Medien 23.06.2000, 17:25 Uhr

Vom weißen Ritter zum Medienkönig

Vorstandschef Jean-Marie Messier baut den Mischkonzern Vivendi vom Versorger- zum Medienkonzern um. Neuester Coup ist die Fusion mit Seagram.

Es ist noch gar nicht so lange her, da machte Vivendi-Chef Jean-Marie Messier (43) in Deutschland Schlagzeilen. Im Übernahme-Kampf zwischen dem deutschen Traditionsunternehmen Mannesmann und der britischen Vodafone Airtouch PLC hofften viele auf Messier, der als „weißer Ritter“ gehandelt wurde – als derjenige, der durch eine Partnerschaft mit Mannesmann die Übernahme durch die Briten verhindern könnte. Doch es kam anders: Messier schmiedete plötzlich eine strategische Internet-Allianz mit Vodafone und wurde so zum Zünglein an der Waage. Jetzt macht er wieder von sich Reden: Gerade hat er sich mit dem weltgrößten Musikunternehmen Seagram und der Fernsehgesellschaft Canal Plus auf eine Dreierfusion geeinigt.
Jean-Marie Messier will zum Medienkönig aufsteigen – und das um jeden Preis. In Deutschland legte der 43-jährige Franzose dafür bereits einige Grundsteine. Schon 1992 trat Vivendi in Deutschland als potentieller Medienkonzern auf, damals noch unter dem Namen Compagnie Générale des Eaux. Die Gesellschaft beteiligte sich über eine hundertprozentige Tochterfirma an den Filmstudios in Babelsberg und treibt den dortigen Ausbau zur Medienstadt voran. 1999 trat Messier in Berlin im Konsortium mit RWE und dem Versicherungsriesen Allianz auf, um 49,9 % an den Berliner Wasserbetrieben (BWB) zu übernehmen. Die Chance zur Beteiligung am Berliner Wasser war dem Vivendi-Chef dabei eine Finanzspritze für das Rundfunkarchiv „Deutsche Mediathek“ wert, die im kommenden Jahr am Potsdamer Platz eröffnet werden soll.
Vivendi-Universal soll nun das neue Konstrukt heißen, das nach der Genehmigung durch die Kartellwächter zum zweitgrößten Unterhaltungskonzern der Welt aufsteigen dürfte. De facto ist die Fusion eine Übernahme Seagrams durch Vivendi via Aktientausch darstellt. Vivendi werde 0,7 eigene Aktien für einen Seagram-Titel bieten, so Messier.
Vivendi, das sind vor allem Wasser- und Energieversorgungsunternehmen, aber auch der französische Verlag Havas, 49 % der Fernsehstation Canal Plus (die restlichen 51 % sollen im Zuge der Fusion zugekauft werden), der zweitgrößte französische Mobilfunk-Anbieter Cegetel und zahlreiche Beteiligungen an Internet-Firmen. 265 000 Beschäftigte in 100 Ländern zählen zur Vivendi-Familie. Gerade hat der Großkonzern zusammen mit Vodafone ein Internet-Portal namens Vizzavi gegründet, das europaweit mehr als 70 Mio. Mobilfunk-Kunden anziehen soll.
Messiers Vision ist der integrierte Medienkonzern: Vivendi soll als universeller Dienstleister alle Aktivitäten der Konzerntöchter miteinander verschmelzen – Telefondienste, Reisebuchungen über das Internet, Pay-TV, Tageszeitungen. Seine Devise lautet: „Um zu überleben, muss man nicht der Intelligenteste oder Stärkste sein, sondern der Anpassungsfähigste“. Dafür werden nun auch rentable Kerngeschäftsfelder den Zukunftsvisionen geopfert, beklagen Finanzexperten.
Seagram kommt Messier für die Umsetzung dieser Strategie gerade recht, denn der US-Konzern kann vor allem eines bieten: interessante Inhalte. Die Musiksparte Universal Music hat inzwischen in Seagrams Bilanz weit größere Bedeutung erlangt als die bekannten Filmproduktionsstätten Universal Studios und die dazu gehörigen Filmparks. Zum Portfolio des kanadischen Unternehmens zählen darüber hinaus auch Getränke-Marken wie der Whisky Chivas Regal oder Absolut Wodka, die nach der Fusion jedoch abgestoßen werden sollen.
„Es ist eine Fusion unter fast Gleichen“, kommentiert Seagram-Chef Edgar Bronfman den Zusammenschluss. Er wird Vizepräsident bei Vivendi-Universal. Die Manager wollen den Konzern in die Sparten Medien- und Kommunikation sowie Umweltmanagement aufsplitten. Vivendi-Universal wird dabei als Holding mit Sitz in Paris fungieren. Canal-Plus Chef Pierre Lescure wird die Media-Aktivitäten steuern, die Umwelt- sparte wird separat an der Börse platziert.
Schwere Konkurrenz kommt da für den jüngst geschmiedeten Medienriesen AOL/Time Warner auf. „Erstmals wird es in Europa einen Kommunikationskonzern geben der groß genug ist, um mit den Giganten in den USA zu konkurrieren“, sagte Messier in Paris. Konkurrenz bekommt auch der deutsche Medienriese Bertelsmann und sein ehrgeiziger Vorstandsvorsitzender Thomas Middelhoff. Der hatte noch im Frühjahr verkündet, zusammen mit Seagram, Sony oder EMI zum weltweiten Marktführer in der Musikbranche aufsteigen zu wollen. Nach dem Zusammenschluss von AOL und Time Warner zu Beginn des Jahres kann die Gründung von Vivendi-Universal nun als weiterer Rückschlag für Middelhoff gewertet werden. Wie lange Bertelsmann noch zu den „Big Five“ der globalen Medienkonzerne gehören wird, ist fraglich, denn die Zahl derer, die für eine Allianz in Frage kommen, wird immer überschaubarer. Zudem zeigt sich erneut, dass die Geschäfte auf dem internationalen Parkett heute über einen Aktientausch abgewickelt werden – und dabei sind Middelhoff, der nach Vorgabe der Bertelsmann-Gründerfamilie Mohn die Kerngeschäfte nicht an die Börse bringen darf, die Hände gebunden.
Jean-Marie Messier geht dafür zunächst als Sieger vom Platz. Und das wohl nicht zum letzten Mal. So haben Messier und der australische Medienmogul Rupert Murdoch beretis laut über eine engere Zusammenarbeit nachgedacht. Vivendi hält den zweitgrößten Teil des Aktienpakets an Murdochs britischem Pay-TV-Sender BSkyB. Murdoch und Messier wollen wahrscheinlich gemeinsam ihre Internet- und Pay-TV-Aktivitäten ausdehnen – in ganz großem Stil, versteht sich. Die Börsenwelt konnte sich bisher mit Messiers Strategie noch nicht so recht anfreunden – sie quittierte die Absage an die Kerngeschäftsfelder bisher mit fallenden Kursen. SIMONE ZELL
Vivendi-Chef Jean-Marie Messier treibt den Konzernumbau in Richtung Medienunternehmen voran. Seine Devise: „Um zu überleben, muss man nicht der Intelligenteste oder Stärkste sein, sondern der Anpassungsfähigste.“
Die Filme von Universal zählen neben der Musiksparte zu den Seagram-Perlen.
An der Medienstadt Babelsberg ist Vivendi über eine hundertprozentige Tochter beteiligt. Trotz einiger Querelen blieb das Engagement seit 1992 bestehen.

Von Simone Zell

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