Medien 25.05.2001, 17:29 Uhr

Verlage beginnen mit Content Syndication

Geht es um das Thema Content im Internet, haben gerade die Fachverlage eine Menge interessanter Inhalte zu bieten – theoretisch jedenfalls. Praktisch steht die Syndizierung von Inhalten noch ganz am Anfang.

Content Syndication? „Das hat für uns nicht die allergrößte Priorität“, sagt Hans-Dieter Haenel, bei der BertelsmannSpringer-Verlagsgruppe zuständig für den Bereich Professionals. Eine Erfolg versprechende Strategie sei dagegen, eigene Plattformen im Internet aufzubauen und dort Inhalte anzubieten. Aber Zweitverwertung über andere Portale oder Firmenseiten? „Wenn wir das Gefühl haben, ein Dritter macht etwas Gutes mit unseren Inhalten – warum nicht?“ Ein Austausch besteht z. B. mit Reuters und dem Platow-Brief.
Dass die Fachverlage bisher noch nicht mit beiden Beinen auf den Content-Zug aufgesprungen sind, liegt zunächst an der hohen Spezialisierung der Branchen. „Ingenieure für Oberflächentechnik gibt es in Deutschland rund 4000, und sie werden durch Syndication nicht mehr“, so Haenel. Je feiner die Segmente abgestimmt seien, desto schwieriger sei es, neue Leser zu gewinnen.
Darüber hinaus sind für BertelsmannSpringer die eigenen Onlineauftritte profitabel. Vor allem die Einsparungen im Vergleich zum herkömmlichen Marketing seien groß. Der Kontakt zu den Nutzern bestünde dauernd, und sie seien bereit, für hochwertige Inhalte zu zahlen. Ein prominentes Beispiel dafür ist BauNetz.de. Das Portal für Bau und Architektur wird von BertelsmannSpringer mit Partnerverlagen, Verbänden und dem Bundesbauministerium betrieben. Neben freien Angeboten können die Kunden gegen Gebühr z.B. detaillierte Informationen über Bauvorhaben herunterladen.
Kein schwarzes Loch also, in dem die Investitionen verschwinden. So empfinden jedoch viele, besonders die kleineren Fachverlage, die Onlineversionen ihrer Titel. Sie gehören längst zum guten Ton, zahlen sich aber meistens nicht aus. Das hat die Kommission Betriebswirtschaft des Verbands der Fachpresse festgestellt. Durch Content Syndication wollen viele Verlage ihre Inhalte doch noch zu Geld machen.
Die Vogel-Medien-Holding, Spezialist für Themen rund um Auto, Computer und Wirtschaft, hat eine Tochterfirma „mycontentfactory“ gegründet. Sie soll Text- und Bildmaterial aus den hauseigenen und kooperierenden Verlagen „aufsaugen“ und für die Zweitverwertung aufbereiten sowie zusätzliche Kapazitäten der Autoren ausschöpfen. Die Kunden bekommen dann fertige Pakete. Im B2B-Bereich können die Fachverlage sämtliche Werte, also auch Adressen und Kundenbeziehungen, vermarkten, so Geschäftsführer Dietmar Salein von der Vogel-Medien-Holding. Der Aufbau des eigenen Syndicators sei zwar mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden, doch in drei Jahren sei Gewinn möglich.
Einige seiner Kollegen haben sich die Mühe gar nicht erst gemacht, sondern die technische, juristische und kaufmännische Abwicklung Vermittlern überlassen. Auch inhaltlich sei es von Vorteil, mit Vermittlern zusammenzuarbeiten, so Reinhold Gokl von den Genios-Wirtschaftsdatenbanken. So können z. B. themenverwandte Beiträge von mehreren Verlagen zu einem Datenstrom gebündelt und zu einem konkreten Anlass wie einer Messe angeboten werden. Gerade baut Genios einen Content-Pool auf.
Viele Verleger haben Vorbehalte wegen zusätzlicher Kosten. Die Inhalte müssen redaktionell und technisch für das Internet und die Intranets, für WAP- und SMS-Dienste, in Zukunft auch für andere Kommunikationskanäle aufbereitet werden. Wird der Verlag womöglich zum austauschbaren Lieferanten von guten, aber anonymen Inhalten? Wird die Printausgabe kannibalisiert? Die Befürchtung teilt Klaus Hug vom Holzmann Verlag nicht.Holzmann bietet neben der Printausgabe für Handwerker auch Nachrichten und Themen-Specials für die Websites der Handwerkskammern und für das Meisterportal eines externen Betreibers. Der Vorteil: „Wir können das Leseverhalten auswerten und Zielgruppen filtern – bis hin zur Personalisierung“. MATILDA JORDANOVA-DUDA

Von Matilda Jordanova-Duda

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