Experiment im Museum 11.12.2013, 13:17 Uhr

Versuche zeigen: Fotografieren stört das Erinnerungsvermögen

Wer sich bei einem Museumsbesuch die Zeit nimmt, die Kunstwerke genauer anzuschauen anstatt sie wahllos zu fotografieren, kann sich später besser an die Bilder und Motive erinnern. Ein Experiment mit Museumsbesuchern hat gezeigt, dass Menschen, die Ausstellungsstücke einfach nur „knipsen“, sich später schlechter an diese Kunststücke erinnern können. 

Besucher einer Ausstellung über den Architekten Ernst Neufert im Neuen Museum in Nürnberg: US-Forscher haben in einem Experiment die Vermutung bewiesen, dass Fotografieren das Erinnerungsvermögen beeinträchtigt. Wer Objekte fotografiert, um sie besser zu behalten, kann sich meist schlechter erinnern.

Besucher einer Ausstellung über den Architekten Ernst Neufert im Neuen Museum in Nürnberg: US-Forscher haben in einem Experiment die Vermutung bewiesen, dass Fotografieren das Erinnerungsvermögen beeinträchtigt. Wer Objekte fotografiert, um sie besser zu behalten, kann sich meist schlechter erinnern.

Foto: dpa/Daniel Karmann

Auf dem Weg durch eine Ausstellung im Museum begegnen wir einer Menge von Kunstwerken und Gemälden. Viele Menschen fotografieren diese, um sich später besser daran erinnern zu können. Doch erinnern wir uns tatsächlich besser an das Gesehene, je mehr Bilder wir aufgenommen haben? Dies wollte die Psychologin Linda Henkel von der Fairfield University im US-Bundesstaat Connecticut erforschen.

Die Psychologin lud junge Studierende zu einer Führung durch ein örtliches Kunstmuseum ein. Die Aufgabe bestand darin, einige der ausgestellten Kunstwerke besonders zu beachten. Dies konnte durch fotografieren oder anschauen passieren.

Besser erinnern ohne Kamera

Das Ergebnis der Untersuchung war eindeutig: Ein Tag nach dem Museumsbesuch konnten sich die Teilnehmer der Studie ohne Kamera noch recht gut an die Ausstellungsstücke erinnern. Die Studenten, die Fotos von den Kunstwerken gemacht hatten, konnten sich nur noch schwer  erinnern. „Wenn sich Menschen darauf verlassen, dass ihre Kamera ein Ereignis aufzeichnet und sie sich deshalb selbst nicht voll darauf einlassen, kann sich das negativ auf ihre Erinnerung auswirken“, erklärt Henkel dieses Phänomen.

Die Menschen vergessen in dem Moment des Fotografierens, sich noch richtig mit der Sache zu beschäftigen. Sie verlassen sich auf ihre Kamera und gehen davon aus, sich später mit Hilfe der Bilder an Dinge erinnern zu können. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Die Teilnehmer mit Kamera waren sogar „foto-geschädigt“ und leiden unter Neudeutsch dem „photo-taking impairment effect“. Das sei ähnlich wie beim Merken von Telefonnummern. Früher konnten sich die Menschen viele Telefonnummern recht schnell merken. Heute sind es nur noch wenige Nummern, die sich die Menschen merken, der Rest ist auf dem Smartphone gespeichert.

Fotos können die Erinnerung unterstützen und stärken

Nur wer sich mit einer Sache beschäftigt und dann trotzdem noch Aufnahmen macht, profitiert später von diesen Fotos.  „Wenn wir uns erinnern wollen, müssen wir die Fotos betrachten und mit ihnen interagieren“, erklärt die Forscherin. Massenhaftes Fotografieren unterstützt das Erinnerungsvermögen hingegen nicht.

Diese Tatsache stellte Henkel in der zweiten Studie unter Beweis. Die Museumsbesucher mit Kamera hatten die Aufgabe, bestimmte Details der Objekte zunächst zu zoomen und erst dann auf den Auslöseknopf zu drücken. Am folgenden Tag konnten sich die Studenten in der Tat besser erinnern, und zwar nicht nur an das aufgenommene Details, sondern an das komplette Ausstellungsstück. „Das zeigt, dass unser geistiges Auge und das Kameraauge nicht das gleiche sind“, so Henkel.

Von Petra Funk

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