Medien 29.11.2002, 18:22 Uhr

Web-Sauger setzen Labels unter Druck

Sie heißen Saugstube.com, E-Donkey oder Kazaa, die neuen Feinde der Unterhaltungsindustrie. Im Schneeballsystem werden Millionen von Film-, Musik- und Spieledateien via Filesharing im Web verteilt. Die Entertainment-Branche ist hilflos und reagiert mit verschärftem Kopierschutz und kostenpflichtigen Modellen. Doch das wird die Probleme nicht lösen, warnen Experten.

Ein ganz normaler Sonntag in Duisburg. Hans Ü. (Name von der Redaktion geändert) schlurft in die Küche und holt sich ein Glas Wasser. Während sich Hans einen gemütlichen Nachmittag gönnt, leistet sein Computer bereits seit Stunden Schwerstarbeit. Denn wie an jedem Tag ist in der Wohnung des 30-jährigen Sozialarbeiters „saugen“ angesagt. Dicke Dateien warten im Web darauf, von Hans heruntergeladen und auf CD- oder DVD-Rohlinge gebrannt zu werden.
Unzählige Streams, Screens und Rips, so die Fachbegriffe für kopiertes oder abgefilmtes Material, zieht sich der Technik-Freak aus dem Netz. „Er weiß schon selbst nicht mehr, was er alles heruntergeladen hat“, sagt seine Freundin Babette. „Ihre“ 10 GByte auf Hans“ 80-GByte-Festplatte sind für die komplette Edition der Jugendkrimis „Drei Fragezeichen“ reserviert. Ihr Freund dagegen sammelt alles, eine alte Gewohnheit, noch von früher. Mit dem kleinen Unterschied, dass seine Sammelleidenschaft inzwischen so manchem Medienmanager schlaflose Nächte beschert.
Das Prinzip heißt Filesharing und ist eigentlich eines der ganz alten Grundprinzipien der Online-Gemeinde. User stellen ihre Inhalte dabei kostenlos anderen Usern zum Tausch zur Verfügung. Mit einer bestimmten Software, die sie auf den einschlägigen Portalen wie Saugstube.com mit E-Donkey oder E-Mule finden, können sie einen Teil ihrer Festplatte „öffnen“, d. h. ein Verzeichnis definieren, in dem künftig Mediendaten zum Tauschen zur Verfügung stehen. So entsteht ein Netz aus sog. Clients und Servern, die sich gegenseitig Zugriff auf ihre Daten gewähren. Dabei ist es beinahe Ehrensache, nicht mehr zu ziehen, als man selber gibt.
Der Knackpunkt: Mit jeder kopierten CD, die ins Netz gestellt wird, oder die aus den gezogenen Daten gebrannt wird, werden die Urheberrechte von Künstlern oder Entertainment-Firmen verletzt. Zwar weisen die Portalbetreiber ausdrücklich darauf hin, dass die Urheberrechte beachtet werden sollten, doch private Sicherheitskopien von Originalquellen sind immer zulässig, und sollen es auch künftig bleiben. Und genau durch dieses Schlupfloch zieht sich der Strom von Millionen von Daten.
Ebenfalls unter dem Deckmantel der so erstellten Sicherheitskopien nehmen es sich sogar „seriöse“ Fachblätter und Web-Foren heraus, Ratschläge zum erfolgreichen Saugen und Brennen zu geben. „Das geht einfach nicht“, schimpft Carl Mahlmann, Director Business Planning für EMI Music. Er fordert eine neue Medienethik.
Doch damit ist es wohl nicht getan, denn mit jedem Tag wird das Problem größer. Viele Unternehmen sehen ihre Existenz gefährdet. Allein die Tonträger-Industrie rechnet für das Jahr 2002 mit einem Umsatzrückgang um 15 %. Sie reagiert mit neuen Kopierschutz-Varianten, so wie Sony, oder mit neuen Portalen, so wie Universal: 43 000 Songs für 99 Cent zum Download wurden in dieser Woche geöffnet. Auch EMI arbeitet fieberhaft an neuen Portal-Modellen und versucht zudem, Software- und Geräte-Entwickler zusammenzubringen, um den Kopierschutz zu verbessern – ohne dass die Abspielbarkeit leidet. Die Hollywood-Studios schickten gerade das kostenpflichtige Portal „Movielink“ ins Rennen.
„All das wird die Leute nicht abhalten“, erwartet Hans. Heavy User würden immer einen Weg finden, die Sachen ins Netz zu stellen oder das Gewünschte im Web zu finden.
„Erst mit ausgereiftem Digital Rights Management wird die Vermarktung online klappen“, sagt Bertold Heil, Head of Segment für den Bereich Broadcasting, Media and Online Entertainment der Detecon International. Zusammen mit Diebold entstand die Studie „p2p – die Hoffnung stirbt zuletzt“, in der die Experten das Thema aufarbeiten. „Die Unternehmen sollten das Phänomen akzeptieren und es aktiv in ihre Markt- und Kundenkommunikation einbinden“, so Heil.
Stattdessen stöhnen die Medienkonzerne – und warnen. Denn nicht nur Madonna oder Dieter Bohlen fehlt das Geld. Letztlich trifft es kleine Newcomer-Bands, die nicht mehr durch die erfolgreichen CDs der Megastars oder sog. Blockbuster im Filmbereich quersubventioniert werden. Auf der anderen Seite schwindet das Ansehen vieler Musiker und Hits, die oft austauschbar scheinen. Zudem wächst die Konkurrenz um das Budget der Kunden.
Dass sich vor diesem Hintergrund die Preispolitik der Anbieter vielleicht schon länger nicht mehr mit der Kaufbereitschaft der Kunden deckt, oder dass manche Marketing-Aktion der Vergangenheit unnötig war, also auch die Majors Fehler gemacht haben, davon will EMI-Manager Mahlmann nichts wissen. „Wir werden uns doch nicht einem Angebot anpassen, das von Diebstahl geprägt ist“, so Mahlmann. Die Preise seien gerechtfertigt, oder man müsse Jobs und Angebote zusammenstreichen. SIMONE ZELL

