Medien 03.11.2006, 19:24 Uhr

Verschlüsselung im Satelliten-TV ist umstritten  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 3. 11. 06, jdb – Da staunte der Vorstand der Deutschen TV-Plattform nicht schlecht. Statt der Teilnahmebestätigung des Bundeskartellamtes für den Workshop „Verschlüsselung oder Adressierbarkeit?“ kam eine Warnung des Amtes, sich „kartellrechtskonform“ zu verhalten und Abstimmungen unter den Teilnehmern zu vermeiden, da diese verbotene Kartelle darstellten.

Die 7. Beschlussabteilung des Bundeskartellamtes wies im Vorfeld des Workshops „Verschlüsselung oder Adressierbarkeit?“ der Deutschen TV-Plattform darauf hin, dass eine Abstimmung zwischen den Teilnehmern des Workshops grundsätzlich ein verbotenes Kartell darstelle. Doch zu dieser befürchteten Einigung kam es nicht – die Fronten zwischen Kabelnetz-, Mobilfunk- und Satellitenbetreibern sowie der Telekom-Tochter T-Online, öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunkanbietern, Regulierern und Vertretern der Verbraucher blieben bestehen, das Kartellamt hatte sich umsonst gesorgt.

Aktueller Anlass für die kürzlich stattgefundene Veranstaltung war vor allem das geplante Vorhaben von SES Astra, auf einer neuen Digitalplattform unter dem Namen „entavio“ digitale TV-Programme grundverschlüsselt zu übertragen. Dabei handelt es sich vor allem um die Angebote der großen privaten Veranstalter RTL, ProSieben und Sat.1. Die sollen, nein wollen sich grundverschlüsseln lassen, wurde von entavio-Geschäftsführer Wolfgang Keuntje betont, und zwar mit Nagravison.

Den Begriff „Grundverschlüsselung“ bei Free-TV-Programmen übersetzte Philips-Manager Georg Lütteke, zugleich Vorstandsmitglied der TV-Plattform, mit „Zugangsberechtigung“. Ziel sei es, Programme und Dienste nur Berechtigten zugänglich zu machen. Berechtigt ist, wer angemeldet ist und bezahlt – und damit dann auch für den Inhalteanbieter adressierbar ist. „Im europäischen Ausland wird die Grundverschlüsselung fast überall angewendet, ist eigentlich kein Thema“, so Lütteke. Nur in Deutschland werde die Grundverschlüsselungstechnik für Free-TV und für Pay-TV als problematisch erachtet.

Der Einstiegspreis in die Verschlüsselungswelt der Ex-Free-TV-Programme soll übrigens 3,50 € pro Monat betragen. Wilfried Urner, Geschäftsführer der Astra Platform Servies APS sieht ohne entavio die Wettbewerbsfähigkeit des Übertragungsweges Satellit gefährdet. „Der Sender entscheidet, ob er sich grundverschlüsseln lässt – und nicht Astra. Und wir haben weder ARD noch ZDF jemals nahe gelegt, sie verschlüsseln zu wollen“, so Urner.

Schon lange hätte es aber bei privaten Anbietern eine Nachfrage gegeben, sich verschlüsseln zu lassen. „Daher ist es legitim, diesen Service anzubieten.“ Über Satellit sollen damit offiziell Gebiets-, Kopier- und Signalschutz sowie Adressiermöglichkeiten für Pay-TV oder Video-on-Demand (VoD) erreicht werden – und damit noch mehr Programme möglich werden.

