bis Ende diesen Jahres will das Unternehmen bereits rund 17 Mio. Haushalte erobern. Dieses Ziel hat Kabel Deutschland mit rund 15 Mio. Haushalten und mehr als 160 000 Kunden, die Fernsehen, Telefon und Internet über die einstige Telekom-Tochter beziehen, schon jetzt beinahe erreicht.

Im Krieg der Plattformen dürfe das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht zum Verlierer werden, forderte ZDF-Intendant Schächter und verlangte politische Initiative, um Infrastruktur und Nutzung zu trennen. Dies jedoch dürfte schwierig werden angesichts der Flut von Angeboten, die sich überall im Netz auftun. 750 000 Haushalte sind z. B. Dauergast beim Kölner Lokalsender Center TV. Im Oktober 2005 auf Sendung gegangen, erreicht das Programm, das über Fernsehen und Internet läuft, die Region um Köln, Bonn und Leverkusen und ausgewanderte Rheinländer in der ganzen Welt. „Emotion und Heimat“, berichtete Geschäftsführer Andre Zalbertus, „stehen für uns ganz im Vordergrund.“ Mehr „good news als news“ heißt das Erfolgsrezept. Es geht um den 1. FC Köln, um Karneval und um das, was in den Stadtteilen passiert. Im Videoarchiv ist die Neujahrsansprache von Joachim Kardinal Meisner abrufbar, der der Community vor brennender Kerze ein „glückseliges neues Jahr“ wünscht.

Dass Fernsehen auch mit wenig Geld funktioniert, will Zalbertus, der 2002 die erste Videojournalistenausbildung in Deutschland initiiert hat, zeigen: eine Kamera, eine Schnittsoftware und schon läuft der Film. Ist die Geschichte gut, sei Technik nicht so wichtig, so Zalbertus. „Man verzeiht dem Netz vieles, was man Liveprogrammen nie verzeihen würde“, beobachtete auch der Chefredakteur von Focus Online, Jochen Wegner. „Das ist eine neue Zeit, die da anbricht.“ Rund 200 Videoplattformen gibt es nach seiner Schätzung derzeit in Deutschland. Gezeigt werden etwa auf dem Portal von MyVideo nicht nur selbst gedrehte Videos. Nutzer entwickeln, produzieren und senden – praktisch aus dem Wohnzimmer – ihre eigenen Formate und gehen damit regelmäßig „auf Sendung“.

1500 Zuschauer pro Tag erreicht der 18-jährige Axel mit seinem Magazin „Axel TV“ über die Plattform Seven- load. Toni Mahoni, RobVegas und Jens Uwe Reichart heißen die neuen Internetstars, unter denen das über Spiegel- online abrufbare Format „Ehrensenf“ – eine rund vierminütige Nachrichtenparodie – schon zu den Klassikern zählt. Die Fangemeinden werden immer größer. Wer unter den Kreativen sein Talent schon im Netz zur Schau stellen kann, hat nach Meinung der Fachleute riesige Chancen irgendwann für das wirkliche Fernsehen entdeckt zu werden: „Online-Video-Plattformen“, so Wegner, “ werden die Sandkästen der TV-Sender werden.“

Werden in Zukunft „Massen für Massen“ Fernsehen machen, wie es ProSiebenSat1-Vorstand Marcus Englert zugespitzt formulierte? Fernsehen jedenfalls, so sind Englert wie auch Schächter überzeugt, werde durch diesen Trend nicht ersetzt. Doch besonders die öffentlich-rechtlichen Sender, so mahnte Medienexperte Jarren, müssten neue Netzwerkfähigkeiten erreichen, neue Beziehungen zu ihren Zuschauern aufbauen und mehr Einfluss des Publikums auf das Programm zulassen, wenn sie nicht irgendwann „sehr alt“ aussehen wollten: „Die alten Akteure können ein Wörtchen mitreden, wenn sie den Wandel mit gestalten.“ JUTTA WITTE

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