Rechtslage
Alles total (l)egal ?!?
Die Gesetzgebung ist im Hinblick auf die Vervielfältigung von digitalen Inhalten längst nicht ausgereift. Gerade arbeitet die Bundesregierung an der Umsetzung der EU-Richtlinie. Laut Entwurf sind Privatkopien weiter erlaubt – Organisationen wie der Deutsche Multimedia Verband (dmmv) oder Bitkom protestieren. Der Bitkom setzt sich seit längerem für individualisierte Abgaben und Lizenzen ein, der dmmv fordert, die Rechtsgrundlagen zu Gunsten der Anbieter von digitalen Inhalten zu reformieren.
Rock-Sänger Eroc kämpft derzeit juristisch gegen den Musikkonzern Universal. Er wehrt sich dagegen, dass seine Vinyl-Aufnahmen ohne Anpassung seiner Vergütung digitalisiert werden. Der Prozess könnte Signalcharakter haben. Einen Erfolg feierte BMG in dieser Woche. Die Bertelsmann-Tochter gewann in der ersten Instanz gegen einen Unternehmer, der die Vervielfältigung von CDs im Copyshop angeboten hatte. zel

Filesharing
Der Tausch von Peer-to-Peer
Napster ist tot, es leben Madster, Gnutella, Kazaa und all die anderen Börsen, die User im Netz zusammenbringen, um Daten dezentral „Peer to Peer“ (p2p) zu tauschen. Zwar haben Gerichte den Pionier Napster, der auch eine zentrale Datenbank nutzte, gestoppt. Doch das Phänomen p2p hat nicht zuletzt durch verbesserte Breitband- und Brennertechnologien neue Dimensionen erreicht. zel

Von Simone Zell

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