Im Kabel taten sich die privaten Anbieter hingegen jahrelang sehr schwer, ihre digitalen Programme grundverschlüsseln zu lassen – sie mussten regelrecht in die Netze gezwungen werden. Mittlerweile gibt es da aber eine Vielzahl digitaler Plattformen. Premiere, KDG, Unity Media, Kabelkiosk, Arena – meist mit unterschiedlicher Technik. „Bei der Grundverschlüsselung werden alle Programme verschlüsselt – und nicht nur einzelne, wie bei Pay-TV“, erklärte Peter Charissé von der ANGA. APS-Mann Urner sieht indes nicht das Netz, sondern das einzelne Programm verschlüsselt und definierte die bei entavio vorgesehene Technik zunächst selbst als Pay-TV bzw. Pay-TV light, um dann immerhin doch noch festzustellen: „Für uns ist es Free-TV, verschlüsseltes FreeTV.“

Das wiederum ist – finanziell gesehen – ebenso wenig „Free“ wie die Programme von ZDF und ARD. Deren Vertreter Michael Albrecht erinnerte das alles an den Tanz ums goldene Kalb. „In der Begrifflichkeit Rundfunk stecken die Worte ¿rund¿ und ¿senden¿, der Kunde ist frei, die Angebote anonym zu nutzen“, so der Medienstratege. Sorgsam differenzierte er zwischen Zugang zum Netz und zum Inhalt. Während der geschützte Zugang zu einer technischen Infrastruktur noch akzeptabel sei, werde über eine Grundverschlüsselung von Inhalten mit ARD und ZDF nicht zu diskutieren sein. Auf der anderen Seite wurden die privaten Anbieter aufgefordert, sich in allen DVB-T-Netzen zumindest mit ihren Hauptprogrammen zu beteiligen.

Auf den wahren Grund für die geplante Verschlüsselung wies Hans Hege, Direktor der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, hin. „Trotz der veröffentlichten schönen Zahlen von Astra und den privaten Programmveranstaltern ist die reale Situation nicht ganz so gut.“ Satellitentransponder werden durch die Digitalisierung besser ausgenutzt, der Bedarf dürfte mittelfristig stagnieren oder gar einbrechen. Auch Werbeumsätze gehen infolge der zunehmenden Medienkonkurrenz zurück.

„Also werden neue Finanzierungsmöglichkeiten gebraucht, deswegen sind auch wir für die Adressierung“, so Hege. Doch würde alles nur funktionieren, wenn der Verbraucher einen Nutzen davon habe. Daher die Warnung: „Wenn das Astra-Modell schief geht, dann haben wir einen Schaden für die gesamte Landschaft, dann werden die Programme schleichend schlechter.“

Peter Gurr von der Stiftung Warentest hält es gar für denkbar, dass die Verbraucher das Thema ignorieren und die Programme der Privaten bis zum Jahr 2010 oder 2012 nur analog empfangen. Wolfgang Keuntje von entavio sieht in der digitalen entavio-Technik den multimedialen Netzabschluss: „Daran werde ich alle meine Endgeräte anschließen können – nur so können wir das sich jetzt abzeichnende Boxenchaos verhindern.“

Michael Bobrowski von der Verbraucherzentrale Bundesverband hat vor allem Probleme mit der Adressierung. „Das schafft den gläsernen Verbraucher und die Daten könnten für Marketing- und Vertriebszwecke von Anbietern genutzt werden.“ Mehr Offenheit und mehr Ehrlichkeit forderte Gerhard Schaas von Loewe. „Das Geschäftsmodell der privaten Anbieter ist erheblich gestört, man muss akzeptieren, dass hier was zu ändern ist.“

Dass Deutschland bei der Digitalisierung des Fernsehens in Europa weit abgeschlagen ist, konstatierte Karola Wille vom mdr. „Wir müssen Wege finden, die tatsächlich eine Beschleunigung der Digitalisierung mit sich bringen. Die Kunden müssen den Mehrwert erkennen und davon überzeugt sein.“ Doch das dürfte dauern. Zumal in Deutschland. RAINER BÜCKEN

www.entavio.de

www.anga.de

www.ard.de

www.zdf.de

www.mabb.de

www.vprt.de

www.vzbv.de

www.tv-plattform.de

Verschlüsselung bietet Gebiets-, Kopier- und Signalschutz

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