Medien 30.06.2000, 17:25 Uhr

Virtuelle Videothek will Filmfans digital beglücken

Auf den Ausbau der Kabelnetze und andere breitbandige Übertragungswege setzen viele Unternehmen ihre Hoffnung, so auch die Marburger Medianet.com. Ihr System „Cinema on Demand“ soll das digitale Fernsehen voranbringen.

Bibbernd vor Kälte ins Auto steigen, zur Videothek fahren, statt des Lieblingsfilms nur noch eine schlechte Kopie des zweiten Remakes bekommen und sich zu Hause über die Streifen auf dem Bildschirm ärgern – damit ist bald Schluss, glaubt man den Worten des Marburger Unternehmers Frank Hackenbuchner. Er entwickelte das System „Cinema on Demand“. Mit dieser „virtuellen Videothek“ geht die Entwicklungs- und Vermarktungsgesellschaft Medianet.com in der kommenden Woche (Erstnotiz am 5. Juli) an die Börse.
„Das ist echtes Video on Demand“, verkündete Diplom-Physiker Hackenbuchner bei der Präsentation in Frankfurt. Das offene System mit offenen Schnittstellen sei kompatibel zu allen künftigen Endgeräten und Übertragungswegen, so der Erfinder und Firmengründer.
Und so funktioniert“s: Medianet.com hinterlegt Spielfilme, Reise-Reportagen oder Special-Interest-Inhalte auf einem Server, auf den Netzbetreiber und Provider Zugriff haben. Ein so genannter Management-Server koordiniert die Zugriffe und sorgt für eine optimale Ausnutzung der Kapazitäten. Der Kunde sucht seine persönlichen Filmwünsche aus dem Angebot und lädt ihn zu Hause auf seine Settop-Box. Die Settop-Box hat er entweder selbst gekauft oder im Paket von seinem Provider gemietet. Der Provider setzt auch die Kosten für den Film fest, ca. 5 DM bis 8 DM – eben wie ein geliehener Streifen aus der Videothek – dürfte der Kunde dafür zahlen. Der Film kann 24 Stunden genutzt werden, danach wird der Zugriff verwehrt. Für die Kunden fallen nur die Kosten für den Inhalt, nicht jedoch für die Übertragung an. Der Kunde kann somit also beispielsweise auch vor- und zurückspulen, ohne dass zusätzliche Kosten entstehen. Die Übertragung des Filmmaterials läuft zunächst über das TV-Kabelnetz, kann jedoch später über jedes IP-Breitbandnetz erfolgen. Auch eine Satellitenübertragung oder Funk-Lösungen sind einsetzbar.
Zwar basiert Cinema on Demand auf dem Internet-Protokoll IP, doch die Übertragung über das Internet wäre bei den derzeit nur geringen Übertragungsraten, die die meisten Nutzer derzeit zur Verfügung haben, noch ein teurer Spaß. Für einen Film würden schnell 600 DM an Telefongebühren durchrasseln.
Medianet.com hat die Schnittstelle konzipiert, will jedoch keine eigene Settop-Box entwickeln. Durch Mitgliedschaften im Digital-Verbund F.U.N. (Free Universe Network), in dem z. B. Decoder-Standards entwickelt werden, und dem Verband der privaten Kabelnetzbetreiber ANGA will sich Medianet.com den Zugang zu den Endkunden erhalten. Auch sonst stützt sich das Unternehmen auf Partnerschaften. So soll die gerade besiegelte Beteiligung des Münchener Filmverleihs Kinowelt Medien AG auch langfristig sicherstellen, dass genug attraktive Filme über die Leitungen geschickt werden. können. Auch die Filmgesellschaft VCL sitzt mit im Boot.
Was noch fehlt, ist ein bahnbrechender Erfolg in der Praxis, denn zurzeit laufen nur Pilotprojekte in den neuen Bundesländern. Versuche in Österreich, der Schweiz und in weiteren deutschen Städten sollen folgen. Bis Ende des Jahres will Hackenbuchner zusammen mit seinem 32-köpfigen Team Videos an 300 000 Haushalte verschicken, unter anderem sind drei Projekte mit der Deutschen Telekom geplant, verkündete der Manager in Frankfurt.
Für die Marburger hängt die Zukunft somit also an der Qualität der Inhalte und dem Ausbau der Kopfstationen des TV-Kabels. Denn bei den gegenwärtig verfügbaren Bandbreiten dauert es noch immer mindestens fünf Stunden, bis ein Film geladen ist. Für ein spontanes Fernsehvergnügen ist also Cinema on Demand noch nicht die richtige Lösung. „Dafür kann man schon von unterwegs, über das Internet im Büro oder über das WAP-Handy einen Film bestellen, der dann vom Provider auf die Box zu Hause geladen wird“, tröstet Hackenbuchner. Auch ist nicht klar, ob der Ausbau der Kabelnetze so schnell vonstatten geht, wie es sich Medianet.com erhofft. Erst vor drei Wochen sagte der amerikanische Kabelinvestor Richard Callahan im Gespräch mit den VDI nachrichten, dass er frühestens 2004 flächendeckend mit breitbandigen Netzen und Diensten rechne. SIMONE ZELL
Physiker Frank Hackenbuchner entwickelte das System von „Cinema on Demand“. Nach langer Vorbereitung geht sein Unternehmen am 5. Juli an den Frankfurter Neuen Markt.

Von Simone Zell

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