Medien 02.08.2002, 18:21 Uhr

Visionen sind in der Medienbranche nicht mehr gefragt

Für Visionäre scheint es in der Medienbranche keinen Platz mehr zu geben, Eigner und Aktionäre der großen Unternehmen haben die Geduld für die Pläne ihrer ehrgeizigen Manager verloren. Die neue alte Strategie in der Kommunikationsbranche heißt nun: zurück zum Kerngeschäft.

Thomas Middelhoff war in seiner Zeit als Bertelsmann-Chef immer für eine Überraschung gut: So kaufte er sich kurzerhand in die Musiktauschbörse Napster ein, als andere noch damit beschäftigt waren, gegen den unliebsamen Internet-Konkurrenten zu klagen. Ebenso überraschend verkündete er den Einstieg des belgischen Investors Groupe Bruexelles Lambert (GBL), der es möglich macht, den Konzern bis zum Jahr 2005 an die Börse zu führen.
Mindestens genauso überraschend kam am vergangenen Wochenende allerdings auch die Nachricht vom Ende der Ära Middelhoff bei Bertelsmann. Der Aufsichtsrat hatte den Erfolgsmann mit dem Hang zu großen Deals aus seinem Amt entlassen. Unter anderem soll es Unstimmigkeiten über den geplanten Börsengang gegeben haben, sagen Branchenbeobachter. So habe Mehrheitseigner Reinhard Mohn und seine Ehefrau Liz nicht gewollt, dass der Konzern seine Souveränität einbüße und der Shareholder Value in den Vordergrund rückt.
So wie Thomas Middelhoff ging es in den vergangenen Wochen einigen Machern in der Medienbranche – vor allem denen, die sich wegen ihrer ehrgeizigen Projekte und Visionen einen Namen gemacht haben. Jean-Marie Messier z. B. scheiterte bei seinem Versuch, den Mischkonzern Vivendi zum Medienkonzern umzubauen. Verluste in Millionenhöhe machten die Aktionäre nervös und Messier zum Ex-Manager. Ebenso wie der ehemalige AOL-CEO Robert Pittman stolperte Messier bei seinem Vorhaben, die alten und die neuen Medien zu verschmelzen – und musste ebenso wie Pittman vor knapp einem Monat seinen Hut nehmen. Und nicht zuletzt Telekom-Chef Ron Sommer trug sich in die Liste derer ein, die aufstrebende Pläne in Richtung Medienhaus und global agierendem Unternehmen nicht mehr vor den Controllern rechtfertigen konnten.
All diese Fälle zeigen: In Zeiten von Konjunkturkrise und Börsenflaute wird Abstand genommen von den einst gepriesenen Internetgeschäften. Vorbei ist die Zeit der Spitzenmanager, die in die Konvergenz der Medien investieren und die Marke in möglichst viele Länder der Welt tragen. Die neue Zielrichtung heißt statt dessen: zurück zum Kerngeschäft. Der Shareholder Value verträgt sich nicht mehr mit Investments in neue Medien, die bisher vor allem Verluste eingefahren haben.
Beispiel Telefónica: Als Juan Villalonga Ende 1999 begann, aus der spanischen Telefongesellschaft Telefónica einen internationalen Kommunikationskonzern zu machen, war er ein viel bewunderter Visionär. Mit dem gerade geschassten Bertelsmann-Lenker Thomas Middelhoff knüpfte er sogar zahlreiche Allianzen. Seinem Nachfolger im Chefsessel, César Alierta, hat die schnelle Expansionspolitik Villalongas dagegen nie gefallen. Wegen des Drucks auf die Aktie, der ihn seinen Kopf kosten könnte, hat der seit Sommer 2000 amtierende Telefónica-Präsident nun den Rückzug aus den Geschäftsfeldern Medien und Internet angekündigt, auch die TV-Produktionsfirma Endemol dürfte es dabei treffen.
Dem neuen Bertelsmann-Chef, dem promovierten Maschinenbauer Gunter Thielen eilt ebenfalls der Ruf voraus, eine etwas konservativere Unternehmenspolitik zu verfolgen. Beteiligungen wie BOL oder Napster werden geprüft. Dabei hatte Vorgänger Middelhoff oft betont, die Nummer eins unter den Musikanbietern im Web und die Nummer eins im E-Commerce werden zu wollen. In einem Brief an die Mitarbeiter kündigte Thielen in dieser Woche eine „kurzfristige Phase der Konsolidierung“ an. Vor allem Zukäufe sollen erst einmal eingestellt werden.
Vom geplanten Börsengang will Thielen dagegen nicht völlig abrücken. Offenbar soll jedoch nur der 25 %-Anteil von GBL an den Aktienmarkt gebracht werden, nicht die Beteiligung der Familie Mohn. Somit dürfte klar sein, dass sich Thielen nicht ganz vom Kurs Middelhoffs lösen wird.
Nicht nur diese Pläne zeigen, dass auch im Ingenieur Gunter Thielen ein Modernisierer steckt, vielleicht einer der etwas stilleren Art: So hat der 59-Jährige in seiner Zeit als Vorstandsmitglied bereits die Bertelsmann-Sparte Arvato zu einem der führenden europäischen Mediendienstleister aufgebaut. Als Thielen 1980 ins Gütersloher Familienunternehmen einstieg und 1985 die Leitung der „Druck- und Industriebetriebe“ übernahm, zählten vor allem die Druckereien zum Kerngeschäft. Inzwischen macht die Sparte unter dem Namen Arvato den Großteil der Umsätze mit Agentur- und Finanzdienstleistungen, betreibt neben Offset- und Tiefdruckereien auch Call- und Service-Center und bietet Kunden Lösungen für das Management von Datenströmen an. SIMONE ZELL

Von Simone Zell

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