Medien 06.04.2001, 17:29 Uhr

„Viel Spaß auf Ihrem Weg nach oben“

Das Aktienfieber sinkt von Tag zu Tag, aber die lockeren Worte des Börsen-Entertainers Frank Lehmann machen den Verlust ein wenig erträglicher. Mit unterhaltsamen Quizformaten versucht nun der Berliner Nachrichtensender n-tv, neue Zuschauer für Wirtschaft im Fernsehen zu begeistern.

Temperamentvoll steht er da, mit flackerndem Blick und geschürzten Lippen. Wenn Frank Lehmann abends vor der „Tagesschau“ seine Börsentipps zum Besten gibt, krachen die Metaphern. Aber jeder weiß anschließend, was Sache ist. Prägnant bringt er die Geschehnisse des Börsentages auf den Punkt und scheut sich nicht vor persönlichen Einschätzungen und derben Worten. Wie ein Dompteur kann er die nervösen Ausschläge des Marktes bändigen, erklären. Mit Lehmann als Steuermann gleichen die wogenden Börsenmeere eher einem flachen Binnensee. Sein Auftreten mag jenen etwas Trost spenden, die kürzlich einen Teil ihres Kapitals darin versenkten.
Der 5-Minüter „Börse im Ersten“ ist wohl das Unterhaltsamste, was die Öffentlich-Rechtlichen unter den Wirtschaftssendungen im Fernsehen zu bieten haben. Das steigende Börseninteresse und die gute Präsentation ließen das Format zwischen Wetter und Nachrichten rutschen. Ansonsten regiert biedere Vernunft. Seien es Klassiker wie die ZDF-Sendung „Wiso“, das ARD-Magazin „Plusminus“ oder der „Markt im Dritten“ beim NDR – alle Wirtschaftssendungen setzen auf ausgewogene Information mit Ratgebercharakter und Nutzwert für den „kleinen Mann“. Anders der Berliner Nischensender n-tv, der im Rahmen seiner jüngsten Programmreform mit Sendungen wie dem „Börsenquiz“, dem „Newsquiz“ und der „Wirtschaftswoche Start-up-Show“ Fernseh-Neuland betreten hat. „Wir wollen Informationen unterhaltsam präsentieren“, so n-tv-Chef Helmut Brandstätter.
Die neuen Programmformate bei n-tv warten mit einem bei Wirtschaftsthemen ungewohnten Infotainment-Anteil auf. Bei der „Start-up-Show“, die die Gründerszene der New Economy anspricht, sinken zwei konkurrierende Kandidaten im Fahrstuhl aus luftiger Höhe auf die Studiokulisse nieder und haben sechzig Sekunden Zeit, ihren Geschäftsplan vorzustellen. Im Anschluss durchlaufen sie ein Frageduell mit einem anwesenden „Famous Angel“ und ein Kreuzverhör mit Experten aus namhaften Firmen. Die Kandidaten werden von Moderatorin Kerstin Straub wieder in den Fahrstuhl entlassen mit den Worten „Viel Spaß auf Ihrem Weg nach oben.“
„Man muss versuchen“, erläutert Sprecher Bernd Schwintowski das Sendekonzept, „die Mechanismen des Wirtschaftsgeschehens mit Fernsehmitteln umzusetzen.“ Wie im wahren Wirtschaftsleben müssen die Jungunternehmer bei der „Start-up-Show“ einen Investor im „Pitch“, also im Wettbewerb, von seinem Business-Plan überzeugen. Gelingt das, locken Unterstützung und Investitionen eines Business-Angels.
Auch beim „Börsenquiz“, der „Sendung rund um das Auf und Ab bei Dax und Dow“, spielen die Kandidaten nicht um Punkte, sondern um den symbolischen Wert ihres Unternehmens. Wie an der Börse hängen die Kurse der notierten Spieler voneinander ab: Steigt der eine, fällt der andere. Als Gewinn stehen reale Anteile an Aktienfonds in Aussicht, dafür müssen die Kandidaten Fragen nach dem aktuellen Wirtschaftsgeschehen beantworten. Die zweiten und dritten Sieger müssen sich mit dem Brockhaus begnügen.
Die Tendenz zu Wettkampf und Sensation, zu Spektakel und Nervenkitzel ist den öffentlich-rechtlichen Sendern ziemlich unbekannt. Gelassen sieht man dort den innovativen Anstrengungen bei n-tv zu. „Plusminus ist ein verbraucherorientiertes Wirtschaftsmagazin“, erläutert Dirk Bergmann, Abteilungsleiter Wirtschaft und Ratgeber beim NDR in Hamburg, „die Spartensenderphilosophie von n-tv können wir uns nicht leisten. Ratespiele und Shows sind keine Formate, die bei den Öffentlich-Rechtlichen Erfolg hätten.“ Dennoch heißt der Fernsehmann einen gewissen Unterhaltungwert auch in der ARD willkommen: „Die Sendungen werden sicher davon profitieren, wenn es eine Leichtigkeit in der Präsentation gibt.“ Daran will man zukünftig stärker arbeiten, auf kurzfristige Modeerscheinungen aber nicht setzen.
Für n-tv geht es mit den neuen Konzepten vor allem ums Wochenende. Während der Werktage, wenn sich die Märkte bewegen, wird der Zuschauer wie gehabt eher sachlich mit den notwendigen Informationen versorgt. Am Wochenende jedoch gilt es, für an Wirtschaftsthemen interessierte Zuschauer attraktiv zu bleiben und eine Migration zu anderen Sendern abzufangen. Und: vielleicht auch neue Zuschauerschichten für die eher trocken wirkende Materie zu begeistern. Immerhin zog die sonntägliche „Start-up-Show“ im März nach eigenen Angaben des Senders durchschnittlich 230 000 Wirtschaftsinteressierte vor den Bildschirm, das „Börsenquiz“ erreichte 350 000 Zuschauer. „Das Börsenquiz ist der Versuch, das Internet mit dem Fernsehen zu verbinden und damit auch jüngere Leute, die an anderen Marktwerten interessiert sind, einzunehmen“, so Bernd Schwintowski. Nach der Cross-Media-Strategie des „Börsenquiz“ werden die drei wöchentlichen Internet-Gewinner später ins Studio geladen und spielen dort gegeneinander. Dieses Konzept könnte auch ein interessantes Modell für neue Online- oder Spartenkanäle im digitalen Fernsehen sein. HELMUT MERSCHMANN

 

Von Helmut Merschmann

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